Handball
HC Dietikon-Urdorf – das «Zwei» als starkes Fundament

Die zweite Mannschaft des Handballclubs spielt in der 2. Liga. Das Team hat eine lange Tradition und ist die eigentliche Seele des Vereins. Im Kader finden sich ganz unterschiedliche Charaktere mit ganz unterschiedlichen Zielen.

Rainer Sommerhalder
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Die zweite Mannschaft des HC Dietikon-Urdorf schwört sich auf das Spiel gegen Kloten ein.
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Rückraumspieler Dominik Hari mit viel Power.
Philipp Wüthrich trifft vom Siebenmeterpunkt aus.
Marco Wyttenbach mit einem Freiwurf in letzter Sekunde.
Dominik Hari beweist Übersicht.
Handball HC Dietikon-Udorf
Thomas Wüthrich, der Regisseur im Team.
Dominik Hari, kein Kind von Traurigkeit, schüttel seinen Gegenspieler unsanft ab.
Philipp Wüthrich sucht die Lücke in der Klotener Abwehr.
Kreisläufer Pascal Imhof in Action, den Ball hat ihm der Gegenspieler regelwidrig "geklaut".
Zwei Minuten für Philipp Wüthrichs Gegenspieler in dieser Situation.
Philipp Wüthrich mit Pass auf seinen Bruder Thomas.

Die zweite Mannschaft des HC Dietikon-Urdorf schwört sich auf das Spiel gegen Kloten ein.

Picasa

Sonntagnachmittag in der Stadthalle Dietikon, das Zwei spielt in der zweiten Liga. Die Tribüne ist erstaunlich gut gefüllt, die Stimmung prickelnder als bei jedem Match des Fanionteams. Denn die Reserven sind alles andere als Ersatzteile des HCDU. Sie schlagen sich seit Jahren eine Liga tiefer zumeist viel besser als das eigentliche Aushängeschild des Vereins.

«Dreimal in meiner Karriere bin ich mit diesem Team aufgestiegen», sagt Peter Rusert, dessen Trainerkarriere bei Dietikon-Urdorf an die Endlosschlaufe einer Telefon-Hotline erinnert. «Da werden Sie geholfen», würde selbst Verona Feldbusch über die Verdienste von Rusert bewundernd sagen. Seit 1996 engagiert er sich als Coach.

Dreimal musste die Mannschaft auch absteigen. Der Verantwortung dafür lag jeweils bei der ersten Mannschaft. Weil diese relegiert wurde und nicht zwei Teams desselben Vereins in der gleichen Liga spielen dürfen, traf es eben auch das Zwei. Nach dem letzten Taucher vor vier Jahren und weil damals ein Neuaufbau im Team stattfand, hatte Peter Rusert genug.

Ruserts Rückkehr in der Not

Nun steht er wieder an der Bande. Nach einer Saison zum Vergessen, die mit unzufriedenen Spielern und einem Beinahe-Abstieg in die 3. Liga endete, brauchte es zum sicheren Fortbestand des Teams wieder eine Führungsperson an der Spitze. Das Zwei ist eben nicht einfach ein Wurmfortsatz der ersten Mannschaft, es ist in jedem Sportklub ein wichtiger Mosaikstein im Vereinsleben. Beim HCDU ein besonders grosser.

Die zweite Mannschaft ist so etwas wie die Seele des HC Dietikon-Urdorf. Es ist ein Sammelbecken verschiedenster Charaktere. Etwa die Gebrüder Thomas und Philipp Wüthrich. Sie sind der grosse Rückhalt im Rückraum. Der 24-jährige Philipp ist beinahe zu gut für die 2. Liga und ein wenig zu schlecht für die 1. Liga, sein drei Jahre älterer Bruder war lange im Eins und erlebt nach einer schwierigen Zeit voller Verletzungen jetzt gerade eine sportlich gute Zeit.

Das Eins muss, das Zwei darf

Wenn Not am Mann ist, helfen beide in der ersten Mannschaft aus. «Das sehen wir als unsere Pflicht», sagt Thomas. Den grossen Unterschied zwischen den Teams spürt er immer wieder. «Das Eins darf nicht absteigen. Man spürt dort den Druck. Das Zwei hingegen muss nichts, es darf.» Sein jüngerer Bruder betont, «dass wir auch in dieser Mannschaft ziemlich hart trainieren». Trainer Rusert bestätigt: «Plauschspieler sind bei uns am falschen Ort».

Rückkehrer hingegen fühlen sich hier genau richtig. Philipp Müller hörte während des Studiums zwischenzeitlich mit Handball auf. Nun ist der angehende Anwalt wieder an Bord und erhält im grossen 22-Mann-Kader den Treuepreis, weil er in dieser Saison noch kein Spiel verpasst hat. «Mit dieser Mannschaft müssen wir den Anspruch haben, oben mitspielen», sagt auch Müller. Tatsächlich befindet sich das Team derzeit auf Finalrundenkurs.

Eine Doppelschicht für Clematide

Als Kreisläufer spielt Pascal Imhof. Sein Bruder Daniel ist seit Jahren der Star im Eins, er selber einer von vielen beim Zwei. Eifersucht auf das Talent des grossen Bruders kennt er nicht. Bis vor kurzem wirkte er selber gar noch eine Stufe tiefer als Spielertrainer der dritten Mannschaft. Jetzt will es auch Pascal wieder vermehrt wissen.

Wissen wollen es nicht zuletzt auch die jungen Spieler, die das Zwei als Relaisstation für den Sprung in die 1. Liga betrachten. So der 20-jährige Flügelflitzer Alessandro Clematide. Er schob am Wochenende Doppelschichten. Sowohl am Samstag mit dem Eins in Arbon (24:24) wie auch am Sonntag mit dem Zwei gegen Kloten (28:28) ging das Spiel Unentschieden aus. «Und beide Partien hätten wir für uns entscheiden müssen», sagt Clematide etwas zerknirscht. Denn eines unterscheidet die beiden Teams nicht: Gewinnen macht auf jeden Fall mehr Spass.