Schweizer Cup
«Herz, Leidenschaft, Blut, Schweiss»

Der Cup-Fight zwischen dem Drittligisten Birmendorf und dem höherklassigen Stäfa war an Dramatik kaum zu überbieten. Am Schluss entschieden die Penaltys. Wie der neue Birmensdorf-Cheftrainer Antonio Caputo den Cup-Sieg gegen Stäfa erlebte.

Raphael Biermayr
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Antonio Caputo beherrscht die Angespannten-Pose seines Vorgängers Dani Margreth perfekt. rab

Antonio Caputo beherrscht die Angespannten-Pose seines Vorgängers Dani Margreth perfekt. rab

Limmattaler Zeitung

Nach zwei Jahren als Assistenztrainer von Dani Margreth beim Drittligisten Birmensdorf ist Antonio Caputo zum Cheftrainer aufgerückt. Im Regionalcup-Spiel gegen das höherklassige Stäfa feierte er ein gelungenes Debüt mit dem 3:1-Sieg nach Penaltyschiessen. Die packende Partie wird nachfolgend mit Blick auf ihn nacherzählt.

Vor dem Spiel: Caputo ordnet an, dass die Partie auf der kleineren Geren ausgetragen wird, um Stäfa einen möglichen spielerischen Vorteil zu nehmen.

3.Minute: Der Italiener ist hochgradig nervös. Er tigert die Linie auf und ab und schreit immerzu: «Dai! Dai!»

13.Minute: Caputo rauft sich die nicht vorhandenen Haare. Aleksandar Petrovic rutscht nach schönem Dribbling im Strafraum im letzten Moment aus und verzieht.

33.Minute: Caputo hat die typische Margreth-Pose übernommen: Er geht in die Knie und schaut gequält drein. Sein Team dominiert den höherklassigen Kontrahenten, es fehlt einzig an Toren. Auf der anderen Seite vergibt Roman Hager mit der ersten Möglichkeit knapp per Kopf.

36.Minute: bange Momente. Torwart Michael Angstmann verletzt sich an der Schulter. Caputo wirkt ratlos, er hat keinen zweiten Torwart auf der Bank. Nach fünf Minuten Behandlung gehts weiter, der Trainer macht Angstmann Mut.

45.Minute: Caputo ist der Verzweiflung nah. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit schiesst Volker Merz Stäfa-Torhüter Ronny Fischer aus zwei Metern in die Arme. «Porca!»

Halbzeit: Der Trainer lässt die Spieler im Schatten Platz nehmen und lobt sie für eine starke Leistung. «Wer Leidenschaft an den Tag legt, wird dafür belohnt», orakelt er.

46.Minute: Mirzet Rastoder lässt FCB-Urgestein Sacha Schäppi schlecht aussehen und verpasst die Gästeführung per Kopf um wenige Zentimeter. «Dai! Dai!», hallt es von der Seitenlinie.

75.Minute: Die dicht bevölkerte Birmensdorfer Bank mit Caputo in der Mitte springt fast geschlossen einige Meter weit auf den Platz. Christian Geiger hat nach toller Vorarbeit von Srdan Markovic eine weitere grosse Chance verstreichen lassen.

85.Minute: Caputos Blick streift denjenigen seines Vorgängers Dani Margreth. Dieser hat seine lockere Zaungastrolle längst verlassen und stattdessen seine typische Position eingenommen (siehe 33. Minute). Für einen kurzen Moment wirkt es, als sei Margreth wieder der Chef.

93.Minute: Rastoder vergibt alleine vor Michi Angstmann – Caputo erstarrt zur Salzsäule.

96.Minute: Caputo, Verwaltungsrat einer Unternehmungsberatungsfirma, zählt die Sekunden und gibt Schiedsrichter Keinersdorfer zu verstehen, dass genug gespielt sei.

Abpfiff: 0:0 – das Elfmeterschies-sen muss entscheiden. Der Trainer nimmt den Druck von den Spielern: «Das war Herz, Leidenschaft, Blut, Kampf und Zweikampf. Ich bin topzufrieden mit jedem Einzelnen von euch. Egal, was jetzt passiert: Es war ein tolles Spiel.» Nach der Anspra-
che schaut er dem angeschlagenen Angstmann tief in die Augen, dieser hält sich noch immer die Schulter. Angstmann zu Teamkollege Marco Nötzli: «Ich werde sterben. Aber das lasse ich mir nicht entgehen.»

Elfmeterschiessen: Der Trainer sagt kein Wort mehr. Angstmann hält den ersten Elfmeter. Und den dritten. Der vierte geht über das Tor. Claudio Studer trifft zum Sieg.

Nach dem Spiel: Caputo lässt sich herzen und klatscht die vielen Hände ab. «Das war ganz stark heute», sagt er nach dem eindrücklichen Debüt gelöst. Er weiss: Birmensdorf ist bereit für den Meisterschaftsbeginn vom kommenden Wochenende.