Frauen-EM 2017
«Freuen uns darauf, dass es losgeht»: Rahel Kiwic strebt mit der Nati die Viertelfinals an

Rahel Kiwic und die Schweizerinnen wollen an der Frauen-Europameisterschaft 2017 in Holland die Gruppenphase überstehen.

Michel Sutter
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Kann Rahel Kiwic (rechts) auch an der Euro 2017 wieder jubeln?

Kann Rahel Kiwic (rechts) auch an der Euro 2017 wieder jubeln?

KEYSTONE

Eigentlich beginnt die Frauen-Europameisterschaft 2017 in Holland schon am Sonntag. Dann bestreitet Gastgeber Holland das Eröffnungsspiel gegen Norwegen. Doch den Schweizerinnen bleibt noch etwas mehr Zeit. Sie treten erst am Dienstag um 18 Uhr in Deventer gegen Österreich an. Nach Holland reisen sie allerdings schon am Freitag ab.

Zurzeit befinden sich die 23 Spielerinnen des für die Euro berufenen Kaders in Bad Zurzach. Hier absolvieren sie heute noch zwei Trainings und haben sich während der letzten Tage auf das Turnier vorbereitet. Mit dabei ist auch die Dietikerin Rahel Kiwic. «Wir holen uns hier den taktischen Feinschliff, stimmen die Laufwege ab und spielen uns ein», sagt die 26-Jährige. Von Nervosität sei noch nichts zu spüren, im Gegenteil: «Wir freuen uns darauf, dass es losgeht.»

Persönlich: Rahel Kiwic

Rahel Kiwic hat ihre Fussballkarriere als 9-Jährige beim FC Dietikon begonnen. Danach spielte sie fast zehn Jahre beim FC Zürich, ehe sie zum MSV Duisburg wechselte. Dort erzielte sie in 62 Spielen elf Tore. Ab kommender Saison wird sie für den 1. FFC Turbine Potsdam verteidigen.

Kiwic wirkt in diesen Tagen locker und unbeschwert. Das kommt wohl auch daher, dass sie vor zwei Monaten eines der für sie wichtigsten Ziele der Saison erreicht hat. Mit dem MSV Duisburg, der im letzten Jahr in die 1. Bundesliga aufgestiegen war, hat sie im Mai den Klassenerhalt geschafft – und das, obwohl der Platz der Duisburgerinnen in der höchsten deutschen Liga im Winter noch gefährdet war. Es ist ein schönes Abschiedsgeschenk für Kiwic, die Duisburg verlässt und in der neuen Saison für Turbine Potsdam spielen wird. «Die Saison hat richtig Spass gemacht», schwärmt sie. «Es ist natürlich umso motivierender, wenn man mit einem positiven Gefühl zum Nationalteam reist.»

Auf Vereinsebene gab es für Kiwic also erst vor wenigen Wochen etwas zu feiern, mit der Nationalmannschaft dagegen schon im vergangenen September. Damals sicherten sich die Schweizerinnen in der Qualifikationsphase für die Euro 2017 mit den Siegen gegen Georgien (3:0) und Nordirland (4:0) den ersten Rang in ihrer Gruppe und damit ihren Platz an der Europameisterschaft. Gegen Nordirland hatte sich auch Kiwic unter die Torschützinnen gereiht – mit dem Treffer zum 2:0, ihrem zweiten in der Qualifikation. «Im Nationalteam Tore zu schiessen, ist immer etwas Schönes», sagt sie.

Der Sieg gegen die Nordirinnen war für die Schweizerinnen der Schlusspunkt einer sehr erfolgreichen Kampagne. In acht Spielen hatten sie acht Siege geholt, 34 Tore geschossen und nur 3 Gegentore kassiert. Besser geht es kaum. Doch zuletzt musste die Schweiz zwei Rückschläge verkraften. Der erste erfolgte im April bei einem Freundschaftsspiel gegen Norwegen, in dem Kiwic und ihre Teamkolleginnen mit 1:2 unterlagen. Der zweite kam im vergangenen Monat mit der 0:4-Niederlage gegen England. «Aus diesem Spiel konnten wir viel mitnehmen», meint Kiwic. «Wir haben die Fehler analysiert und unsere Lehren daraus gezogen.»

Sprinttraining mit Kambundji

Zudem bekamen Kiwic und ihre Kolleginnen zu Beginn dieses Monats noch Tipps abseits des Rasens. Sie absolvierten nämlich ein Sprinttraining mit Mujinga Kambundji. Eine Einheit, die Kiwic sehr beeindruckt hat. «Sie hat uns gesagt, auf welche Details wir beim Sprinten achten müssen – zum Beispiel auf die Körperhaltung», verrät die Dietikerin. «Es war sehr spannend und auch eindrücklich, wie schnell sie ist.» Ausserhalb habe ihr gefallen, dass Kambundji bodenständig sei. «Dieses Training war sehr cool!»

Ihre Sprintfähigkeiten werden die Schweizerinnen wohl vor allem im Gruppenspiel gegen Frankreich gut brauchen können. Gegen den Nachbarn aus dem Westen spielt die Schweiz am 26. Juli um 20.45 Uhr in Breda. Kiwic hat Respekt vor den Französinnen. «Frankreich ist eine grosse Nummer im Frauenfussball», sagt sie. «Die Französinnen sind die Favoritinnen in unserer Gruppe.»

«Nachher ist fast alles möglich»

Österreich und Island, die beiden anderen Gruppengegner der Schweizerinnen, dürften hingegen in Reichweite liegen. Besonders die Isländerinnen, gegen welche die Schweiz am 22. Juli um 18 Uhr in Doetinchem spielen wird. Denn bei der WM-Qualifikation konnten die Schweizerinnen zweimal gewinnen. Doch das sei noch keine Garantie, so Kiwic: «Die Isländerinnen haben sich sicher weiterentwickelt, und bei Österreich sind viele Bundesligaspielerinnen dabei.»

Die Schweizerinnen sind also gewarnt. Und trotzdem haben Kiwic und ihre Teamkolleginnen das Ziel, die Viertelfinals zu erreichen. «Nachher ist alles möglich», sagt die Verteidigerin. Sie freut sich jedenfalls schon auf die Atmosphäre in Holland, wo sie vor einem Jahr die Qualifikationsspiele für Olympia bestritt: «Da werden viele Zuschauer dabei sein, und hoffentlich auch einige aus der Schweiz.»