Fünf Spiele musste Naim Haziri gesperrt zuschauen. Fünf Spiele, in denen der FC Dietikon nur einen Sieg feierte, dreimal verlor und nach zwei Teilnahmen in Folge die Qualifikation für den Schweizer Cup verpasste. Natürlich: Die Anwesenheit Haziris auf dem Platz allein hätte noch keinen Erfolg garantiert. Aber sie hätte die Chancen darauf deutlich erhöht. Es mutet kurios an, wenn die Limmattaler ihre Hoffnungen auf einen Spieler abstützen, der vor dem Platzverweis wegen Verletzungen erst sieben Einsätze bestritten hatte – und gar nur einen über die ganze Spielzeit.

Aber Haziri hat in den vergangenen Jahren wieder und wieder bewiesen, wie wichtig er ist für die Equipe als Taktgeber und Führungskraft. Da schauten Trainer Goran Ivelj und die Mitspieler auch über die stets wiederkehrenden Disziplinlosigkeiten hinweg: Der frühere Profi ist in seinen nicht einmal vier Jahren in Dietikon bereits sechsmal vom Platz geflogen, meistens wegen einer zweiten gelben Karte infolge Reklamierens eines Schiedsrichterentscheids.

Was wäre gewesen mit Haziri?

Nach den Auftritten in den vergangenen Wochen war immer wieder vonseiten der Dietiker Spieler zu hören, dass es mit Haziri vielleicht anders herausgekommen wäre. Denn die Muster glichen sich: Dietikon spielte mindestens auf Augenhöhe mit den Gegnern, wurde dafür aber schlecht belohnt. Das jüngste Beispiel war typisch dafür: Die Limmattaler hatten in Gossau gute Aussichten auf einen Punkt oder mehr, unterlagen wegen dreier Gegentreffer binnen fünf Minuten in der Schlussphase aber 2:5.

Was wäre gewesen, wenn Haziri im Mittelfeld zur rechten Zeit ein Foul eingestreut hätte, um eine Aktion in ihrer Entstehung zu unterbinden? Oder wenn er seinem überforderten Mitspieler Ivica Cokolic (es war nicht Aleksandar Beric, wie fälschlicherweise in der Montagsausgabe vermerkt war) zuhilfe geeilt wäre?

Nun steht Haziri wieder für Einsätze zur Verfügung. Das Zuschauen war für den Fussballversessenen mindestens so schmerzhaft wie die Geldstrafe, die ihm der Verein für die neuerliche Entgleisung seiner Emotionen aufgebrummt hat.

Wird Trainer Goran Ivelj überhaupt noch auf ihn setzen? Er hat Haziri vor der Saison trotz eines Angebots der U21 der Grasshoppers im Verein halten können. «Spielerisch stellt sich die Frage nicht», sagt Ivelj. Aber menschlich. So nett und überlegt Haziri neben dem Platz ist, so unberechenbar ist er darauf. Weil er selbst nicht verstehen kann, warum ihm immer wieder die Emotionen durchgehen, bleibt er ein Risiko. Weil der FCD aber noch nicht vor dem Abstieg gerettet ist, ist er auf Punkte und damit wohl auch auf Haziri angewiesen – ein Dilemma. «Wenn wir ihn brauchen, setze ich ihn ein», sagt Trainer Ivelj zur Ausgangslage. Allerdings hat sich Haziri im Training eine leichte Muskelverletzung zugezogen, womit sein Einsatz heute gegen Baden (16 Uhr, Dornau) ohnehin fraglich ist.

Die Rückkehr des Goalgetters

So oder so: Haziri wird nicht mehr Captain des FCD sein. Die «Binde» trägt wie während seiner Phasen der Abwesenheit Luca Dimita. Jener ist nach einer sechs Spiele umfassenden Ladehemmung seinem Namen als Goalgetter wieder gerecht geworden. Der 33-Jährige erzielte alle drei Treffer der Limmattaler in den letzten beiden Matches. Dimita steht damit bei 55 Toren in 80 Einsätzen für die Dietiker in der 2. Liga interregional und der 1. Liga.

Er könnte heute von seinem Standard-Offensivpartner Zivko Cajic unterstützt werden, der nach überstandener Verletzung wieder ins Team zurückgekehrt ist. Auch Flügel Luca Senicanin fehlte die letzten zwei Partien aus körperlichen Gründen und ist wieder einsatzfähig, er ist jedoch erst wieder ins Training eingestiegen.

Der heutige Gegner Baden steckt in einer tiefen Krise. Seit acht Spielen hat die ambitionierte Equipe nicht mehr gewonnen. Ende März wurde Trainer Gabor Gerstenmaier entlassen, Sportchef Thomas Jent führt die Aargauer seither interimistisch. Im ersten Aufeinandertreffen zeigte Dietikon während 75 Minuten eine starke Vorstellung, unterlag aber 2:4. Naim Haziri war damals zum Zusehen verdammt. Nein, nicht wegen einer Sperre, sondern wegen einer Verletzung.

LiZ-Tipp: 2:1