Rollsport
Im Training beim Rollsportklub: Rollen und Parkett anstatt Kufen und Eis

Vereinfacht gesagt ist Rollsport Eiskunstlaufen auf vierrädrigen Rollschuhen und auf Parkett. Denn die Figuren, Sprünge und Pirouetten in der Disziplin Kür ähneln dem Sport auf den Kufen sehr. Der Rollsport fristet ein Schattendasein neben dem populäreren, aber auch wesentlich teureren Eiskunstlaufen.

Janine Müller
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Vereinfacht gesagt ist Rollsport Eiskunstlaufen auf vierrädrigen Rollschuhen und auf Parkett. Denn die Figuren, Sprünge und Pirouetten in der Disziplin Kür ähneln dem Sport auf den Kufen sehr. Der Rollsport fristet ein Schattendasein neben dem populäreren, aber auch wesentlich teureren Eiskunstlaufen.

Rollsportklub Dietikon bald obdachlos?

Einer der sieben Klubs in der Schweiz ist der Rollsportklub Dietikon, der aber auch mit Sorgen zu kämpfen hat. «Der Parkettboden in der Halle, in der wir im Winter trainieren, wird höchstwahrscheinlich herausgerissen, weil er ein paar kleine Schäden hat. Er wird dann durch einen gewöhnlichen Hallenboden ersetzt, auf dem wir dann mit unseren Rollschuhen nicht mehr fahren können», erzählt Denise Savoia, Vorstandsmitglied im Dietiker Klub. «Danach sind wir obdachlos. Wir wissen noch nicht, was wir machen sollen.»

Doch trotz der unklaren Zukunft beginnen die Sechs- bis Zwölfjährigen mit dem Einlaufen. Unter den Blicken der langjährigen deutschen Trainerin Ingrid Keser fahren die Kinder konzentriert die auf dem Boden eingezeichneten Kreise ab, die sogenannten Pflichtkreise. Diese abzufahren gehört an den Wettkämpfen nebst der Kür zum Programm und wird bewertet. «Den Kindern macht die Kür natürlich mehr Spass. Da können sie mithelfen, die Musik und die Kostüme auszusuchen», sagt Denise Savoia

Mit Herzblut dabei

Nachwuchsprobleme kennt der Rollsportklub Dietikon weniger. Das Problem sei nur, dass die Jugendlichen mit 16 oft mit dem Rollsport aufhören, weil es in der Schule oder in der Lehre zu streng wird, so Savoia. Daher sind die meisten Aktiven in Dietikon zwischen sechs und zwölf Jahre alt. Momentan seien es etwa 17 Kinder, die regelmässig trainieren. Angeleitet werden sie von der Deutschen Ingrid Keser, die bald ihr 10-Jahr-Trainer-Jubiläum in Dietikon feiern darf. Ingrid Keser ist mit Herzblut dabei. Zwei- bis dreimal pro Woche fährt sie von Lörrach nach Dietikon, um ihre Erfahrung im Rollsport weiterzugeben.

Oft versucht sie auch, auf spielerische Art und Weise den Kindern die anfängliche Angst vor dem Umfallen zu nehmen. «Es braucht aber viel Geduld. Und manchmal hören sie nicht so gut zu», lacht Keser und gibt wieder eine Anweisung. Ganz wichtig seien im Rollsport die Haltung und die Körperbeherrschung. Und etwas Disziplin müsse man schon an den Tag legen, meint Keser.

Hartes Training macht Spass

Ingrid Keser ist im schweizerischen und deutschen Rollsport gut vernetzt. Daher besteht für die Kinder aus Dietikon jedes Jahr die Möglichkeit, in Freiburg im Breisgau an einem Trainingslager teilzunehmen, welches vom deutschen Nationaltrainer geleitet wird. «Das Training ist dann zwar oft hart, aber den Kindern macht es trotzdem viel Spass, weil sie auch wieder neue Freunde finden», sagt Keser.

Vom harten Training profitiert hat auch Fabio Savoia. Der Zwölfjährige bestritt bereits Wettkämpfe in Holland und Deutschland und gehört dem Schweizer C-Nationalkader an. Somit ist er momentan der erfolgreichste Läufer der Keser-Truppe.

Die Kinder haben in der Zwischenzeit auf die Disziplin Kür gewechselt und üben nun Sprünge und Pirouetten. Es knallt in der kleinen Halle in Dietikon, wenn die Rollschuhe auf dem Boden aufprallen. Das eine oder andere Kind stürzt auch. Trotzdem haben alle sichtlich Freude an ihrem Sport.