Nach den drei (erwarteten) Niederlagen in der Vorrunde läuft die Schonfrist für die Schweizerinnen ab. Die eine Partie gegen die starken Gastgeberinnen entscheidet, ob das olympische Turnier zum Erfolg (bei einem Sieg) oder zu einem Zitterspiel im Kampf gegen den Abstieg aus der Top-Division (bei einer Niederlage) wird.

Die Russinnen stoppen soll primär Schelling. Die Zürcherin gilt als eine der weltbesten Torhüterinnen. Als die Schweiz an der WM 2012 in den USA Bronze gewann, wurde sie zur besten Keeperin des Turniers gewählt. Und auch in Sotschi wären die Niederlagen wohl höher ausgefallen, hätte sich die Schweiz nicht auf ihren sicheren Rückhalt verlassen können.

«Es ist wichtig, dass ich in den ersten drei Partien ein gutes Gefühl kriege, egal wieviele Tore ich kassiere», hatte Schelling vor dem Turnierstart gesagt. An Arbeit mangelt es ihr in Sotschi tatsächlich nicht. Keine andere Torhüterin musste so viele Schüsse abwehren (138) wie Schelling. Trotz der 18 Gegentore liegt ihre Fangquote immer noch bei beachtlichen 88,46 Prozent.

Mental schwierige Ausgangslage

Nun trifft die Schweiz auf eine Equipe, die in der schwächeren Vorrundengruppe dreimal gewonnen hat, das Publikum hinter sich weiss und am Heimturnier erstmals in die Halbfinals eines Olympia-Turniers einziehen will. «Es ist wichtig, dass wir mental damit umgehen können, dass wir dreimal verloren und unser Gegner dreimal gewonnen hat», so Schelling.

Schelling ist erfahren genug, um mit dieser Situation umzugehen, nimmt sie doch bereits zum dritten Mal an Olympischen Spielen teil. «2006 wusste ich gar nicht richtig, wie mir geschah. Vor vier Jahren stiess ich direkt aus Nordamerika zum Team und bekam den Hype gar nicht so richtig mit. Dieses Mal realisiere ich zum ersten Mal so richtig, was Olympia bedeutet», erzählt Schelling.

Normalerweise steht die bald 25-Jährige bei den 1.-Liga-Männern von Bülach zwischen den Pfosten. Sie ist überzeugt, dass sie auf dieses olympische Turnier hin noch einmal Fortschritte gemacht hat, gerade weil sie in einem Männerteam spielt. «Männer spielen schneller und intensiver. Auf dem internationalen Niveau hier profitiere ich sicher davon, speziell gegen die stärkeren Teams.» Stärker, zumindest punkto Physis, werden auch die Russinnen eingeschätzt.

Ausgeglichene Bilanz

Die Bilanz gegen den Olympia-Gastgeber an den letzten Turnieren ist ausgeglichen; zu erwarten ist ein umkämpftes Duell. An den Olympischen Spielen in Vancouver (im Spiel um Rang 5) und der erfolgreichen WM 2012 (im Viertelfinal) siegte die Schweiz, 2011 und im letzten Frühling ging der WM-Viertelfinal gegen die weibliche «Sbornaja» jeweils verloren.

Gewinnen sie den Viertelfinal, treffen die Schweizerinnen am Montag im Halbfinal auf Kanada. Verlieren sie ihre kapitale Partie, dann geht es bereits am Sonntag mit dem ersten von zwei Klassierungsspielen gegen Japan weiter.