EHC Urdorf
Grandioser Abschluss der Derbysaison im Limmattal

EHC Urdorf und die Limmattal Wings zeigen beim 9:4 in der Eishockey 3. Liga, was an diesem Vergleich so fasziniert. Bei minus 12 Grad war Wings-Trainer Mike Weiss aber trotz Niederlage zufrieden mit dem heroischen Kampf seiner Spieler.

Raphael Biermayr
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«Ich glaubte, ich hätte meine Lunge auf dem Eis verloren.» Der Spruch des Abends stammt von Marco Birrer. Wenige Minuten nach der 4:9-Niederlage seiner Wings in Urdorf sitzt der Captain der Gastmannschaft auf einer Holzbank, wo sich bald darauf Urdorf-Routinier Sandro Duttweiler einfindet.

So sitzen die beiden im Eishockey-Unterkleid bei minus 12 Grad dampfend und erschöpft da und blicken zurück auf eines der typischsten Derbys der Neuzeit.Zunächst innerlich, dann im Gespräch. Duttweiler kann den Sieg seiner Mannschaft sehr wohl einordnen. Auf das Wort «Gratulation» reagiert der 41-Jährige mit einer Grimasse. Als dann «zum Sieg» nachgeschoben wird, nickt er zustimmend. «Unser Spiel war ja nicht soo berauschend», sagt er.

Hünis Worte verhallen ungehört

Tatsächlich liefen die «Stiere» Gefahr, eine Blamage zu erleiden. Sie hatten offenkundig nicht mit dem unberechbaren Willen der mit einem Rumpfteam angetretenen Gäste gerechnet, auch wenn Trainer Dani Hüni «immer und immer wieder» betont habe, dass die Partie noch nicht gewonnen sei. Auch nach 40 Minuten beim Stand von 5:1 habe er in der Pausenansprache darauf hingewiesen. Doch manchmal divergieren die Überzeugungen von Trainer und Spielern. Als wenig später das 6:1 fiel (Wings-Goalie Gebistorf: «Klar mein Fehler»), war es um das letzte bisschen Ernstnehmen geschehen.

Sieben Minuten später musste diese Einstellung eiligst revidiert werden. Die Wings hatten sich auf 6:4 herangekämpft. Die Zugpferde waren Michael Frei und Fabian Meier II, Ersterer war der beste Mann im Rink. Cyrill Hruby glänzte für einmal durch verhältnismässig hohe Disziplin und Mannschaftsdienlichkeit. Das Hauptindiz dafür: Trotz der miserablen Schiedsrichterleistung handelte sich der heissblütige Topskorer keine Disziplinarstrafe ein.

Schlechtes Kollektiv

Den effektivsten Mann hatten allerdings die «Stiere» in ihren Reihen. Colin Wiederkehr realisierte drei Treffer, darunter die zwei eminent wichtigen zum 7:4 und 8:4. Er spielte notgedrungen Stürmer. Als Vollstrecker überzeugend, gehörte er – wie auch Ex-NLA-Crack Thomas Heldner – zu den nachlässigsten Urdorfern. Trainer Dani Hüni hielt sich wie immer mit Einzelkritik zurück. Er war mit dem Kollektiv nicht zufrieden: «Es kann nicht sein, dass die Spieler unseren Goalie derart im Stich lassen.»

Dass sich die Gastgeber beim Körperspiel sehr zurückhielten, war eine Anweisung des Trainers, denn «wir können es uns nicht leisten, noch mehr Spieler zu verlieren, sei es wegen Verletzungen oder Sperren». Hüni weiss, dass es mit dieser Leistung gegen stärkere Teams düster aussehen wird. «Gegen Bessere spielen wir besser», ist er sich sicher.

Weiss ist mit der Welt versöhnt

Darüber hinaus verweist er auf das, was von diesem Abend im Gedächtnis bleibt: «Heute haben wir eindrücklich gesehen, dass das Derby eigene Gesetze hat.» Die Derbys hatten es in dieser Saison tatsächlich in sich, nachdem in den Vorjahren oft Langeweile vorgeherrscht hatte. Nicht weniger als 12 Treffer fielen im Schnitt. Urdorf hat alle Vergleiche gewonnen, zuletzt im 16. Vergleich den historischen 10.Erfolg eingefahren und damit als Erster vier Siege in Folge gelandet. Der Schönheitsfehler: Der EHCU wartet weiterhin auf ein «Stängeli» gegen die Wings.

Wings-Trainer Mike Weiss interessierte das nach dem Match herzlich wenig. Vor der Partie noch schwer enttäuscht wegen der vielen Absenzen und dem unpassenden Anspieltermin, strahlte er trotz der Niederlage tiefe Zufriedenheit aus. «Ich bin sehr stolz auf diese Mannschaft», sagte er. Der heroische Kampf seiner Spieler hat ihn mit der Welt versöhnt. Und die Faszination Derby aufleben lassen.