«Hallo zusammen, ich bin Alex und darf das Spiel zwischen euch heute leiten. Und das sind meine beiden Assistenten. Ich wünsche euch von Anfang an viel Spass und Erfolg beim Spiel.» So stellt sich Alex De Lorenzi jeweils vor, wenn er ein Fussballspiel anpfeift. «In der 2. Liga duzt man sich noch», sagt der Urdorfer Schiedsrichter. In den höheren Ligen dagegen würden die Spieler gesiezt.

De Lorenzi leitet Spiele als Hobby, so wie alle Unparteiischen in der Schweiz. «Vollberufliche Schiedsrichter gibt es in der Schweiz noch nicht wirklich», sagt der 25-Jährige. Das liegt auch daran, dass selbst Spitzenschiedsrichter höchstens einmal pro Woche einen Einsatz haben. Deshalb arbeiten auch Topreferees nebenbei noch, wobei sie in ihrem angestammten Beruf seit diesem Jahr ein Pensum von höchstens 50 Prozent absolvieren dürfen.

Für 2.-Liga-Schiedsrichter De Lorenzi gilt diese Regelung nicht. Er selbst arbeitet voll als Experte Anästhesie an einem Spital. Als Schiedsrichter muss er im Jahr drei Fixtermine wahrnehmen: zwei Lehrabende, die jeweils zweieinhalb Stunden dauern, einen Konditions- und Regeltest. Der Konditionstest wird für Schiedsrichter ab der 4. Liga fällig, der Regeltest ab der 3. Liga. Zudem muss er pro Jahr mindestens zwölf Partien leiten, sonst droht dem Verein eine Busse oder gar den Rückzug einer Aktivmannschaft. Das ist in De Lorenzis Fall der FC Urdorf.

Kommt das Training hinzu. Dieses besteht hauptsächlich aus Laufen, denn die Schiedsrichter spulen während einer Partie einige Kilometer ab. «Ich komme jeweils auf zwölf pro Spiel», sagt De Lorenzi. Einige Vereine bieten ihren Schiedsrichtern die Möglichkeit, am Mannschaftstraining teilzunehmen. «Die meisten trainieren aber für sich», so De Lorenzi. «Es gibt jedoch eine Talentgruppe des Verbandes, die aus rund 20 jungen Schiedsrichtern mit Potenzial besteht. Wird man in diese Gruppe aufgenommen, kann man wöchentlich ein auf Schiedsrichter bezogenes Training besuchen.»

Mit 15 Jahren darf man Schiedsrichter werden, bei den B-Junioren. In diesem Alter hat auch De Lorenzi seinen Grundkurs absolviert. Danach hat er jeweils eine Liga höher gepfiffen, allerdings nicht im Eiltempo. «Es gibt Schiedsrichter, die mit 18 schon in einer höheren Liga pfeifen», sagt er. «Aber das Problem ist, dass man dann noch nicht als Autoritätsperson wahrgenommen wird.» Da die Spieler auf dem Feld dasselbe Alter haben, besteht die Gefahr, dass der Respekt vor dem Unparteiischen geringer ist.

Respekt wegen Physis

Respekt verschafft sich ein Schiedsrichter aber auch durch sein Auftreten. «Wenn jemand physisch präsent ist, macht er auch den Spielern Eindruck», so De Lorenzi. Eine mögliche Erklärung dafür, dass internationale Spitzenschiedsrichter oft gross gewachsen sind. Definitiv ein Vorteil ist auch der Einsatz von Schiedsrichterassistenten. De Lorenzi kann in der 2. Liga auf die Unterstützung von Assistenten zählen, in der 3. Liga musste er die Spiele noch alleine leiten. Wer seine Assistenten sind, weiss De Lorenzi im Vorfeld zwar.

Doch im Gegensatz zu den Profiligen, wo jeweils fixe Dreierteams im Einsatz sind, kennt man einander in der 2. Liga meist nicht. «Daher erkläre ich ihnen in der Kabine vor dem Spiel auch, wie ich die Leitung handhabe. Das sogenannte Kabinengespräch», so De Lorenzi. «Ich ziehe es zum Beispiel vor, die ersten zehn Minuten möglichst viel selber zu machen, sodass die Assistenten sehen, wie meine Gangart ist.» De Lorenzi lässt sich von den Assistenten auch mal überstimmen oder ein Foul anzeigen. Das wollen aber nicht alle Schiedsrichter, sagt De Lorenzi: «Manche möchten, dass die Assistenten ihre Fahne nur bei Abseitspositionen heben.»

Videobeweis kein Vorteil

Während des Spiels tragen die Schiedsrichter einen Vibrationsalarm, über den sie von den Assistenten kontaktiert werden können, sollte ihnen einmal etwas entgehen. Dem Videobeweis steht De Lorenzi eher skeptisch gegenüber «Im Breitensport wäre das kein Vorteil», sagt er. «Und überhaupt: Wenn ein Videoschiedsrichter entscheidet, braucht man irgendwann keine Schiedsrichter mehr auf dem Platz.»

Noch ist es nicht so weit. Mitte August wird De Lorenzi in der 2.-Liga-Meisterschaft wieder zum Einsatz kommen. Er darf auch Spiele innerhalb der 2.-Liga-Gruppe des FC Urdorf leiten, aber natürlich keine, an denen Urdorf beteiligt ist.
Doch was passiert, wenn gegen Ende der Saison die eine Mannschaft abstiegsgefährdet ist und die andere nicht? Hat so etwas Einfluss auf De Lorenzi und seine Spielleitung? «Ich schaue nie auf die Tabelle», sagt der Urdorfer. «Ich möchte das Spiel möglichst objektiv leiten.»