Für den ersten Lacher des Abends sorgte Dietikon-Urdorfs Trainer Karsten Hackel, als er vor dem Anpfiff die verletzten Spieler seines Ex-Clubs begrüsste. «Warum fehlt ihr?», fragte er fürsorglich, und gab den drei Angeschlagenen mit auf den Weg: «Ihr müsst halt Yoga machen.» Entspannt sollte der gestrige Abend in der Dietiker Stadthalle aber keineswegs werden. Weder für die Gastgeber, welche die Partie auf dem neunten Tabellenrang in Angriff nahmen, noch für die Gäste von Seen Tigers/Yellow, die vor dem Spiel den dritten Rang belegten.

Winterthur wie ein Schneepflug

Das Spiel wurde wegen des Schneetreibens mit 15 Minuten Verspätung angepfiffen. Und verspätet fand auch der HCDU in die Partie. Früh lag er mit 3:12 in Rückstand. Seen/Tigers überfuhr den HCDU mit der Wucht eines Schneepflugs. «Die körperliche und technische Überlegenheit des Gegners hat uns sichtlich beeindruckt», sagte HCDU-Trainer Hackel zum missglückten Auftakt.

Beim Stand von 5:12 in der 18. Minute nahmen die Winterthurer etwas überraschend ein Timeout. Urs Schärer, der ehemalige NLA-Spieler in den Reihen der Tigers, mahnte seine Mitspieler: «Es ist wichtig, dass wir die Konzentration hochhalten. Wir dürfen nicht das Gefühl haben, die Partie sei schon entschieden.» Wie Recht Schärer doch mit seiner Warnung haben sollte.

Denn trotz der Mahnung des Routiniers fand Dietikon-Urdorf immer besser in die Partie. Die Spieler übernahmen zusehend Verantwortung. Beim Stand von 13:17 wurden schliesslich die Seiten gewechselt. «Nach der Pause haben wir das gemacht, was wir können», sagte Hackel. Gemeint war das Tempo-Spiel des HCDU. Kontinuierlich schmolz der Vorsprung von Seen Tigers. Bald stand es 20:22. In der 40. Minute hatte Dietikon-Urdorfs Topskorer Daniel Imhof gar die Chance zum Anschlusstreffer. Er dribbelte übers ganze Feld und fand sich alleine vor dem gegnerischen Torhüter, sah seinen Schuss aber pariert.

HCDU hoffte, Seen Tigers geben Antwort

Dennoch: Der Glaube an die Überraschung war zurück. Auf der Tribüne meldeten sich die Zuschauer mit rhythmischem Klatschen, auf der Spielerbank spürte man die Emotionen. Doch auch Seen Tigers hatte eine Antwort bereit. Die Gäste gewannen die Kontrolle über die Partie zurück, zogen wieder auf sieben Tore davon. Auch wenn der HCDU nochmals verkürzen konnte, war die Entscheidung gefallen. Am Ende hiess es 39:32 für Seen Tigers/Yellow.

Das Spiel gegen seinen Ex-Club sei durchaus etwas Besonderes gewesen, sagte Hackel nach dem Schlusspfiff. «In den letzten Tagen war ich gedanklich stets bei diesem Derby, aber mit dem Anpfiff waren meine Gedanken nur noch bei einem Klub: beim HC Dietikon-Urdorf.» Angesprochen auf den Yoga-Lacher vor der Partie erklärte Hackel: «Wir machen seit Saisonbeginn Yoga und hatten noch keinen Verletzten.» Die Punkte aber gingen gestern Abend an den Gegner.