Fussbal
«Fussball ist für mich pure Leidenschaft»

Schlierens neue Trainerin Monica Di Fonzo ist eine Frau mit unglaublich viel Erfahrung. Mit Schlieren hat sie allerhand vor. Die neue Trainerin über Erfolgsdruck, Respekt und ihr Temperament

Maila Bermejo
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Monica Di Fonzo, die neue starke Frau bei Schlierens NLA-Girls.

Monica Di Fonzo, die neue starke Frau bei Schlierens NLA-Girls.

mbm

Di Fonzo spielte für Lugano, Sursee (heute LUwin), GC Schwerzenbach, im deutschen Freiburg und für das Schweizer Frauennationalteam. 2002 wurde sie Torschützenkönigin und Fussballerin des Jahres. Vor vier Jahren wechselte sie auf die Trainerbank: zuerst zum SC Kriens, dann zu den U18-Juniorinnen von LUwin. Zuletzt coachte sie die Erstligistinnen des FC Willisau, nun übernimmt die 34-jährige Tessinerin das Aufsteiger-Team der FC-Schlieren-Frauen.

Monica Di Fonzo, von der 1. Liga direkt in die NLA – ist das nicht ein gar grosser Sprung?Monica Di Fonzo: (lacht) Das stimmt, es ist ein sehr grosser Unterschied. Ich wollte das Team wechseln, weil für mich das Niveau in der 1. Liga nach Abschluss meines A-Trainer-Diploms nicht mehr stimmte. Dass ich gerade in der höchsten Spielklasse lande, war eigentlich nicht geplant.

Es tönt fast, als hätten Sie noch ein Jahr NLB mit Schlieren bevorzugt?
Ich habe der Vereinsleitung gesagt, dass ich das Team übernehme, egal ob wir NLA oder NLB spielen. Aber für das Ziel, das wir definiert haben, nämlich stärker am Aufbau arbeiten, hätte eine Saison NLB nicht geschadet. Dann hätte ich in aller Ruhe arbeiten können.

Und jetzt können Sie das nicht?
Ich werde es natürlich versuchen, aber der Erfolgsdruck ist schon höher, je weiter oben man spielt.

Schlieren verliert gleich zwei wichtige Teamstützen: Neben Trainer Roger Gutweniger geht Captain und Goalgetterin Sheila Loosli. Wie wird das Team diese Abgänge verkraften?
Ich habe mit Sheila in der Nationalmannschaft gespielt. Eine Spielerin wie sie kann man nicht ersetzen. Aber ich werde die bestmögliche Lösung für dieses Problem finden, und die heisst für mich: die bestehenden Spielerinnen aufbauen. Die Mannschaft hat ein grosses Potenzial, aber es braucht halt auch ein bisschen Zeit.

Wie würden Sie Ihren Trainerstil beschreiben? Was für ein Wind wird in der kommenden Saison über das Zelgli wehen?
Das Menschliche ist mir sehr wichtig, der Respekt untereinander. Ich will die Spielerinnen persönlich weiterbringen, dann kommt der Erfolg von alleine. Daran glaube ich.

Und in sportlicher Hinsicht?
Sehen Sie, ich war 25 Jahre lang Stürmerin (lacht). Meine Philosophie ist Offensivfussball. Aber auch die Verteidigung muss stimmen. Ich will einen schönen Aufbau hinkriegen, wo alles stimmt von hinten nach vorne und nicht einfach auf einen Zufallstreffer hoffen.

Das tönt ehrgeizig ...
Ich würde eher sagen streng. Ich weiss, was es braucht, um Erfolg zu haben und das ist arbeiten, arbeiten und arbeiten. Sonst erreicht man nichts. Klar darf man nicht verbissen sein, eine gewisse Lockerheit schadet nicht. Aber für mich ist Fussball Kopfsache und ohne harte Arbeit und volle Konzentration kommt man nicht weit.

Ihr Vorgänger war nicht gerade für seine Strenge bekannt. Glauben Sie dass Sie mit Ihrer Art ankommen?
Auf jeden Fall. Ich spüre, dass meine Strenge in Schlieren sehr willkommen ist.

Drückt da auch das Temperament Ihrer italienschen Vorfahren durch?
(lacht) Sie haben es verstanden! Fussball bedeutet für mich Leidenschaft, Herz und Emotionen. Da kann ich nicht anders als offen und direkt mit den Leuten kommunizieren. Manchmal kommt das auch ein bisschen aggressiv rüber, aber ich denke, die Spielerinnen werden mich verstehen.