Die 27-jährige Daniela Ryf absolvierte erstmals in ihrer Karriere überhaupt einen Langdistanz-Triathlon über 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,195 km Laufen. Das Besondere an ihrem siegreichen Debüt über diese Strecke ist, dass sie am Vortag bereits über die olympische Distanz im sogenannten 5150-Format (als «EM» gewertet und mit Windschattenfahrverbot wie im Ironman) triumphiert hatte. Dieses Kunststück ist in der Triathlon-Welt als Effort besonderer, wenn nicht gar einmaliger Güteklasse zu werten. Die aktuelle Europameisterin über die halbe Ironman-Distanz hatte zuletzt am 1. Juni mit einem hoch überlegenen Sieg am Halb-Ironman in Rapperswil-Jona ihre Hochform angedeutet.

Den Magenkrämpfen getrotzt

Nach ihrem Sieg am Samstag fand sich beim Ironman lange Zeit nicht ihren Rennrhythmus. Es fehlte ihr das Renngefühl. «Ich schwamm unheimlich schlecht und schien noch zu schlafen. Ich hatte auch ganz aufs Aufwärmen verzichtet. Ich dachte, dass ich dafür im Laufe des Tages noch ausreichend Zeit finden werde.» Apropos Zeit: Ihre Wettkampfuhr stellte Ryf gestern nie an. «Ich schob es immer wieder hinaus. Ich wollte um 16 Uhr im Ziel sein, so kam es denn auch.» Ryf teilte sich den langen Tag Schritt für Schritt ein. «Eigentlich wollte ich schon in der ersten Radrunde aufgeben, weil ich Magenkrämpfe hatte. Ich sagte meinem Trainer Brett Sutton, dass es nicht ging.» Dann nahm Ryf bei einem Posten etwas Salz- und Darvida bei einer Verpflegung zu sich. Auf der zweiten Runde ging es ihr dann besser und sie fand den Rhythmus.

Der Australier hatte sie auch angewiesen, die erste Radrunde nicht hart anzugehen, sondern sich danach zu steigern. «Dies gelang mir tatsächlich. Meine Beine im Laufen fühlten sich im Ironman zu Beginn des Laufens sogar besser an als am Vortag. Zwischen den beiden Wettkampftagen Ryf weniger auf gesunde als vielmehr auf kalorienreiche Nahrungsaufnahme geachtet. Am Samstagmittag nach dem Rennen gab es Bratwurst, Spaghetti Bolognese und ein Red Bull. Am Abend Pizza, Pasta und etwas Schokolade, aber auch Glace. «Ich fühlte mich dann in der Nacht schlecht, weil ich soviel gegessen hatte. Doch anscheinend braucht es dies, um einen Ironman zu überstehen.» Nach oben hin scheint Ryfs Potenzial im Mittel- und Langdistanz-Triathlon aktuell keine Limite zu kennen. Die Ironman-WM auf Hawaii zieht Ryf frühestens im nächsten Jahr in Betracht. Bislang einzige Schweizer Ironman-Weltmeisterin ist Natascha Badmann. Die sechsfache Titelträgerin von Kona (erstmals 1998, letztmals 2005) brillierte bei ihrem ersten Ironman-Start in Zürich mit Platz 2.

Van Berkel enttäuscht

Bei den Männern hatte der Winkler Jan van Berkel zwischen Laufkilometer 12 und 33 das Feld angeführt, ehe er die Führung an Stein abgeben musste und noch weitere Plätze einbüsste. Zwei Jahre nach seinem zweiten Platz bei seinem Ironman-Debüt in Zürich und der nicht mehr erreichten Bestätigung steht van Berkel vor einem Rätsel. «An der Ernährung kann es nicht gelegen haben.» Dennoch traf ihn der Hammermann rund zwölf Kilometer vor dem Ziel mit voller Wucht. Nach seinem fünften Ironman sei es Zeit für eine gründliche Analyse, so van Berkel. Der Deutsche Boris Stein, der bereits den Halb-Ironman von Rapperswil-Jona gewonnen hatte, feierte derweil seinen ersten Triumph über die komplette Ironman-Distanz.

Mallepell ist Zweiter

Vom Tri Team Limmattal (TTL) waren auch fünf Athleten über die Ironman-Distanz gestartet. Alle schafften es ins Ziel. Für den Urdorfer Routinier Jürg Mallepell ging es um die letzte Chance auf ein Hawaii-Ticket, nachdem er vor kurzem in Frankfurt wegen den Folgen eines Sturzes auf dem Rad aufgegeben hatte. Nach 10:39:39 Stunden war der 60-Jährige im Ziel. Das reichte für Rang 2 in seiner Alterskategorie, aber wohl nicht für die Reise in die USA.

Über die kürzeren Distanzen standen am Samstag ebenfalls mehrere TTL-Athleten im Einsatz. Über die olympische Distanz verpasste Max Schneble in der Altersklasse 30 das Podest als Vierter um nur fünf Sekunden. Et Lam scheiterte an seiner Vorgabe von 2:15 Stunden (siehe Ausgabe vom 22. Juli). Er kam sechs Minuten später ins Ziel. (si/nch)