Kunstturnen
«Ich denke nicht ans Aufhören»

Die Urdorferin Linda Stämpfli turnt die Weltmeisterschafts-Qualifikation in Rotterdam.

Maila Bermejo
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Sie reitet im Moment auf der Erfolgswelle. Die Urdorfer Kunstturnerin Linda Stämpfli bestreitet zwei Wochen nach ihrem zweiten Platz an den Schweizer Meisterschaften die WM-Qualifikation in Holland. «Ein solcher Erfolg tut unheimlich gut und gibt einem ein positives Gefühl für den nächsten Wettkampf», so die Vize-Schweizer-Meisterin im Mehrkampf. Und der nächste Wettkampf kommt bestimmt. Morgen Sonntag turnt das Schweizer Nationalkader um die Teilnahme an den Weltmeisterschaften in Rotterdam.

Die Trainings sind für Stämpfli zwar nicht optimal gelaufen, am Barren hat sie gepatzt und auch am Balken gab es den einen oder andern «Wackler», aber sie sei sehr zuversichtlich, diese Details bis zum Ernstkampf in den Griff zu kriegen. Und das wird bitter nötig sein, denn nur die acht besten Nationen kommen in den Teamfinal. Dass die Schweiz, die sich den 14. Teamrang als Ziel gesetzt hat, dabei sein wird, bezweifelt Stämpfli. «Die Konkurrenz ist sehr gross», so die 22-Jährige, die nach 2005 und 2006 schon ihre dritte Weltmeisterschaft bestreitet. «Aber wir werden natürlich unser Bestes geben.»

Rücktritt in weiter Ferne

Nach dem Rücktritt der Aargauer Kunstturnerin Minu Krasniqi letzte Woche mit nur 17 Jahren stellt sich die Frage, wie lange sich Stämpfli noch im Kunstturn-Zirkus halten kann. Mit ihren 22 Jahren ist sie die Zweitälteste im Team hinter «Seniorin» Ariella Kaeslin, die auch gerne «die Frau unter Mädchen» genannt wird. Tatsächlich sind Frauen über 20 Jahren ein eher seltenes Bild in der Welt des Kunstturnens. «Natürlich bin ich mir bewusst, dass ich nicht ewig turnen kann», so die Urdorferin. «Meine oberste Priorität ist die Gesundheit und um diese steht es sehr gut im Moment.» Die Erfolge, die Stämpfli in den letzten Wochen verbuchen konnte, wischen auch noch die letzten Zweifel vom Tisch. «Solange ich vorne dabei bin, so lange habe ich auch Freude und so lange turne ich weiter. Ich denke nicht ans Aufhören.» Eine klare Aussage. Klar schleiche sich mit fortschreitender Zeit der Gedanke ein, wie lange es wohl noch so weitergehe, aber damit setze sie sich momentan nicht auseinander, so Stämpfli. Im Gegenteil. Die Urdorferin hat in ihrem «hohen» Kunstturnalter noch Ziele und Träume. «Natürlich will ich an der WM mein Bestes geben, danach kommt der Swiss Cup, die Mannschafts-Weltmeisterschaft und vielleicht noch das eine oder andere Turnier», zählt sie auf und sprüht dabei vor Energie und Optimismus. «Ich nehme alles Schritt für Schritt.»

Swiss-Cup-Teilnahme noch unklar

Am 31. Oktober ist es wieder so weit: Eine Auswahl der besten Kunstturner der Welt misst sich beim Swiss Cup, einem der hochkarätigsten Sportevents der Schweiz. Wer hinter der unumstrittenen Nummer eins der Schweiz, Ariella Kaeslin, antreten darf, ist noch unklar. «Ich würde sehr gerne teilnehmen», sagt Stämpfli. «Aber mehr möchte ich dazu nicht sagen, das entscheiden die Trainer.» Ob ihr Wunsch Realität wird, zeigt sich nach der WM. Dann werden der Nationaltrainer und der Chef Spitzensport zusammensitzen und die zweite Turnerin für den prestigeträchtigen Grossevent ernennen. Sollte es Linda Stämpfli sein, wäre das wieder ein Schritt Richtung Erfolg und ein Zeichen, dass sie auch im «hohen» Kunstturnalter nicht zum alten Eisen gehört.