Handball
In der Rolle des Underdog am unberechenbarsten

Handball Dietikon-Urdorf fordert Leader aus Neuhausen. Letztlich unterliegen die Limmattaler, bei denen vor dem Match eine ominöse Champagnerflasche auftauchte, nur knapp mit 29:31

Raphael Biermayr
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Dietikon-Urdorfs Yves Barben (r.) erzielt in doppelter Unterzahl das Tor zum 23:25.bier

Dietikon-Urdorfs Yves Barben (r.) erzielt in doppelter Unterzahl das Tor zum 23:25.bier

Was es mit der Champagnerflasche auf sich hatte, mit der er vor dem Match gesichtet wurde, wollte Karsten Hackel nicht öffentlich machen. «Das hat mit unserer Spielvorbereitung zu tun», lautet das offizielle Statement des Trainers des HC Dietikon-Urdorf dazu. Sekt war vor der Partie gegen 1.-Liga-Leader Neuhausen ein Thema – aber auch danach. Denn obwohl die Limmattaler die dritte Niederlage in Folge hinnehmen mussten, rissen sie das Publikum mit ihrer Leistung in der zweiten Halbzeit von den Plastiksitzen.

Enorme Euphoriewelle

Mit sechs Toren im Hintertreffen nach 30 Minuten (13:19), setzte keiner mehr auf die Gastgeber. Doch spätestens als Yves Barben das 23:25 erzielte (46.), lag die dicke Überraschung in der Luft. Verrückt: Jener Treffer fiel nach einem Gegenstoss aus einer 3:1-Situation – bei doppelter Überzahl der Schaffhauser. Es war ein Indiz für die enorme Euphoriewelle, die den HCDU erfasst hatte, aber auch für den sukzessiven Abbau der Gäste. Diese liessen einerseits die letzte Konsequenz im Abschluss vermissen, hatten andererseits mit zahlreichen Pfosten- und Lattenschüssen aber auch blankes Pech.

In 24 Stunden deutlich gesteigert

Im Gegenzug deckten sie in der Schlussphase konsequenter, vor allem in der Mitte und halbrechts, was letztlich den Unterschied machen sollte. Luzi Tiefenauer scheiterte in der Schlussphase vier Mal mit seinen Abschlussversuchen, auch weil er in ungünstige Schusspositionen gedrängt worden war. Neuhausen zog auf 29:23 davon (53.). Der HCDU kam zwar abermals auf zwei Treffer heran, doch mittlerweile war die Zeit zu knapp, um die Wende noch zu schaffen – 29:31. Die Leistung war umso erstaunlicher, als dass Dietikon-Urdorf nicht einmal 24 Stunden zuvor im Einsatz gestanden und beim 20:39 bei Fides St. Gallen eine vergleichsweise lamentable Leistung abgeliefert hatte.

Eine Frage der Erwartungen

«Das war wie Tag und Nacht», befand Trainer Hackel. Als Erklärung für die zwei Gesichter seines Teams sieht er die Erwartungshaltung der Spieler an sich selbst: «Vor dem Fides-Spiel sprachen sie nur von zwei Punkten und setzten sich unter Druck. Heute hatten sie sich keine Chancen eingeräumt, sondern sprachen davon, Spass haben zu wollen.»

Diese Feststellung lässt für die nächste Begegnung nichts Gutes erahnen: Die zehntplatzierten Limmattaler gastieren am 9. November beim elftplatzierten Wetzikon. Der HCDU ist gefordert, auch ohne die Aussenseiterrolle Champagnerhandball zu zeigen.

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