«Endlich mal wieder Zuschauer im Training», schmunzelt Aufbauer Oliver Buff. Das erste Training unter Sami Hyppiä hat ein paar Zaungäste mehr als üblich angelockt. Und natürlich auch Journalisten und Kamerateams. Diese haben sich allerdings etwas gedulden müssen, bevor der neue Trainer des FCZ aus der Kabine nach draussen trat und in Richtung Trainingsplatz auf der Allmend Brunau schritt. Der Finne hatte sich zuvor mit einer Ansprache an die Mannschaft gewandt. «Es war mucksmäuschenstill», sagt Davide Chiumiento, «alle haben die Ohren gespitzt.»

Auf dem Rasen dann gibt es nichts Spektakuläres zu sehen. Jene Spieler, die am Tag zuvor bei der 1:3-Niederlage in Basel auf dem Platz gestanden sind, verabschieden sich zum Auslaufen, die anderen bestreiten unter Hyypiäs Anleitung vor allem Übungen zur Förderung der Passqualität.  Gegen Ende des Trainings wird dann auch noch aufs Tor geschossen. «Hyypiä hat eine unglaubliche Präsenz», sagt Chiumiento hinterher.

Nach einer Verletzungspause hatte er in Basel nicht gespielt und deshalb das Vergnügen, Hyppiäs erste Lektion live und in voller Länge zu geniessen. «Natürlich ist es ein Vorteil für einen Trainer, wenn er als Spieler eine so grosse Karriere wie Hyypiä gemacht hat», sagt Chiumiento. «Den Respekt hat er erst mal auf sicher.» Der FCZ-Aufbauer erwartet nun vom neuen Chef, dass dieser die Mannschaft stabilisiert. «Wir müssen weniger Tore bekommen», sagt Chiumiento, «dafür haben wir mit dem früheren Weltklasseverteidiger den richtigen Mann.»

Die Qualitäts ist vorhanden

Eine Viertelstunde später sitzt Hyypiä im ersten Stock der Saalsporthalle. «Ich habe bereits gesehen, dass in dieser Mannschaft viel Qualität steckt», lobt der 41-Jährige. «Es liegt jetzt an mir, dass wir dieses Potenzial auch in der Super League auf den Platz bringen.»Über die Partie im St. Jakob-Park, die Hyypiä an der Seite von Präsident Ancillo Canepa als Zuschauer mitverfolgt hat, will er sich nicht gross auslassen. «Ich bin ein Mensch, der nicht in der Vergangenheit lebt. Über etwas, das ich nicht mehr ändern kann, spreche ich eigentlich nicht gerne.» Aber das Spiel in Basel sei sicher nicht perfekt gewesen, das zweite Gegentor zum Beispiel viel zu einfach gefallen, sagt Hyypiä dann doch noch.

Ein wenig pikiert reagiert er auf die Frage, ob er seinen Entscheid bereue, seine Mannschaft nicht schon vor zehn Tagen, als er offiziell als neuer Trainer vorgestellt worden war, zu übernehmen. «Wenn der FCZ gegen Luzern und Basel sechs Punkte geholt hätte, würde niemand diese Frage stellen», sagt Hyypiä.  Nein, sein Entscheid, das Team erst ab Beginn der Nationalmannschaftspause zu trainieren, sei der richtige gewesen. «Wenn ich schon gegen Basel auf der Bank gesessen hätte, wäre dies nicht gut gewesen. Ich hätte der Mannschaft noch nicht viel helfen können, weil ich die Spieler erst kennenlernen muss.»

Zügeln geht vor...

Wie auch immer: Der verzögerte Amtsantritt mit der Begründung, er habe seiner Familie beim Umzug von England nach Finnland behilflich sein müssen, kommt schräg daher. In England oder Deutschland wäre dies gewiss nicht möglich gewesen. Das Ganze wirkt reichlich unprofessionell; von Seite des FCZ, aber auch von jener Hyypiäs, der doch daran interessiert hätte sein müssen, sein neues Team möglichst schnell unter die Fittiche zu bekommen. So ist der schale Beigeschmack entstanden, der Finne nehme die Super League nicht so richtig ernst.

Dass viel Arbeit auf ihn wartet, ist ihm indes bewusst. Korrekturen in einem Spiel kann er erstmals am Freitag um 17.15 anbringen, wenn der FCZ zum Test auf der Breite gegen den Challenge-League-Verein FC Schaffhausen antritt.