Dietikon
Fehlentscheid bringt Daniel Bösch den Sieg am Niklausschwinget

Nach dem gestrigen Schlussgang am Niklausschwinget forderten einige den Videobeweis. Der Kampfrichter gab kein Resultat, obwohl Beat Clopath seinen Gegner in letzter Sekunde unten hatte. Daniel Bösch gewann also nach 2008 zum zweiten Mal.

Raphael Biermayr
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Kampfrichter Thomas Blatter verdeutlicht zu Unrecht, dass Beat Clopath (oben) im Schlussgang kein gültiges Resultat erzielt hat.

Kampfrichter Thomas Blatter verdeutlicht zu Unrecht, dass Beat Clopath (oben) im Schlussgang kein gültiges Resultat erzielt hat.

Raphael Biermayr

Videobeweis im Schwingen? Einige forderten ihn nach dem gestrigen Schlussgang am Niklausschwinget. Beat Clopath hatte den defensiv agierenden Fabian Kindlimann in der letzten Sekunde ins Sägemehl befördert. Kampfrichter Thomas Blatter aber sagte, ohne zu zögern: kein Resultat. Gezögert hatte er kurz zuvor, als er seinen Blick nicht von der Stoppuhr hob und folglich nicht sah, was sich vor ihm im Ring tat. Ein schwer enttäuschter Clopath stapfte davon und schmiss die Zwilchhose vor dem Resultatstisch auf den Boden. «Ich hatte ihn rechtzeitig unten», sagte er immerzu.

Dieser letzte Eindruck täuschte über einen langweiligen Schlussgang hinweg, der allerdings so erwartet worden war. «Ein Gestellter ist durchaus vorstellbar», sagte beispielsweise der letzte Eidgenosse der organisierenden Glatt- und Limmattaler, Jodok Huber. Vielleicht war die Stadthalle beim Schlussgang auch deshalb nur noch zu zwei Drittel gefüllt, das Tageshoch lag nach offiziellen Angaben bei 1000 Besuchern. Kindlimann erreichte die Endausmarchung eher überraschend. Der Defensivspezialist stellte Clopath vor eine fast unlösbare Aufgabe. Allerdings: Als der Bündner einmal strauchelte, war der Zürcher Oberländer nicht bereit, davon zu profitieren. Clopath, Sieger des Appenzeller Kantonalfests, hatte im Festverlauf gegen die starken Martin Glaus und Daniel Bösch gewonnen respektive gestellt.

Bösch erneut Sieger

Letzterer erbte schliesslich den Sieg und gewann die Jubiläumsprämie von gleich drei Rindern. Bösch stand in einer hinteren Ecke der Stadthalle, als er zum Gewinner ausgerufen wurde. Er feierte nicht ausgelassen und wurde auch nicht auf den Schultern getragen. «Ein Sieg am grünen Tisch halt», sagte der leise Hüne zu einem Gratulanten. Bösch, aktueller Unspunnensieger, hatte sich wegen einer Ellbogenverletzung erst kurz vor dem Anlass zur Teilnahme gemeldet. Er gewann den Niklausschwinget nach 2008 zum zweiten Mal. Bruno Gisler, Sieger der letzten beiden Austragungen, fehlte krankheitsbedingt.

Der Videobeweis wurde im Nachgang zum Schlussgang übrigens nicht ernsthaft thematisiert. Am Ende stand die Bemerkung, dass es «wie immer ein Kampfrichterentscheid» gewesen sei. Es muss ja nicht gleich die ganz grosse Technik Einzug halten: Vielleicht würde es nur schon helfen, wenn jemand anders als der Kampfrichter während eines Kampfs für die Überwachung der Stoppuhr zuständig wäre.