Manuel Wanner sieht noch etwas müde aus. Kein Wunder, denn für den Squash-Profi ging es nach einem Turnier in der Ukraine direkt ins Vitis, wo in Kürze das nächste Training ansteht. Der hervorragende Halbfinaleinzug am stark besetzten Teilnehmerfeld gerät für den 20-Jährigen aber bereits wieder in den Hintergrund, wichtig ist die Zukunft.

Die Bude soll lebendiger werden

Obwohl sich die Bilanz von Vitis Schlieren, zwei Meistertitel und ein dritter Rang, in den letzten drei Jahren durchaus sehen lassen kann, befindet sich der NLA-Klub im Umbruch. Dieser fängt ganz oben im Verein an – am vergangenen Mittwoch wurde der 23-jährige Roman Soom zum neuen Präsidenten gewählt. «Wir wollen frischen Wind in ein Klubleben bringen, das in den letzten Jahren arg gelitten hat», definiert Soom die oberste Zielsetzung seines Amtes.

Dazu gehören diverse Events, wie Plauschturniere, aber auch gemütliches Beisammensein nach den Trainings und Matches, wie der Urdorfer präzisiert: «Jeder, der ins Vitis kommt, soll sehen: Hier ist Leben in der Bude.»

Diese lebende Bude dann in ein Tollhaus zu verwandeln, gehört zum Aufgabengebiet von Wanner. Der Zögling von Spielertrainer John Williams soll einerseits auf dem Platz für Furore sorgen, aber auch seinem Coach bei der Akquise von neuen Spielern behilflich sein.

Mit der Verpflichtung des Ägypters Tarek Shehata (kommt von Cham) ist dem Duo bereits ein erster Transfercoup gelungen. «Dennoch wollen wir noch einen weiteren Ausländer in unser Team holen», ergänzt Wanner. Interessenten gäbe es genug, es fehlen jedoch rund 8000 Franken in der Vereinskasse. «Die Sponsorensuche ist eine weitere Herausforderung», sagt Neu-Präsident Soom lächelnd.

Zahlreiche Mitfavoriten

Weitere Verstärkung könnte Vitis gut gebrauchen. Mit Uster, Langnau, wo mit Nicolas Müller der aktuell beste Schweizer unter Vertrag steht, Kriens und natürlich Titelverteidiger GC ist die Konkurrenz um den Titel gross – eine der ausgeglichensten Spielzeiten überhaupt bahnt sich an. Für Wanner kein Problem, im Gegenteil: «Ich freue mich auf diese spannende Saison. Und für die Zuschauer wird so das Ganze natürlich noch attraktiver.»

Dennoch lautet das Minimalziel der ambitionierten Limmattaler «Playoff-Qualifikation», also eine Platzierung unter den besten vier Teams der Liga. Obwohl das Kader erst in den kommenden Wochen komplettiert wird, ist diese Zielsetzung bereits jetzt als durchaus realistisch einzustufen.

Sollte es den Schlieremern zum ganz grossen Coup reichen, wäre es bereits der dritte Meistertitel für den jungen Wanner. Ansehnlich, aber bei weitem noch nicht das Ende aller Träume. «Mein persönliches Ziel ist es, irgendwann weltweit in die Top 5 vorzustossen», sagt Wanner.

Als nächsten Schritt will die aktuelle Nummer 193 der Welt innerhalb des nächsten Jahres zu den besten 100 Spielern des Globus gehören. Dafür muss der gelernte Kaufmann besonders im physischen und mentalen Bereich zulegen, denn: «Technisch hat mich John Williams ziemlich gut erzogen.» Ganz der Teamplayer in der eigentlichen Einzelsportart ergänzt er: «Dazu will ich den Klub vorwärtsbringen. Denn das Vitis ist für mich eine Herzensangelegenheit.»