Fussball

Frauenfussball als neue Herausforderung für Robert Tonic

Jubeln die Schlieremerinnen bald auch unter dem neuen Trainer?

Jubeln die Schlieremerinnen bald auch unter dem neuen Trainer?

Das Schlieremer NLB-Team wird neu von einem unerfahrenen Trainer geführt. In der neuen Aufgabe will sich der Coach fussballerisch weiterentwickeln und ist sich sicher, dass er eine Menge dazulernen wird.

Robert Tonic versucht gar nicht erst, ausweichend zu antworten. «Ich habe weder ein Netzwerk noch Erfahrung im Frauenfussball», sagt der neue Trainer des Schlieremer NLB-Frauenteams. Damit erinnert er an Mircea Schaich, der Anfang 2012 das Amt in Schlieren ohne Hintergrund im Frauenfussball antrat und während nur rund fünf Monaten ausübte.

Tonic betreute zuletzt die U16-Junioren von Red Star. Im Gegensatz zu den Nachwuchskickern habe er in Schlieren Spielerinnen angetroffen, «die zuhören und nicht das Gefühl haben, sie wären schon Stars». Der 41-jährige Inhaber des A-Diploms sieht seine neue Aufgabe als eine Chance zur Weiterentwicklung auf seinem Weg zu einer Trainerkarriere. «Das Einzige, was mich interessiert, ist Spitzenfussball», stellt er klar. Nun konnte man diesen Begriff in der Vergangenheit nicht vorbehaltlos mit den Limmattalerinnen übereinbringen. Teaminterne existiert ein Gefälle, was die Ambitionen der Spielerinnen anbelangt. Tonic hat die geringe Trainingspräsenz infolge Ferien schon jetzt kennen gelernt.

Die Probleme und Chancen einer dünnen Kaderdecke kennt der Neue aus eigener Erfahrung. Der frühere 2.-Liga-Akteur ist in der abgelaufenen Saison beim Viertligisten FC Croatia mangels Optionen zu einigen Einsätzen gekommen. In der machohaften Umgebung des Teams habe er sich den einen oder anderen Spruch anhören müssen. Ein Frauenteam zu coachen, gilt nicht als Ruhmesblatt. «Das ist mir egal», sagt Tonic, «ich schaue nur auf mich und bin überzeugt, eine Menge lernen zu können.»

Das wird nicht von heute auf morgen gelingen, weiss der Schlieremer Tonic, der einst an seiner neuen Wirkungsstätte als Junior begann mit Fussball spielen. «Die Mannschaft und ich werden ein halbes Jahr brauchen, bis wir uns aneinander gewöhnt haben.» Zeit ist bei seinem Engagement ein wichtiger Faktor. Der zweifache Vater, der bei Sony im Einkauf arbeitet, verreist in der kommenden Woche in die Ferien. Die waren schon länger gebucht. Der offizielle Trainingsauftakt erfolgt deshalb am 28. Juli und damit nur knapp zwei Wochen vor dem ersten Meisterschaftsspiel. Viel Spielraum für Neues bleibt da nicht. Zumal Tonic sich überraschen lassen muss, wer im Kader steht. Mindestens vier Abgänge gilt es zu ersetzen.

Vorgänger Stutz bleibt im Verein

Wer für die Bildung des neuen Teams verantwortlich zeichnet, ist gleichfalls offen. Denn mit Bruno Kläusli ist der Sportchef zurückgetreten. Gleiches gilt für Tonics Vorgänger Dominik Stutz. Er hat die Mannschaft nach zwei Saisons – und zwei verpassten Aufstiegsrunden – wegen einer bevorstehenden Operation mit ungewisser Rehabilitationszeit aufgegeben. Stutz soll in anderer Funktion im Verein bleiben. Ein Gespräch mit Präsident Mauro Fulginei am Donnerstag hat noch nichts Konkretes ergeben. Der erst wenige Wochen amtierende Fulginei hat mit seinen Vorstandskollegen knifflige Aufgaben im Zusammenhang mit der Frauenabteilung zu lösen. Denn auch die zweite Mannschaft (1. Liga) braucht
einen neuen Trainer. Mauro De Corso,
der seinen Jugendfreund Robert Tonic als Fanionteam-Trainer ins Spiel brachte, hat nach sechseinhalb Jahren genug.

Als neuer Leiter der Frauenabteilung hilft er aber weiterhin mit, jener im Verein Gewicht zu geben. Denn nach dem lang ersehnten Aufstieg des Männerteams in die 2. Liga drohen die Frauen ins Abseits zu geraten. Präsident Fulginei betont in diesem Zusammenhang die Wichtigkeit aller Abteilungen im Verein und ergänzt: «Wir wollen die Frauen stärker in den Verein integrieren.» Wie das aussehen könnte, erklärt Neu-Trainer Tonic: «Vielleicht ist es möglich, dass wir vor den Männern spielen, um mehr Zuschauer zu haben.» Entsprechende Gespräche mit Männer-Trainer Antonio Caputo stünden bevor.

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