Eishockey

Florence Schelling ist Grossmutter mit 26 Jahren

Florence Schelling spielt neu in Schweden.

Florence Schelling spielt neu in Schweden.

Für Nationalgoalie Florence Schelling bedeutet der Saisonstart den Aufbruch ins Ungewisse. Mit ihrem neuen Verein hat sie grosse Ziele.

In den Strassen von Oberengstringen traf man in letzter Zeit ein bekanntes Gesicht wieder häufiger an. Theoretisch jedenfalls: Florence Schelling ist vorübergehend wieder bei den Eltern eingezogen. Doch schon heute reist die Weltklassetorhüterin zum Zusammenzug des Nationalteams nach Flims, ehe sie am kommenden Montag nach Schweden fliegt, wo die 26-Jährige in der kommenden Saison spielen wird.

Selbst für die vielgereiste Schelling bedeutet der Aufbruch in den Norden ein Abenteuer. Sie war noch nie in Linköping, der 150 000-Einwohner-Stadt, wo ihr neuer Verein beheimatet ist. Bei der Beurteilung der Lebensqualität und der sportlichen Herausforderung verliess sich die Limmattalerin ganz auf das Urteil der Marty-Zwillinge Stefanie und Julia, die vor den Olympischen Spielen ebenda spielten.

«Sie wissen nur Gutes zu berichten», benennt Schelling den Grund, dem Wechsel zuzustimmen. Ihre Vorgängerin im Tor, die langjährige schwedische Internationale Kim Martin Hasson, hat ihre Karriere beendet und ist nun im Verein für das Frauenteam verantwortlich.

Schon länger eine Leaderin

Für eine Führung durch ihre neue Heimat wird sie sich an jemand anderen wenden müssen: Die Martys haben ihren Rücktritt erklärt. Schelling wird nicht nur in Schweden ihre Nachfolge antreten. Im Nationalteam ist die dreimalige Olympia- und neunmalige WM-Teilnehmerin (154 Länderspiele) nun mit Abstand die erfahrenste Akteurin. Schelling ist sozusagen die Mutter der 23 weiteren Spielerinnen im Aufgebot.

Die Limmattalerin lacht, als sie diese Bezeichnung hört, und ergänzt: «Eigentlich die Grossmuter, so lange, wie ich schon dabei bin.» Neues bringe diese Rolle nicht mit sich: «Ich habe seit langem eine Leaderfunktion im Team und kann gar nicht mehr machen für die andern; auf dem Eis sowieso nicht, und auch nicht in der Kabine, wo mein Wort bereits Gewicht hat.» Als Goalie darf sie im Eishockey nicht Teamcaptain sein, weshalb sich auch nach aussen nichts ändern wird.

Schelling sucht einen Teilzeitjob

Eine neue Situation wartet indes auf privater Ebene in Schweden: Zum ersten Mal ist Schelling Profisportlerin, also ohne Beschäftigung parallel – wider Willen allerdings. Sie hatte eigentlich geplant, ihr Masterstudium in Wirtschaftswissenschaften zu beginnen. Doch daraus wird nichts, weil sie keinen Studienplatz bekommen hat. Und nun? Sie versucht, einen Teilzeitjob zu finden. Dabei stehe nicht unbedingt das Geld im Vordergrund: Nicht etwa wegen des hohen Verdiensts als Sportlerin, sondern weil ihre Eltern sie unterstützen würden. «Ich weiss nicht, wie ich meine Tage füllen soll», sagt sie ehrlich.

Florence Schelling während den olympischen Spielen 2014

Florence Schelling während den olympischen Spielen 2014

Diese Unwissenheit ist für die Powerfrau eine Herausforderung: Viele Jahre lang waren die Tage ausgefüllt. Als Studentin und Sportlerin in den USA beispielsweise. Oder in den letzten Jahren als Vollzeitarbeitstätige, 1.-Liga-Torhüterin und Medienliebling. An manchen Tagen hätte sie sich gewünscht, sie hätten mehr als 24 Stunden. Eine Freizeitbeschäftigung wird sie immerhin auf Trab halten: Die Sprachbegabte hat sich vorgenommen, Schwedisch zu lernen.

Sportlich verfolgt die Limmattalerin zwei Ziele in der bevorstehenden Saison: Mit ihrem neuen Verein will sie den Titel verteidigen. Und an ihrer zehnten Weltmeisterschaft soll die zweite Medaille nach 2012 resultieren. Wenigstens Letzteres hat sich nicht geändert.

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