Triathlon
Hawaii-Startplatz 2015 auf den letzten Drücker

Der Triathlet Jürg Mallepell vom Tri Team Limmattal berichtet von seiner Teilnahme am Triathlon "IM Florida". Mit dem zweiten Platz hat er sich mit der letzten Chance einen Startplatz für Hawaii erkämpft.

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Jürg Mallepell am Sandstrand von Florida – er musste in der Kälte auf den Rennstart warten.

Jürg Mallepell am Sandstrand von Florida – er musste in der Kälte auf den Rennstart warten.

Zur Verfügung gestellt

Mallepells Bericht:

Nach einer für mich bis dato durchwachsenen Saison, (einem Sieg und zwei zweiten Plätzen standen zwei „DNF“ gegenüber) haben wir uns entschlossen, die Saison beim IM Florida ausklingen zu lassen. Warum ausgerechnet Florida? Wir verbrachten dort vor 35 Jahren einen Teil unserer Flitterwochen. Die Vorbereitung passte zur Saison. Nach der Aufgabe in Locarno, nach gut zwei Kilometern, musste ich mich von einem Physiotherapeuten behandeln lassen. Er versuchte, die Verhärtungen meiner Aduktoren zu lösen. Zeit blieb nicht viel, doch ich sprach gut auf die Behandlung an. Ich schätzte die Erfolgsaussichten, einen Marathon durchzulaufen, bei 80% ein. Nicht perfekt, aber akzeptabel. Über die Reise von Frankfurt nach Atlanta und weiter nach Panama City Beach mit „Velo-Karton“ könnte ich ein Buch schreiben. Kurz zusammengefasst abartig was da passierte!

Panama kannte ich vorher nicht, ich hatte mir auch nicht allzu viel darunter vorgestellt. Auch hier kurz zusammengefasst: bis Donnerstag genial! Da hatte es 42 Kilometer Sandstrand so weiss wie Gletscher-Eis, Luft um die 35 Grad, Wasser ca. 27 Grad und ein schön warmer Wind. A b Freitag war es aber kalt (10 Grad, extreme kalter Wind, als Folge der Winterstürme im Norden).

Die Vorbereitungen vor Ort verliefen perfekt. In den Schwimmtrainings war ich extrem stark, und das Radfahren praktisch nur in der Aeroposition kam mir sehr entgegen. Das Laufen beschränkte ich auf ein Minimum, aber ein paar wenige Meter stärkten mein Selbstvertrauen.

Das Rennen konnte kommen und es kam sogar gewaltig: Luft zwei Grad, extremer Biese! Und trotzdem, alles lief wie gewohnt ab. Wir standen im kalten Sand (mit Schuhen und Socken) und warteten auf den Starschuss der Pro’s. Noch fünf Minuten bis zum Start um 6.50Uhr. Dann die Schock-Durchsage "swimming-canceled" (Schwimmen gestrichen). Bike Start ab 8:00Uhr.

Für mich war das natürlich die Höchststrafe, mir wurden regelrecht die „Flügel“ gestutzt. Doch jammern half nichts, ich versuchte mich in den knapp zwei Stunden bis zu meinem Start einigermassen warm zu halten. Ohne Erfolg! Zitternd und halb verfroren wurde ich auf die Radstrecke geschickt. Nun kam noch der eisige Fahrtwind dazu. Glaubt mir, ich habe mir Florida echt anders vorgestellt. Allen Widerwärtigkeiten zum Trotz, die Leistung stimmte. Karin’s P4 im Wind mit Zip808 vorne und Scheibe hinten war, in der Aeroposition, ein echter Genuss zu fahren. Ich konnte sogar vom rauen Asphalt auf die weisse Markierungslinie wechseln, und die Spur halten.

Der Wechsel auf die Laufstrecke verlief reibungslos, das bangen begann. Hält der Oberschenkel? Er hielt, und ich lief 10Minuten nach Sonnenuntergang über die Ziellinie. Nebenbei, es war bereits stockdunkel. Ich wusste, dass ich nicht schlecht unterwegs war, aber wegen dem „Wellenstart“ war es unmöglich, vor Ort genaue Informationen zu erhalten. Erst viel später erfuhren wir, dass ich Zweiter geworden war. Einerseits war es für mich, ohne das Schwimmen, eine Top-Platzierung, anderseits kam ich mir langsam wie Raymond Poulidor vor (ewiger zweiter im Radsport). Hawaii 2015 konnte ich abhaken da normalerweise nur ein Slot zur Verteilung kommt.

Doch man soll den Abend nicht vor dem Morgen abschreiben. Während der Preisverteilung am andern Tag kommt Marie Theres plötzlich ganz aufgeregt zu mir und sagte: "Es gibt zwei Plätze in deiner Alterskategorie!"

Der Rest ist Geschichte, Wir haben bis zum Schluss für diesen Platz gekämpft. Es hat sich gelohnt Hawaii Startplatz 2015 auf dem letzen Drücker.