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FC Zürich: Wenigstens nicht wieder verloren

Der FC Zürich kann mit dem 0:0 in Aarau leben, ist sich aber im Klaren darüber, dass seine Offensive einen Schub braucht. Denn zu Begeisterungsstürmen bläst nach diesem Auftritt weiterhin niemand.

Die Ansprüche beim FC Zürich sind tüchtig gesunken in den letzten Wochen. Dass seine Spieler und der Trainer nach dem bescheidenen 0:0 beim Tabellenletzten Aarau erklärten, dass sie mit diesem Unentschieden leben könnten, sagt alles über die aktuelle Verfassung einer Mannschaft, die noch als Tabellenzweite überwintert hatte, heute Sonntag aber auf den fünften Rang abrutscht, falls der FC St. Gallen zu Hause gegen den FC Vaduz gewinnt.

«Die Zuschauer haben ein kampfbetontes, aber kein schönes Spiel gesehen», sagte Trainer Urs Meier hinterher. «Beide Teams hätten drei Punkte nötig gehabt. Man wird sehen, wem das 0:0 mehr hilft.» Gut möglich, dass dieses Ergebnis für beide zu wenig ist, um ihr Saisonziel zu erreichen. Die Zürcher jedenfalls tun gut daran, diesen ersten Punktgewinn in der Super League nach fünf Niederlagen in Serie nicht als Befreiungsschlag zu werten.

Wo war Zürichs Offensive?

Viel zu harmlos, viel zu wenig entschlossen war ihr Offensivspiel auch gestern, um sich auf einem guten Weg zu wähnen. Natürlich, Meier lobte wie schon nach dem Spiel gegen St. Gallen eine Woche zuvor die engagierte Vorstellung der jungen Spieler Nico Elvedi, Mike Kleiber und Cédric Brunner. Auch der Senegalese Sangoné Sarr erhielt nach seinem zweiten Einsatz seit seinem Zuzug im Winter ein Kompliment. «Er ist eine Bereicherung», sagte Meier. «Überhaupt hat unsere Situation auch ihr Gutes. Sie ist eine Chance für die Jungen, sich zu präsentieren.» Gegen Aarau fehlten dem FCZ sechs Stammspieler.

Abwehrchef Alain Nef sagte, dass der Gewinn eines Punktes nach der Niederlagenserie positiv zu werten sei. Meier sagte, es sei sehr positiv, dass man zu-null gespielt habe. Zum vierten Mal in dieser Saison gegen diesen Gegner, nach einem 1:0-Sieg und drei torlosen Partien. Dass die Zürcher zum sechsten Mal hintereinander gegen Aarau nicht verloren hatten, ist indes nicht der ultimative Leistungsausweis. «Man hat gesehen, dass das Selbstvertrauen gelitten hat», sagte Nef. «Im Abschluss sind wir zu wenig kaltblütig.» Als ob die Zürcher Chancen in Hülle und Fülle gehabt hätten. Im Brügglifeld liessen sie sich an einer Hand abzählen.

Gavranovic ein Schatten seiner selbst

Beispielhaft für die schlechte mentale Form war der eingewechselte Tunesier Amine Chermiti, der eine Viertelstunde vor Schluss bei freier Schussbahn den Ball mit dem Absatz auf Kleiber zurücklegen wollte, dabei aber kläglich scheiterte. Aber auch Mario Gavranovic ist derzeit weit davon entfernt, seinem Team eine Hilfe zu sein. Weil Franck Etoundi wegen hohen Fiebers nicht einsatzbereit war, rutschte der Tessiner in die Startformation, hatte aber keinerlei gute Szenen.

«Mario konnte nach seinem Kreuzbandriss im letzten Sommer die Vorbereitung im Januar nicht mitmachen», sagte Meier, «jetzt braucht er noch Zeit und Spielpraxis.» Ob Etoundi am Dienstag im Wallis gegen Sion wieder zur Verfügung steht, ist noch offen. Gesperrt fehlen wird Captain Yassine Chikhaoui, der sich in der Nachspielzeit mit einer Unsportlichkeit eine Verwarnung abgeholt hatte.

«Wenigstens haben wir nicht wie gegen St. Gallen in der letzten Minute noch ein Tor bekommen», sagte Nef mit Galgenhumor. Dass seine Mannschaft wegen der Aussperrung ihrer Fans keine Unterstützung von den Rängen hatte, sei schlecht gewesen. «Wir brauchen unsere Fans», sagte Nef. «Wir benötigen den zwölften Mann», sagte Meier.

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