Andreas Baumann, nach Ihrem Sieg beim LCZ-Hallenmeeting setzten sie sich unmittelbar nach dem Lauf auf den Boden und sinnierten minutenlang. Was ging Ihnen durch den Kopf?
Andreas Baumann:
6,95 Sekunden für diese 60 m – das ist nicht die Zeit, die zu Freudensprüngen Anlass gibt, nicht die Zeit, die ich anpeilte. Diese 6,95 geben zu denken. Solche 90er-Werte sind ungewohnt für mich.

Durch Ihre schwere Verletzung, die Operation und das langsame wieder Herantasten sind diese Zeiten aber erklärt.
Schon, aber ich ging davon aus, dass es schneller aufwärtsgehen würde. Ich bin noch nie ein geduldiger Mensch gewesen.

Können Sie diese letzten Monate rekapitulieren?
Mein letzter Wettkampf vor der Verletzung geht auf die Schweizer Hallenmeisterschaften im letzten Februar zurück. Danach steuerte ich gezielt und voller Optimismus den Sommer an. Die Europameisterschaften in Barcelona waren das grosse Ziel. Die Verletzung traf mich beim Saisoneinstieg, bei den Schweizer Vereinsmeisterschaften. Danach war der Sommer gelaufen. Erst nach drei Monaten, im September, begann ich wieder, Leichtathletik-spezifisch zu arbeiten. Jetzt im Januar laufe ich die Hallenrennen.

Wie erlebten Sie den Wiedereinstieg?
Das war sehr anforderungsreich. Starten, beschleunigen, rollen, die Explosivität erarbeiten, locker bleiben, all das galt es unter einen Hut zu kriegen.

Wo sehen Sie sich derzeit?
Ich glaubte, ich sei schneller. Aber immerhin, es geht stetig aufwärts. Das zeigt, dass ich nicht stagniere. Beim zweiten Auftritt in Zürich schauten 6,90 Sekunden heraus, und dieses Wochenende in Magglingen bereits 6,86. Ich brauche jetzt Rennen. Ohne Druck sollen die Automatismen zurückkehren. Meine Routine sollte mir helfen. Mein Ziel bis zu den Schweizer Hallenmeisterschaften von Mitte Februar sind wieder 70er-Zeiten.

Ein hohes Ziel?
Das ist mir klar. Dieser Monat wird hart. Mein Trainer Stefan Burkart und ich haben zu entscheiden, wo die Akzente zu setzen sind. Die Technik wird in den Hintergrund rücken. Die Explosivität, die Spritzigkeit haben Vorrang.