Eishockey
«Im Herz bleibt man eigentlich immer Urdorfer»

Limmattal Wings Captain Marco Birrer ist einer der wenigen, der alle Derbys der Neuzeit miterlebte. Heute folgt Derby Nummer 14. Er wird auch heute wieder dahin gehen, wo es weh tut. Trotzdem sind die Derbys für ihn immer ein Genuss.

Raphael Biermayr
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Marco Birrer möchte heute auch gegen seinen guten Freund Sandro Fischer im Urdorf-Tor jubeln. awa/archiv

Marco Birrer möchte heute auch gegen seinen guten Freund Sandro Fischer im Urdorf-Tor jubeln. awa/archiv

Limmattaler Zeitung

Da hingehen, wo es wehtut. Ein typischer Satz aus dem Eishockey-Jargon. Er bedeutet kurz: Schmerzen einstecken, um zum Erfolg zu kommen. Marco Birrer weiss, wie es ist, bis an die Schmerzgrenze zu gehen. Seine Leidenschaft für das Eishockey hat ihn schon öfter so weit getrieben – gerade im Derby gegen Urdorf. Es war der 28. Januar 2006, als Birrer fünf Tage nach einer Meniskus-Operation mit dem EHC Dietikon auf der Urdorfer Weihermatt auf dem Eis stand. Unter «höllischen Schmerzen» musste er nach 40 Minuten schweren Herzens passen.

Vier Jahre später. Wieder in Urdorf. Birrer, mittlerweile Captain beim Dietiker Nachfolgeverein Limmattal Wings, macht im existenziellen letzten Match denkwürdige Geste. Nachdem der Heisssporn in der 51. Minute an seinem Kumpel Sandro Fischer im Urdorfer Tor gescheitert war, umarmte er diesen herzlich. Es war das symbolische Eingeständnis der Niederlage, die für die Wings gleichbedeutend war mit dem Abstieg in die 4. Liga nach acht Jahren.

Bei allen Derbys an Bord

Es war damit eine Rückkehr für den 29-jährigen Heizungsmonteur aus Bergdietikon. Vor zehn Jahren begann er beim EHCD, als der Ein-Team-Verein nach stetem Auf und Ab in der tiefsten Klasse spielte. Nach Jahren im Nachwuchs des EHC Urdorf hatte er bei den «Stieren» eigentlich die Möglichkeit gewittert gehabt, ins Fanionteam zu stossen. Dieses wurde nach dem Rückzug 1999 neu aufgebaut. Doch da hatte er falsch gedacht. «Bei einem Teamzusammenzug waren sehr viele Spieler da. Bald war klar, dass der Verein nur auf ZSC-Leute setzen will, um so schnell wie möglich aufzusteigen. Die Eigenen hatten keine Chance», schildert Birrer, der später in Urdorf wohnte und etwas Bemerkenswertes sagt: «Im Herz bleibt man eigentlich immer Urdorfer.» An seiner Loyalität ist indes nicht zu zweifeln. Er gehört zu den wenig Verbliebenen, welche in der Saison 2002/03 die ersten Derbys seit den 1960er-Jahren bestritten und heute beim 14. Aufeinandertreffen in der Neuzeit noch dabei sind. Er sagt: «Das Derby ist ein Genuss.»

Selbstvertrauen ist riesig

Birrer und die Wings gehen mit einer Brust in die Partie. Nach dem furiosen Saisonstart mit dem 9:2 gegen Seetal ist das Selbstvertrauen riesig. «Ich gehe sehr ruhig in dieses Spiel, denn ich weiss, dass unser Team Potenzial hat und mit Urdorf mithalten kann», sagt Birrer. Für den mittlerweile wieder zum Verteidiger umfunktionierten Ex-Center steht auch ein persönliches Duell im Vordergrund. Aus seiner Zeit in Urdorf
sind ihm viele Freunde geblieben, so auch EHCU-Goalie Sandro Fischer. «Ich will Fischer heute wieder einen reindrücken», sagt er und spielt damit auf die letzte Begegnung an, in welcher er vor der geschilderten Szene mit dem Treffer zum 5:3 die letzte Hoffnung ins Wings-Lager zurückgebracht hatte.

Emotionen nicht mehr entschedende Bedeutung

Im Gegensatz zu früher misst Birrer den Emotionen für sein Team nicht mehr eine entscheidende Bedeutung zu, im Gegenteil: «Wir sind spielerisch stark, vor allem vorn; Emotionen machen uns nur nervös, wie man in der Schlussphase gegen Seetal gesehen hat.»

Birrer hat mit seinen vergleichsweise jungen Jahren die Möglichkeit, dereinst der letzte Mohikaner zu sein, der von den alten Zeiten berichten kann, als das in den letzten Jahren etwas abgekühlte Derby noch ganz heiss war. Kann er sich vorstellen, wie andere mit über 40 noch zu spielen? «Wenn es die Gesundheit zulässt, sicher», sagt er. Erst vor zwei Wochen musste er sich einer weiteren Knieoperation unterziehen. «Im ersten Spiel habe ich die letzten 20 Minuten pausiert», erklärt er und meint damit, dass er gerade im Derby auf die Zähne beissen und falls nötig da hingehen will, wo es wehtut.

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