Zürich

Für seinen ersten Marathon hat er in der Wüste trainiert

Bisher hat er nur Halbmarathons absolviert, aber Thomas Humbel fühlt sich bereit für die volle Distanz.

Bisher hat er nur Halbmarathons absolviert, aber Thomas Humbel fühlt sich bereit für die volle Distanz.

Der 51-jährige Schlieremer Thomas Humbel bestreitet morgen erstmals die Laufdistanz über 42 Kilometer. Als «Charity Runner» am Zürich Marathon sammelt er mit seinem Lauf Geld für Kinder in Afrika.

Zum 15. Mal zieht der Zürich Marathon Läuferinnen und Läufer aus über 80 Nationen an. 2722 Sportler werden morgen vom Mythenquai aus durch die Stadt bis nach Meilen und zurück eine Strecke von 42 Kilometer absolvieren. Auch professionelle Langstreckenläufer mit grossen Ambitionen werden am Start sein. Der Kenianer Edwin Kiprop Korir erreichte 2013 und 2014 jeweils den zweiten Rang. Bei den Frauen möchte die Schweizerin Michèle Gantner die WM-Limite von zwei Stunden und 35 Minuten unterbieten. Aber ob Routiniers, Anfänger oder Profis: am Ende zählt für die meisten vor allem die Teilnahme.

«Ich habe mir als Ziel gesetzt, den Marathon in fünf Stunden zu schaffen», sagt der Schlieremer Thomas Humbel. Der 51-Jährige läuft zum ersten Mal einen Marathon und hat sich gleich von der Helvetas als «Charity Runner» einspannen lassen. Damit sammelt er Geld für Kinder in Afrika, die viele Kilometer zurücklegen müssen, nur um zu sauberem Trinkwasser zu kommen. «Mit den gesammelten Spenden wird der Zugang zu sauberem Wasser für Kinder in Afrika erleichtert. Die Helvetas kooperiert damit zum vierten Mal mit dem Zürich Marathon», sagt Marina Häusermann von der Helvetas.

Sport als mentale Stütze

«Ich erstellte online ein Charity-Runner-Profil auf der Helvetas-Seite, um zu Spenden aufzurufen. Als Zielsumme habe ich mir 210 Franken gesetzt. Zusammengekommen sind bis jetzt 330 Franken», erzählt Humbel, der dafür in seinem Kollegenkreis geworben hat. Ziele zu setzen und zu erreichen, sei sehr motivierend, sagt der gelernte Zimmermann, der als Tramfahrlehrer bei den Verkehrsbetrieben Zürich arbeitet.

«In meinem Leben musste ich mit einigen Schicksalsschlägen zurechtkommen. Ich fragte mich jeweils ‹warum ich?› und meine Antwort lautet: Jeder hat in seinem Leben Schwierigkeiten – man scheitert oder geht weiter», erklärt der Marathon-Debütant. Sein Vater starb 1994 an Krebs und seine erste Partnerin litt unter defekten Nieren, weshalb ihr gemeinsames Kind die Geburt nicht überlebte. Schliesslich starb die Partnerin an einem Hirnschlag. Nach all diesen Rückschlägen stellte sich das Glück in seinem Leben kurz ein. 2007 heiratete Humbel und wurde Vater einer Tochter. Doch 2013 kam die Scheidung. Diese habe besonders an seinem Selbstbewusstsein genagt. Er habe sich selbst fragen müssen, was er falsch gemacht hatte.

Im Sport fand er schon immer eine positive Ablenkung und Bestätigung, etwa im Fussball beim FC Räterschen oder im Tennisclub der VBZ. Deshalb beschloss Humbel vor zwei Jahren, einen Marathon zu bestreiten, und begann mit dem Training für die Halbmarathon-Distanz. Mithilfe einer Handy-App stellte er sich ein individuelles Trainingsprogramm zusammen. Für den Halbmarathon absolvierte er dreimal und für den Marathon viermal pro Woche Lauf-Einheiten zwischen 20 und 180 Minuten – und dies jeweils über eine Zeit von 16 Wochen.

Nicht einmal die Grippe bremst ihn

Im letzten Jahr sei er insgesamt 1246 Kilometer gerannt. Darin enthalten sind sechs Teilnahmen an Halbmarathon-Läufen in Zürich, Winterthur und Luzern sowie am Greifensee und Hallwilersee. Seine persönliche Bestzeit erreichte Humbel beim Halbmarathon in Greifensee. Für die 21 Kilometer benötigte er zwei Stunden und zwei Minuten.

Die 16-wöchige Vorbereitung für den diesjährigen Zürich Marathon begann für Humbel im November. Noch kurz vor Jahreswechsel flog der Schlieremer für zwei Wochen in die Ferien nach Ägypten. Auch in der Wüste habe er seine Übungen absolviert, so Humbel. An Silvester kam er zurück und nahm trotz Grippe am Neujahrs-Halbmarathon in Schlieren teil.

«Auf einem Laufband könnte ich nicht länger als 30 Minuten rennen. Es ist zu monoton», findet der Langstreckenläufer, der für seine Trainings entlang der Limmat joggt. Während eines Rennens würden bei ihm im Kopf verschiedene Filme ablaufen. Das lenke ihn ab vom reinen Joggen und er könne sich dabei entspannen, über sein Leben nachdenken oder gar eine Präsentation für seine Arbeit durchdenken, sagt Humbel.

Auf die Atmosphäre am Zürich Marathon freut er sich besonders. Der gegenseitige Respekt unter den Läufern sei eine schöne Belohnung. «Bei schönem Wetter ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass meine Ex-Frau mit unserer siebenjährigen Tochter mich mental unterstützen kommt», sagt Humbel. Auch Kollegen hätten zugesichert, ihn anfeuern zu kommen. Seine 87-jährige Mutter kann zwar nicht vor Ort sein, aber sie würde am Sonntag an ihn denken und stolz sein. Wenn er den Zürich Marathon geschafft hat, möchte der Schlieremer als nächstes Ziel den «Strongman Run Switzerland» in Angriff nehmen. Dort erwarten ihn 18 Kilometer und zusätzlich müssen 36 Hindernisse überwunden werden.

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