Super League
GC trennt sich von Vero Salatic - der 29-jährige wechselt zum FC Sion

Transfercoup für den FC Sion. Die Walliser verpflichten den bei GC in Ungnade gefallenen Vero Salatic. Die Ablösesumme soll sich auf etwa eine Million belaufen, der Vertrag läuft bis zum Ende der Saison 2017/18.

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Salatic hat erreicht, was er wollte: GC lässt ihn ins Wallis gehen.

Salatic hat erreicht, was er wollte: GC lässt ihn ins Wallis gehen.

Keystone

Die erste Verhandlungsrunde am vergangenen Freitag war nach wenigen Minuten beendet – zu weit lagen die Vorstellungen von Sion-Präsident Christian Constantin und die der GC-Verantwortlichen auseinander. Eine Meisterschaftsrunde und ein paar Telefonate später trafen sich die Parteien gestern ein zweites Mal am Flughafen Kloten – und konnten sich einigen: Veroljub Salatic wechselt per sofort ins Wallis. Sein Vertrag in Sion läuft bis Ende der Saison 2017/18.

Seit Sommer schwelte der Machtkampf zwischen Salatic und GC. Erst stellte sich die Klubleitung um Präsident Stephan Anliker auf die Seite des damaligen Trainers Michael Skibbe und suspendierte den Captain vom Trainingsbetrieb. Als Salatic vor Gericht die Rückkehr ins Mannschaftstraining erzwang, setzte Anliker kurz darauf zum präsidialen Alleingang an und beendete den Rechtsstreit mit Salatic. Mit der Folge, dass dieser auch in Pflichtspielen wieder eingesetzt wurde.

Als der gehörnte Skibbe im Januar in die Türkei flüchtete und Pierluigi Tami die Hoppers übernahm, schien die leidige Angelegenheit beendet. Schien – denn Salatic hatte offensichtlich ein Problem damit, dass er trotz des Abgangs von Intimfeind Skibbe die Captainbinde nicht mehr zurückerhielt.

Als dann in der vergangenen Woche plötzlich Sion-Präsident Constantin auf die Bühne trat und den 29-Jährigen ins Wallis lockte, sah Salatic den Moment gekommen, mit Dreck zu werfen. In einem inszenierten Interview mit dem «Tages-Anzeiger» warf er GC vor, ihn im Regen stehen gelassen zu haben. Die Absicht hinter dem medialen Vorpreschen von Salatic war klar: Er wollte den Wechsel zu Sion erzwingen. Mit dem Risiko, bei einem Scheitern des Transfers alles zu verlieren – denn eine Rehabilitierung des Ex-Captains wäre ab diesem Zeitpunkt wie ein achtes Weltwunder gewesen.

Statt vier nur eine Million

Einfach so liess GC den Spieler aber nicht ziehen. Sportchef Axel Thoma sagte am Freitag gar, der Wechsel sei gescheitert, nachdem Constantin die geforderte Ablösesumme in der Höhe von vier Millionen Franken nicht zahlen wollte. Schon da war klar, dass Thomas Aussage Teil eines Pokerspiels war, in dem das klamme GC so viel Geld wie möglich herausholen wollte.

Als der «Sonntags-Blick» dann ein internes Klubschreiben abdruckte, auf dem die Gründe der Suspendierung von Salatic im Sommer aufgelistet waren, war GC zum Handeln gezwungen und kam mit seinen Forderungen runter. Unter anderem war zu erfahren, Salatic habe Ex-Trainer Skibbe der Alkoholsucht bezichtigt. «Die Situation war so zerfahren, dass es nur Verlierer gegeben hätte, wenn Salatic bei GC geblieben wäre», sagt Thoma gegenüber der «Nordwestschweiz». Gerüchteweise soll GC nur noch knapp eine statt der ursprünglich geforderten vier Millionen Franken erhalten. «Es ist gut, dass die Sache vom Tisch ist. Wir blicken nun nach vorne», sagt Thoma.

Zwiespältige Gefühle bei der ganzen Angelegenheit dürfte Pierluigi Tami haben. Der Tessiner, für den GC die erste Trainerstation in der Super League ist, hätte die sportlichen Fähigkeiten von Salatic gut gebrauchen können. Andererseits ist nun ein Brand gelöscht, der die Köpfe der Mannschaft rauchen liess. Gut möglich, dass GC mit der Ablösesumme für Salatic nochmals auf Einkaufstour geht. «Wir schauen uns in aller Ruhe nach einem Spieler um, der uns weiterhelfen könnte», so Thoma.