Claudio Cadonaus Titelsammlung lässt manch gestandenen Routinier alt aussehen: Schweizer Meister 2008 und Champions-League-Sieger 2009 mit den ZSC Lions. Und dennoch ist der 25-Jährige in dieser Saison mit dem EHC Biel in eine ganz neue Dimension vorgestossen: Erstmals in seiner Karriere zählt er zu den Stammspielern eines A-Ligisten. Nach zwei Jahren beim B-Klub SC Langenthal hat der Verteidiger bei den Seeländern einen Zweijahresvertrag unterzeichnet. Nach 19 Runden hat er ebenso viele Einsätze auf dem Buckel.

Spürt viel Vertrauen

Trainer Kevin Schläpfer stehen zehn Verteidiger zur Verfügung, maximal acht kommen zum Einsatz. Und Schläpfer, der in Biel den Status eines Eishockeygotts geniesst, setzte bisher stets auf den kräftigen Limmattaler. «Das ist nicht selbstverständlich für einen ehemaligen B-Ligisten», sagt Cadonau, der in Unterengstringen aufgewachsen und beim EHC Urdorf sein Handwerk gelernt hat. Es sei schön und wichtig für ihn, sich zeigen zu können. Die persönliche Bilanz fällt entsprechend positiv aus.

Lob von Headcoach Schläpfer

Positiv äussert sich auch Schläpfer: «Ich bin sehr zufrieden mit Claudio, er macht einen guten Job, hat die Erwartungen erfüllt und zählt zu den positiven Erscheinungen in dieser Saison.» Und leicht ist sie nicht, diese Saison. Nach zwei Playoff-Qualifikationen in Folge ist die Erwartungshaltung in Biel hoch, doch die Mittel sind begrenzt. Vor dem gestrigen Spiel gegen Genf belegte das Team den zehnten Rang. «Eine erneute Playoff-Teilnahme ist möglich», sagt Cadonau. Neben der Erwartungshaltung spürt er auch viel Vertrauen. Aus dem Umfeld, vom Staff und vor allem von den Fans. «Wir haben ein Riesenpublikum in Biel, das hilft uns extrem, vor allem gegen nominell stärkere Gegner», sagt Cadonau.

Sowieso auf 180

Begeistert äussert sich Cadonau auch über Trainer Schläpfer: «Er lebt das Eishockey mit Leib und Seele, ist passioniert und emotional. Er zeigt seine Freude. Wenn wir ein Tor schiessen, ist er auf 180. Wenn wir eins kriegen ebenfalls. Er kann uns Spieler motivieren und pushen, findet die richtigen Worte.» Cadonau ist dagegen eher der ruhige, überlegte Typ. Das schätzt Schläpfer: «Seine Ruhe, seine Kraft und seine Übersicht. Claudio handelt auf dem Eis konsequent. Und so wie ein Mensch auf dem Eis agiert, agiert er meist auch im Leben.»

Cadonau will zweites Standbein aufbauen

In Sachen Beweglichkeit und Schnelligkeit erhofft sich der Trainer noch Fortschritte seines Schützlings. «Wenn er daran arbeitet, hat er eine gute Zukunft», sagt Schläpfer. An seiner Zukunft arbeitet Cadonau auch neben dem Eis. Er besucht die Private Hochschule Wirtschaft in Bern. Vor seinem Wohnortswechsel nach Biel studierte er Wirtschaftsrecht an der Fachhochschule Winterthur. «Als Eishockeyspieler habe ich genug Zeit, um nebenbei Bücher zu wälzen», sagt Cadonau unverblümt. Die Motivation ist klassisch schweizerisch: sich absichern, ein zweites Standbein aufbauen. «Jedes Spiel kann mein letztes sein», ist sich Cadonau bewusst. Aber so weit soll es längst noch nicht sein.