Der mit 100 000 Franken dotierte Grand Prix Jockey Club ist nicht nur der jährliche Kulminationspunkt der Rennen in Zürich-Dielsdorf, sondern eines der wichtigsten Schweizer Galopprennen überhaupt. Die am Sonntag ausgetragene 37. Auflage kannte zwei klare Favoriten: Salut und Nightdance Paolo. Als die Pferde auf die Zielgerade einbogen, war die Welt für die Leute, die ihr Geld auf die Favoriten gesetzt hatten, noch in Ordnung. Nightdance Paolo führte zusammen mit Cap Sizun und Salut lauerte nicht weit dahinter. Doch dann fiel Nightdance Paolo zurück und Salut kam nicht recht weiter.

Wie aus dem Nichts

Plötzlich tauchte aus den hintersten Positionen ein Pferd auf, dessen fulminante Beschleunigung sofort alle Blicke auf sich zog. Es war der vom Engländer Steve Drowne gerittene Halling River. Der Fuchswallach überholte Gegner um Gegner und erreichte das Ziel als überlegener Sieger.

Trainiert wird Halling River im Urdorfer Stall Beliar von Miro Weiss, der den mittlerweile sechsjährigen Fuchs vor fünf Jahren in Irland ersteigert hat. «Als ich ihn zum ersten Mal sah, wusste ich, den will ich», beschreibt René Leiser seine erste Begegnung mit Halling River, der ihm am Sonntag seinen grössten Erfolg als Rennpferdebesitzer bescherte. Gerechnet hatte er nicht unbedingt damit. «Halling River ist ein eigenwilliges Pferd. Ist er in Rennlaune, kann er alle schlagen. Passt ihm dagegen etwas nicht, galoppiert er nur mit halber Kraft. Da kann der Reiter machen, was er will.»

Erstes Rennen mit 46

Zum ersten Mal in Kontakt mit Rennpferden kam der in Urdorf aufgewachsene Leiser schon früh. Als 14- und 15-jähriger Jüngling ritt er im Stall Beliar trainingshalber Vollblüter. Weil er sich damals mit seinem heutigen Freund Miro nicht verstand, kehrte er den Rennpferden den Rücken zu. Drei Jahrzehnte später kam Leiser wieder in Kontakt mit dem Rennsport. Obwohl bereits 46 Jahre alt, machte er die Lizenzprüfung zum Amateurrennreiter und bestritt einige Jahre lang Rennen, von denen er drei gewann. Als Storenbau-Unternehmer beruflich stark beansprucht, reitet er heute nur noch im morgendlichen Training. Doch in den Sattel von Halling River lässt ihn Miro Weiss nicht. «Der ist zu schwierig für ihn.»