Fussball

FCZ vor dem Cupfinal: Canepas Einsicht auf Bewährung

Ancillo Canepa bleibt Präsident des FC Zürich und strebt mit den Zürchern den sofortigen Wiederaufstieg an

Ancillo Canepa bleibt Präsident des FC Zürich und strebt mit den Zürchern den sofortigen Wiederaufstieg an

Der FC Zürich stürzt in die Zweitklassigkeit – und greift heute gegen Lugano im Letzigrund nach der Cup-Trophäe. Von der Absurdität des Fussballs und dem Eigensinn eines Präsidenten.

FCZ-Präsident Ancillo Canepa lädt 36 Stunden nach dem Sturz in die Challenge League zur Medienkonferenz – beziehungsweise zur Schadensbilanz. Tatort ist weder der Letzigrund noch das Klubmuseum. Beide Lokalitäten sind besetzt. Der FCZ ist von den eigenen Räumlichkeiten ausgeschlossen.

Deshalb empfängt der Chef die Journalisten im Hotel Sheraton an der Pfingstweidstrasse – im Konferenzsaal «Hardturm I». Der Medienchef entschuldigt sich für die Örtlichkeit: «Der Raum wurde uns zugewiesen.» Dabei weckt die alte GC-Heimat auch im FCZ schöne Erinnerungen. Hier feierte der Klub nach einem Derbysieg 2007 seinen elften Meistertitel. Canepa tanzte damals in spitzbübischer Frische mit seinen Spielern einen präsidialen Kasatschok.

Neun Jahre später sieht der Patron abgekämpft aus – wie eine Mischung aus Rudi Völler und Danny De Vito. Eine Stilberatung würde ihm ebenso gut tun wie ein neuer Coiffeur. 15 Mikrofone versperren ihm fast die Sicht. Doch den Durchblick glaubt er nicht verloren zu haben: «Wir haben Fehler gemacht – und wir werden diese analysieren. Und dann werden wir allenfalls Strukturbereinigungen vornehmen.» Einen Rücktritt schliesst er aus: «Wenn man etwas an die Wand fährt, wäre es billig, den Bettel hinzuschmeissen – wir streben den sofortigen Wiederaufstieg an.»


Wie weit die Einsicht reicht, bleibt abzuwarten. Der harsch kritisierte Klubbesitzer Canepa sagt: «Präsident Canepa wird Sportchef Canepa sicher nicht entlassen.» Gleichzeitig räumt er ein, dass er in der Situationsanalyse auf aussenstehende Persönlichkeiten hören will. «Sie sollen eine gesunde Distanz zum Klub und zu meiner Person haben und die Lage nüchtern einschätzen.»

Ancillo Canepa scheint selber am meisten überrascht, dass er an diesem Mittag über den Abstieg sprechen muss – und sich nicht vorbehaltlos auf den «sonntäglichen Festtag» mit dem Cup-Final freuen kann. Dabei hatte sich der sportliche Bankrott schleichend angekündigt – und an Kommentaren fehlte es nicht. Stürmerlegende Fritz Künzli sagte: «Schuld ist allein Präsident Canepa.»

Komiker Beat Schlatter analysierte: «Das sind alles Komödianten.» Feuerwehrmann Uli Forte fragte seine Mama um Rat, ging in die Kirche und zündete eine Kerze an. Nur der ewige Spielmacher Köbi Kuhn sprach lieber über seine Heiratspläne als über das gebrochene FCZ-Herz. Es nützte alles nichts. Die Fussballgötter rümpften schnöde die Nase. «Das ist kein guter Abend für Zürich», kommentierte der städtische Sportminister Gerold Lauber den Abstieg nüchtern. Immerhin bewies er Sozialkompetenz und stellte den fussballerischen Habenichtsen eine Mietzinsreduktion in Aussicht.

Anchillo Canepa gibt Fehler zu

Anchillo Canepa gibt Fehler zu

Der FCZ-Präsident gibt zu, in der vergangenen Saison Fehler gemacht zu haben. Es gehe jetzt aber nicht um Schuldzuweisungen, sagt der umstrittene Präsident weiter.


Das städtische Entgegenkommen dürfte aber nur ein Tropfen auf den heissen Stein sein. Weil im Klub – bis auf die Leihspieler Kerschakow und Vinicius sowie Verteidiger Koch – alle Spieler weiterlaufende Verträge besitzen (ohne Klausel zur Lohnreduktion bei einem Abstieg), der Kontrakt mit dem Hauptsponsor ausläuft und die Ticketeinnahmen sinken, wird die Challenge League ein teures Abenteuer.

«Es macht keinen Sinn alles runterzufahren und über den Haufen zu werfen, nur um in 12 Monaten alles wieder rückgängig zu machen», sagt Canepa. Im Plenum lächelt seine Ehefrau Heliane leicht gequält. Sie hält mit ihrem Vermögen dem Ehegatten den Rücken frei.

Die Zürcher Seele ist angeschlagen

Im Umfeld des Klubs dürfte Canepas Auftritt mit gemischten Gefühle zur Kenntnis genommen werden. Denn die Chance auf einen konsequenten Neuanfang scheint verpasst. Ein Erfolg im Cup-Final gegen Lugano könnte etwas Geld in die Kasse spülen, aber letztlich würde er nur von den tiefergreifenden Problemen ablenken.

Das Quiz zum Schweizer Cupfinal

Am Sonntag findet einmal mehr der Schweizer Cupfinal statt. Dieses Jahr duellieren sich Absteiger Zürich mit Beinahe-Absteiger Lugano.

Wie hiessen die beiden (inoffiziellen) Vorgänger des Schweizer Cups?

Schweizer Pokal und Och-Cup

Anglo-Cup und Dufour-Cup

Anglo-Cup und Och-Cup

Ovomaltine-Cup und Schweizer Pokal

Welche Mannschaft gewann den ersten Schweizer Cupfinal?

Grasshoppers

FC Basel

FC Bern

Étoile-Sporting La Chaux-de-Fonds

Beim Cupfinal 1967 kam es zu einem Eklat. Wieso gewann der FC Basel den Final gegen Lausanne-Sports mit 3:0 Forfait?

Die Lausanner meinte, das Spiel findet erst einen Tag später statt und verpassten deshalb das Spiel.

Nachdem einige Lausanne-Spieler eine wüste Schlägerei anzettelten, brach der Schiedsrichter die Partie ab.

Wenige Tage nach dem Final stellte sich heraus, dass der Präsident von Lausanne in Wettgeschäfte verwickelt war, weshalb die Partie im nachhinein zu Gunsten der Basler gewertet wurde.

Nach einem umstrittenen Penalty-Entscheid in der 88. Minute, welcher den Baslern die 2:1-Führung brachte, weigerten sich die Lausanner das Spiel weiterzuführen.

Seit wann wird bei einem Unentschieden nach regulärer Spieldauer ein Penaltyschiessen statt einem Wiederholungsspiel ausgetragen?

1956

1984

1997

2003

Bisher gelang es erst einem unterklassigen Verein, den Cup zu gewinnen. Welcher war das?

FC Lugano

FC Sion

FC Schaffhausen

FC Wohlen

Bleiben wir gerade beim Cup-Phänomen FC Sion. Wie oft konnten die Walliser den Cup-Pokal bereits in die Höhe stemmen?

13 Mal

17 Mal

11 Mal

15 Mal

Zum Cup-Mythos gehören auch sensationelle Aussenseiter-Siege. Gegen wen verlor der FC St. Gallen 2005 im Sechzehntel-Final?

FC Le Mont

Red Star Zürich

FC Lengnau

FC Küssnacht

Wo findet der diesjährige Cupfinal statt?

St. Jakob-Park Basel

Stade de Genève in Lancy

Letzigrund, Zürich

Stade de Suisse in Bern

Wer ist Rekordsieger im Schweizer Cup?

Grasshoppers

FC Lausanne-Sport

FC Sion

FC Basel

Das komplette Gegenteil von Sion ist Neuchâtel Xamax. Noch nie konnten die Neuenburger den Schweizer Cup gewinnen. Wie oft standen sie aber bereits im Final?

4 Mal

5 Mal

8 Mal

13 Mal

Petanque-Profi

Gedränge beim Einlass, Sicherheits-Check, besoffene und grölende Fussballfans. Das behagt ihnen nicht wirklich. Während dem Cupfinal treffen sie sich lieber mit ihren Freunden zum gepflegten Petanque-Spiel.

Fan

Cupfinal? Und meine Mannschaft ist dabei? Cuuuuupfiiiinaaaaaal olé!!

Experte

Jeder Ballwechsel wird analysiert, jedes Resultat in ihrem fotografischen Gedächtnis abgespeichert. Sie sind der Cup-Experte schlechthin. Gratulation.



Der ehemalige technische Direktor und Nachwuchskoordinator Marco Bernet sagt: «Ancillo Canepa betrachtet den FCZ als seine Privatangelegenheit. Dabei ist der Klub eine öffentliche Marke, die vom Volk getragen wird.» Noch deutlicher wird ein früherer Trainer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will: «Wenn fehlende Fachkompetenz mit Machthunger und Geltungsdrang zusammenkommen – und noch die Ehefrau dabei ist, wird es schwierig.»

«Schwierig» ist in der jetzigen Situation eine freundliche Untertreibung – und eine Beschönigung des selbst verschuldeten Fiaskos. Im grösseren Zeitrahmen leitete die Trennung von Sportchef Fredy Bickel 2012 den Niedergang ein. Zuletzt spiegelte vor allem das Engagement von Sami Hyypiä als Trainer das fehlende Know-how.
Rücktritt ausgeschlossen: Anchillo Canepa will FCZ-Präsident bleiben

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Bleibt alles beim alten? FCZ-Präsident Anchillo Canepa schliesst einen Rücktritt aus. Zwei Tage nach dem Ausscheiden aus der Superleague gibt sich der umstrittene Boss des FC Zürich kämpferisch.

Der Finne war an der Seitenlinie eine ähnliche Fehlbesetzung wie die Wahlschweizerin Rykka am Eurovision Song Contest oder Möchtegern-Rocky Arnold Gjergjaj im Londoner Boxring. Auch Hyypiä wirkte ständig, als sei er von Bauchkrämpfen geplagt und vom gegnerischen Fausthagel erschüttert. Nur Canepa schaute weg. Das Resultat war unvermeidlich: Letzter Platz. K. o. Gong.

Das schmerzt eine ganze Stadt – selbst die Grasshoppers, die kurzfristig ohne die Derby-Einnahmen leben müssen. Zwar mobilisiert der FCZ nur einen Bruchteil der Zuschauer der Konkurrenz vom Rhein. Er ist durch eine Leichtathletikbahn von seinen Fans getrennt und wird im sportlichen Schadenfall von der Öffentlichkeit auf ein paar Chaoten reduziert.

Trotzdem berührt er die Zürcher Seele mehr als die Renovation des Kongresshauses oder die neue Tramlinie auf der Hardbrücke. Denn der FCZ verkörpert die sozialromantische Suche nach dem Erfolg, die Sehnsucht nach der glorreichen Vergangenheit, die Leidensfähigkeit des kleinen Mannes. Diese Ansprüche kann er momentan perfekt befriedigen – immerhin.

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