Eishockey
Humor ist, wenn man trotz der roten Laterne lacht

Die Limmattal Wings II sind das schlechteste Team der Schweiz. Der letzte Sieg konnten die Wings 2010 feiern. Trotz der roten Laterne in der Hand lassen sie sich den Spass am Spiel aber nicht verderben.

Raphael Biermayr
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Zu Jubeln gabs beim HC Limmattal Wings schon lange nichts mehr.

Zu Jubeln gabs beim HC Limmattal Wings schon lange nichts mehr.

AZ

Tatsächlich?», ertönt es von der anderen Seite der Leitung. Die Überraschung ist nicht gespielt. Philippe Baron weiss beim Telefongespräch nicht, dass er im schlechtesten Team der Schweiz spielt. Die Limmattal Wings II verloren sämtliche 12 Matches der 4.-Liga-Meisterschaft, das letzte 1:15 gegen den EHC Dübendorf. Die Tordifferenz: Minus 122.

Letzter Sieg war im 2010

Das spricht für eine gewisse Konstanz: Bereits vor zwei Jahren lagen die Wings-Reserven am Tabellenende ihrer Gruppe, damals aber mit sieben Zählern auf dem Konto. Immerhin fiel die höchste Niederlage diesmal (0:16 gegen Bassersdorf) tiefer aus als damals (0:25 gegen den ZSC II).

In der vergangenen Spielzeit gab es die zweite Mannschaft nach dem Abstieg des Fanionteams nicht. Philippe Baron kam damals zu Teileinsätzen in der ersten Mannschaft, letztmals am 13. November 2010 beim 9:2 gegen Dürnten. Es war bis heute der letzte Sieg, den der 22-Jährige miterlebte.

Auch im Fanionteam kein Glück

Für Baron selbst lief die abgelaufene Saison verhältnismässig gut. Er war an 11 der 19 Treffer direkt beteiligt – eine Wahnsinnsquote von 58 Prozent. «Leider bin ich auch bei den Strafen ganz vorn», ergänzt er. Dadurch hat er in der teaminternen Wette mit Michel Tobler 100 Franken verloren.

Verlieren ist für Baron ein bekanntes Gefühl. Auch in einem anderen Umfeld: In der laufenden Saison spielte er zweimal für das Fanionteam in der 3.Liga: 2:3 gegen Sursee, 4:8 zuletzt gegen Seewen. Die Laune verhageln lässt sich der Elektromonteur davon nicht. Für ihn steht die Lust am Spiel im Vordergrund. Das gilt für die gesamte zweite Mannschaft, die trotz der Pleitenserie nie Forfait erklärte, «das macht man nicht», so Baron. Darüber hinaus erzielte er bei seinem letzten Einsatz mit der ersten Mannschaft seinen ersten 3.-Liga-Treffer.

Loyalität für das «schlechteste Team der Schweiz»

Aus dem «Titel» der schlechtesten Mannschaft der Schweiz macht sich Philippe Baron gleichwohl nichts. Er und seine Teamkollegen hätten zwar vor den Matches geahnt, dass sie verlieren würden, trotzdem hätten sie sich dagegengestemmt. Und zwar mit einfachen Mitteln: «Ein Bully ist fast unsere einzige Chance, ein Tor zu erzielen.»

Ein Vereinswechsel kommt für den Lugano-Fan nicht infrage, denn Loyalität zählt viel für ihn, wie auch das Tattoo auf seinem linken Knöchel beweist: Dort blüht die Lilie aus dem Wappen seines Geburts- und Jugendorts Schlieren. Er will intern weiterkommen, sich also weiterhin für die 3.-Liga-Mannschaft aufdrängen. Um endlich wieder einmal siegen zu können.

Ablösung vom Schlussrang noch möglich

In der Tabelle der schlechtesten Mannschaften der Schweiz sind die Wings-Reserven Spitzenreiter. Das ist eine Momentaufnahme, denn die Konkurrenten haben die Meisterschaft noch nicht abgeschlossen. Die Chancen auf einen Leaderwechsel in dieser etwas anderen Wertung sind intakt.

Als aussichtsreichster Kandidat steht Obergerlafingen da. Sollten die Solothurner ihre beiden letzten Partien hoch verlieren, lösen sie die Wings ab. Das ist durchaus denkbar, nimmt man die Ergebnisse der ersten Aufeinandertreffen in dieser Saison mit Altstadt Olten und Reinach: 2:22 und 3:11.