Am Dietiker Stadtfest vom übernächsten Wochenende wird auch der HC Dietikon-Urdorf vertreten sein. Dort feiert er sein 50-jähriges Bestehen. Doch genau genommen gibt es ihn schon länger. «Eigentlich wurde der HC Dietikon-Urdorf 1967 als HC Chrüzacher gegründet», sagt Toni Lisibach. «Dann, im September 1968, wurde er in den HC Dietikon umbenannt.»

Lisibach gehört zu den Gründungsmitgliedern des Vereins, der nach eigener Aussage der erste reine Handballverein der Schweiz ist. Der 77-Jährige war damals wie alle Gründungsmitglieder gleich in drei Funktionen für den Verein tätig: als Spieler, Trainer und Vorstandsmitglied. «Dadurch hatten wir eine Sechs-, Sieben-Tage-Woche», sagt er. Damals war noch viel Handarbeit gefragt. So mussten die Spieler ihr Vereinsabzeichen selbst aufs Leibchen sticken.

Die Mitgliederzahl beim HC Dietikon stieg sehr schnell. Es wurden Juniorenteams gebildet, und 1970 gründete man eine Damenabteilung. Damit machte der HC Dietikon indirekt den Turnvereinen aus der Region Konkurrenz. «Diese hatten eine Handballsektion, das war damals so üblich», sagt Lisibach. «Wir hingegen galten als wilder Verein.» Um die Situation zu entschärfen, nahmen die Dietiker Handballer Kontakt zu den Turnvereinen auf, doch dieser brachte laut Lisibach keine Resultate. Man ging weiterhin getrennte Wege.

1972 schaffte der Verein bei den Herren den Aufstieg in die 3. Liga, 1973 verfügte er bereits über elf Mannschaften. 1974 stiegen die Dietiker in die 2. Liga auf. «Damals gab es noch eine Sommer- und eine Wintermeisterschaft», sagt Lisibach. «Wir spielten auf einer Wiese oder auf dem Betonboden des Steinmürli.» Oder im Sommer auch auf der Anlage der Kunsteisbahn Urdorf. «Den Platz mussten wir von Hand zeichnen, weil der Kompressor ausgefallen war», sagt Lisibach.

1975 dann ein weiterer Aufstieg: Die Damen schafften den Sprung in die 1. Liga. Und zwei Jahre später gelang dasselbe Kunststück auch den Herren. 1980 dann krönten die Herren ihre Saison mit dem Aufstieg in die Nationalliga B, ehe 1983 der Sprung in die Nationalliga A folgte – der sportliche Höhepunkt.

Doch mit der Nationalliga A hatte man sich übernommen. «Das Team war nicht gemacht für die höchste Liga», sagt Lisibach. Die Herren stiegen nach nur einem Jahr wieder in die zweithöchste Spielklasse ab. Die Rückkehr ins Oberhaus sollte den Limmattalern fortan nicht mehr gelingen. «1986 gab es zwar nochmals Aufstiegsspiele», so Lisibach. «Aber wir schafften es nicht.»

Dafür fusionierten die Dietiker 1993 mit dem HC Urdorf/Stapo und benannten sich in HC Dietikon-Urdorf um. Eine Fusion, die dem Verein nicht guttat. «Im Jahr 2000 kam es zu einem finanziellen Kollaps», sagt Lisibach. «Der Verein stand kurz vor der Auflösung.» Diese wurde an einer Sitzung besprochen und galt eigentlich schon als beschlossen, als sich in letzter Sekunde doch noch jemand zu Wort meldete. «Markus Portmann bot an, das Präsidium zu übernehmen, für das wir zuvor niemanden gefunden hatten», so Lisibach. «Und Walter Heussler stellte sich als Kassier zur Verfügung.» Heussler und andere tilgten die Schulden in sechsstelliger Höhe – innerhalb von nur drei Jahren. «Man beschloss danach, nie mehr Spielergehälter zu bezahlen», sagt Lisibach.

Zuvor hatten die Limmattaler sowohl mit den Herren als auch mit den Damen den Aufstieg in die Nationalliga A verpasst, was manchen Spieler veranlasste, den Verein zu verlassen, so Claude Bruggmann. Der zweifache Nationalspieler hatte schon als Junior und später im Nationalliga-B-Team des HCDU gespielt, bevor er 1998 zu den Grasshoppers wechselte. 2011 kehrte er dann ins Limmattal zurück – als Trainer der mittlerweile in die 1. Liga abgestiegenen ersten Mannschaft. «Als ich noch beim HCDU spielte, konnte man sich gar nicht vorstellen, dass der Verein in die 1. Liga absteigen könnte», sagt Bruggmann.

Rückkehr zweier Stammspieler

Doch Bruggmann war nicht der einzige gestandene Spieler, der dem HCDU den Rücken kehrte. So verloren die Limmattaler auch Jonas Affentranger an die Konkurrenz. Der 28-Jährige hat schon als kleiner Junge für den HCDU gespielt und beim Verein die Juniorstufen absolviert, bis er in der ersten Mannschaft in der Nationalliga B spielte. Nach dem Abstieg wechselte er zu Suhr und zu Stäfa. Doch wie Bruggmann kehrte auch er zurück: 2015 spielte er eine Saison lang für den HCDU. Mittlerweile ist er im Vorstand des Vereins fürs Sponsoring zuständig. Doch warum kamen Spieler wie Affentranger und Bruggmann eigentlich wieder zurück? «Die Verbundenheit zum Verein ist immer da gewesen», sagt Affentranger. «Das gilt auch für die Freundschaften, die im Verein entstanden sind. Sie sind tief verankert.» Diese Verankerung sei auch bei Turnieren zum Tragen gekommen. Besonders augenfällig war das für Affentranger während eines Turniers im deutschen Biberach. «Wir sind dort als Plauschtruppe hingereist und kamen dann Runde für Runde weiter, bis wir im Final standen», sagt er. «Und das, obwohl wir noch ein ’Nebenprogramm’ hatten.»

«Es gab früher einen sehr engen Zusammenhalt», sagt auch Bruggmann. Das liege unter anderem daran, dass beim HCDU viele Spieler als Junioren begonnen und ihre Karriere dann beim gleichen Verein fortgesetzt hätten. «Damals gab es das noch nicht, dass man gute Junioren im Alter von 13 Jahren abwarb.»

Feuer ist wieder entfacht

Den Zusammenhalt, den Bruggmann und Affentranger beschreiben, kann Lisibach bestätigen. «Wir haben damals so viel miteinander unternommen», sagt er. «Da ging man nach der Partie am Samstag noch in den Ausgang und kam erst am nächsten Sonntag nach Hause. Oder wir organisierten Skiweekends.» Einmal waren sie mit der ersten Mannschaft für ein Freundschaftsspiel nach England gereist. «Das sind solche Erlebnisse, die man nicht vergisst», sagt Lisibach.

Dass Spieler vom Juniorenalter bis möglichst zum Ende ihrer Karriere beim Verein bleiben, ist ein Wunsch, der Lisibach, Bruggmann und Affentranger gemeinsam ist. Das sei zwar schwieriger als früher, sagen sie. Doch sie sind zuversichtlich. «Mit der neuen Führung ist ein neues Feuer entfacht worden», sagt Bruggmann. «Ich hoffe, dass es auf den ganzen Verein übergreift.» Und Affentranger hofft, dass die Samen, die man mit den Projekten für Kinder gesät hat, eines Tages Früchte tragen werden.