Kurz nach halb zwei betreten wir die Anlage des Tennis Clubs Dietikon. Die Courts sind allesamt besetzt, die Limmattaler Meisterschaften im vollen Gange. Philip Stuhner, OK-Mitglied, empfahl uns im Vorfeld das Männer-Finale der Kategorie N4/R3, das stärkste Tableau des Turniers. Wir suchen den Austausch. Doch Stuhner ist weg. Auf dem Court.

Es ist eine von vielen Geschichten, die an diesem Wochenende in Dietikon geschrieben werden. Das OK-Mitglied bejubelt den ungefährdeten Finalsieg in seiner Kategorie. Die Doppelrolle meistert Stuhner unbeschwert. Für Patrik Koch, ebenfalls Mitglied des Veranstalterkreises, war die aktive Teilnahme keine Option: «Wenn das Wetter nicht mitspielt, bin ich bereits angespannt.» Verständlich, bereits jetzt türmen sich die Gewitterwolken – der Männerfinal droht ins Wasser zu fallen. Doch der Notfallplan steht. Eine freie Halle stünde bereit, so Koch.

Der Kunstturner schlägt sie alle

Dieser wird vorerst nicht konsultiert. Vielmehr gewährt uns ein zufriedener Philip Stuhner Einblicke in den bisherigen Turnierverlauf. Da ist zum einen die faszinierende Geschichte von Nico Oberholzer. Der neunjährige Junge entschied vor kurzem, sich vom Tennissport zu trennen. Nico konzentriert sich neuerdings nur noch auf das Kunstturnen, seine Ambitionen forcierten diesen Entscheid. Nico zeigte aber auch, dass er erfolgreich Tennis spielen kann. Trotz fünfwöchiger Trainingspause heimste er sich locker den Sieg in seiner Kategorie ein. Ein gelungener Abschied.

Uns zieht es weiter, zum Platz fünf. Dort sollte nun eigentlich der Männer-Final lanciert werden, stattdessen liefern sich zwei Damen ein Duell auf Augenhöhe. Die Limmattalerin Claudia Buchmann fordert die Stadtzürcherin Melanie Käser vom TC Belvoir. Wir sind im dritten Satz. Die topgesetzte Käser serviert zum Match. 40:0, beim Stand von 5:2. Drei Matchbälle. Das Männerfinal scheint nicht mehr fern. Doch die Urdorferin entfesselt sich aus dieser scheinbar aussichtslosen Situation. Buchmann spielt ihr bestes Tennis und kämpft sich zurück, wehrt insgesamt fünf Matchbälle ab. Die Entscheidung muss im Tie-Break fallen. Eine Dramaturgie, die Alfred Hitchcock nicht besser hätte verfassen können. Schlussendlich ist es ein perfekt getimter Volley-Stoppball, den Buchmann zur Limmattalermeisterin kürt. Wir werden bestens unterhalten.

Der Abnützungskampf

Mittlerweile steigen die Erwartungen an den Männer-Final. Die letzte Hürde für den topgesetzten Aargauer Marc Schärer auf dem Weg zum Triumph in der Fremde heisst Jan Macek. Der grossgewachsene Spieler des TC Waidberg begrub im Halbfinal die Hoffnungen des als Nummer zwei gesetzten Carlo Schmid. Bevor die ersten Bälle retourniert werden, bemängelt Schärer aber die Netzhöhe, die einen Zentimeter von der Norm abweiche. Die Netzdiskussion sollte anhalten. Bereits nach einigen Returns wird klar, Macek liebt flache Schläge. Schärers Reklamation basierte auf diesem Wissen.

Es folgt der Beginn eines Abnützungskampfes. Schärer sichert sich Satz eins mit 6:4. Auch im zweiten Durchgang behält der Aargauer die Oberhand, doch Macek lauert, setzt mit seiner kraftvollen Rückhand Ausrufezeichen. Dennoch serviert Schärer zum Match. Doch Maceks Nervenstärke im Tie-Break erzwingt einen dritten Satz. Wieder zieht Schärer davon, 4:1 diesmal. Mittlerweile hat Macek bereits Salzwasser bestellt, muskuläre Probleme tauchen bei beiden Protagonisten auf. Macek erzwingt wieder ein Tie-Break. Schlicht berauschend, was die zwei zeigen. Nach drei Stunden krönt Favorit Schärer den Underdog Macek mit einem unerzwungenen Fehler zum Limmattaler Meister. Es ist ein Sieg eines Ex-Limmattalers, Macek spielte bis vor einem Jahr in Engstringen. Die Finals der Limmattaler Meisterschaften: Alfred Hitchcock hätte sie geliebt.