Curling

Fünf Limmattaler auf dem Weg nach Sotschi

Trainingslager in Adelboden: Carmen Schäfer, Claudio Pätz und Janine Greiner (v.l.) stehen in Sotschi für die Schweiz auf dem Eis.

Trainingslager in Adelboden: Carmen Schäfer, Claudio Pätz und Janine Greiner (v.l.) stehen in Sotschi für die Schweiz auf dem Eis.

Die Schweizer Culring-Teams beschreiten ungewohnte Wege, um den Olympia-Traum zu realisieren. Der Gigathlon gehörte ebenso zur Vorbereitung wie ein gemischtes Trainingslager und eine Reise nach Sotschi.

Derart intensiv hat sich noch nie eine Schweizer Curling-Delegation auf die Olympischen Spiele vorbereitet. Der Weg nach Sotschi folgt einem minuziösen Plan.

«Wir können von den Teams nicht einfach verlangen: ‹Fahrt nach Sotschi und bringt eine Medaille heim›», sagt Nationalcoach Andreas Schwaller aus Oberengstringen. Unterstützung musste her.

Um das Davoser Frauenteam mit Skip Mirjam Ott und die Adelbodner Männer mit Skip Sven Michel wurde eine schlagkräftige Truppe geformt. 16 Personen umfasst die Schweizer Curling-Delegation: vom Sportpsychologen über die Physiotherapeutin bis hin zum Trainerstab und den Ersatzspielern.

Auch der Nationalcoach ist dabei

Mit an Bord ist auch jede Menge Know-how aus dem Limmattal. Nationalcoach ist Andreas Schwaller. Der gebürtige Solothurner wohnt seit 2004 in Oberengstringen. WM-Silber 2001, Olympia-Bronze 2002 und der EM-Titel 2006 waren seine herausragenden Erfolge, ehe er 2009 vom Aktivsport zurücktrat.

Zum Weltmeisterteam von Mirjam Ott zählen seit vielen Jahren Carmen Schäfer und Janine Greiner. Beide haben ihre Wurzeln im Limmattal. Greiner wohnt noch heute in Weiningen, Schäfer ist nach Frutigen gezügelt. Ersatzspielerin für die Olympischen Spiele im Februar ist Alina Pätz aus Urdorf. Ihr Bruder Claudio ist der Exot im Team Adelboden. «Ich spreche als Einziger kein Berndeutsch», sagt der 26-Jährige.

Training in Adelboden

Im Juli bestritt die gesamte Curling-Delegation den Gigathlon. «Es ging um Teambildung, um eine physische Standortbestimmung und um das Verlassen der Komfortzone», sagt Schwaller, und fügt mit einem Lächeln an: «Sieben Nächte im Zelt, sieben Tage Toi-Toi-Häuschen und sieben Tage ohne Strom und Natel.»

In Adelboden trainierten die Teams gemeinsam eine Woche auf dem Eis. Die Männer profitierten von der Routine der Frauen, die Frauen von der jugendlichen Unbekümmertheit der Männer. Und wer curlt besser? Davos’ Carmen Küng zögert und lächelt: «Unentschieden.» Mirjam Ott meint: «Bei Spielen über die volle Distanz würden die Männer wohl acht von zehn Partien gewinnen», worauf Claudio Pätz kontert: «Natürlich würden wir zehnmal gewinnen, aber weil wir höflich sind, überlassen wir den Frauen zwei Siege.»

«Gewaltiges Gelände»

Vor dem Trainingslager in Adelboden weilten die beiden Teams drei Tage in der Olympiastadt Sotschi. «Wir wissen, wie das Stadion aussieht, wir wissen, wo wir schlafen werden und wir wissen, wo die Medaillen übergeben werden», heisst es aus dem Schweizer Lager. «Das Gelände und die Stadien sind gewaltig», sagt Claudio Pätz, «ich kann mir fast nicht vorstellen, dass diese riesige Baustelle in einem halben Jahr fertig sein soll.»

Der Trip nach Sotschi diente auch dem Eintauchen in die russische Kultur. Probleme gab es vor allem mit dem Essen und der Sprache. «Aber wir sind mit vielen positiven Eindrücken heimgekehrt», sagt Pätz. Die Männer leben seit dem 1. Juli als Vollprofis, die Frauen arbeiten maximal ein bis zwei Tage pro Woche. Sie streben an den Olympischen Spielen eine Medaille an, für die Männer soll es ein Rang in den Top 5 sein.

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