In der 71. Minute lachte einer herzhaft, der eigentlich nicht viel zu lachen hatte: Andi Wiederkehr, Trainer des FC Urdorf. Es stand 0:3 aus der Sicht seines Teams. Gegen das Schlusslicht Richterswil. Nach dem Seitenwechsel lehnten sich die «Stiere», die mangels Optionen mit drei 4.-Liga-Spieler angetreten waren, gegen die Niederlage auf.

Eine Serie von Eckbällen segelte in den Strafraum der Gäste. Einer davon fand in der 74. Minute den Kopf des fast grotesk freistehenden Andrea Pasinelli. Der köpfelte aus unerfindlichen Gründen nicht direkt ins Tor, sondern in die Mitte, wo der Ball einen Richterswiler traf und schliesslich doch noch in die Maschen fand. Es war das einzige Tor, das die darüber hinaus harmlosen Urdorfer zustande brachten. Am Ende hiess es 1:4.

Missratene erste Halbzeit

Die Partie war nach einer völlig missratenen ersten Halbzeit entschieden gewesen. Die resoluten Gäste hatten aus drei Chancen drei Tore erzielt: In der 12. Minute eröffnete Andres Gerber das Skore mit einem Lob aus 35 Metern. Derselbe Akteur gewann später einen Luftkampf mit dem zögerlichen Torhüter Samuel Winkler, bevor er zum 0:2 einschob.

Und nach rund einer halben Stunde trat FCU-Captain Thomas Jenny an einem über den Holperrasen springenden Ball vorbei, was Raphael Urben den Weg zum 0:3 ebnete. Am vergangenen Wochenende hatten die Urdorfer zur Pause mit 3:0 geführt, nun sahen sie mit einem gleichen hohen Rückstand konfrontiert.

Überraschend schwaches Urdorf

«Ich hätte mehr von Urdorf erwartet», sagte Richterswil-Trainer Florim Kryeziu, der unweit vom Chlösterli arbeitet. Der frühere Engstringen-Trainer hatte sich nach eigener Aussage nach einer fulminanten Vorrunde beim Wintermeister Spreitenbach mit dem Sportchef überworfen und wurde daraufhin von Richterswil als Retter verpflichtet.

Ihm folgte der Ex-Dietiker Mittelfeldregisseur Arsim Shala, der gegen Urdorf ferienhalber fehlte. Kryezius Zukunft ist derweil offen. Der Affoltermer werde Richterswil aller Voraussicht nach verlassen, wolle sich aber gegenwärtig alle Optionen offenlassen.

Sein Amtskollege Andi Wiederkehr war nach dem Abpfiff bedient. «Wir haben heute ein klassisches Spiel gesehen zwischen einer Mannschaft, die mit 18 Punkten fast gerettet ist, und einer, die das Messer am Hals und alles gegeben hat», analysierte der Urdorfer Trainer.

Worüber hatte Wiederkehr in der 71. Minute eigentlich so herzhaft gelacht? «Ich weiss es nicht mehr», sagte der Ex-Profi, und fügte mit einem bitteren Grinsen hinzu: «Es war mit Sicherheit Galgenhumor.»