3. Liga
FC Schlieren gewinnt gegen Oetwil mit 6:2

Die Standpauke von Schlierens Trainer Beat Studer zur Halbzeit stärkte die Mannschaft: Der FC Schlieren besiegt zum Vorrundenschluss Oetwil-Geroldswil nach 0:2-Rückstand mit 6:2

Raphael Biermayr
Merken
Drucken
Teilen
Der angeschlagene Schlieren-Torhüter Nicola Appella
7 Bilder
Ahmet Bozova erzielt das 2-0 für Oetwil-Geroldswil
Die Zuschauer auf dem Sportanlage Werd
Schlierens Giuseppe Sorrentino tunnelt Sandro Lutz
Oetwils Luca Kälin (rechts) gegen Reto Schäfer
Oetwil-Geroldswil verliert gegen Schlieren 0:2
Sladjan Peric erzielt das letzte Tor für Schlieren

Der angeschlagene Schlieren-Torhüter Nicola Appella

Roland Jaus

Es schien, als wäre er über sich selbst erschrocken. Schlierens Trainer Beat Studer holte in der Halbzeitpause in Geroldswil zu einer Tirade aus wie vielleicht noch nie in seiner Trainerkarriere. «Ich sagte der Mannschaft unter anderem, dass Caputo und ich lieber brunchen würden, als uns so etwas anzusehen.» Das war der harmlose Teil der Ansprache, es seien nach Aussagen von Ohrenzeugen auch Kraftausdrücke gefallen. Studer sagte später, dass er sich nach dem Match beim Team für seine Wortwahl entschuldigt habe.

Der Grund für den Ausbruch von Studer war nicht allein im Resultat zur Pause zu suchen (1:2 aus Schlieremer Sicht), das natürlich zur Nervosität beitrug. Sondern es waren einerseits die Gleichgültigkeit, mit der sich der FCS teilweise vorführen liess –, andererseits und vor allem aber das Verhalten untereinander. Sladjan Peric offenbarte eine divenhafte Attitüde, als er nach einer Kritik von Reto Schäfer lautstark verkündete: «Noch ein Wort von dem und ich gehe.» Die Nerven lagen blank bei den Schlieremern, die sich im Fall einer zweiten aufeinanderfolgenden Niederlage Häme gewiss sein konnten.

5:0 in der zweiten Halbzeit

Studers Worte verfehlten ihre Wirkung nicht. Nach dem Ausgleichstreffer durch den zuvor einzigen Lichtblick Emanuele Preite spielte sich der Aufstiegskandidat in einen wahren Rausch. Die Schlieremer stellten eindrücklich unter Beweis: Wenn sie einmal losgelassen, kann sie kaum jemand aufhalten. Souhel Muhi-Eddine, zum dritten Mal Preite, erneut Muhi-Eddine und schliesslich Peric sorgten für die weiteren Treffer zum Schlussresultat von 6:2 aus der Sicht der Gäste. Es war die Krönung einer Vorrunde, die der FCS als Co-Leader abschloss. Die Prophezeiung von Beat Studer, nachdem sein Team wegen des extremen Gefälls zwischen Defensive und Offensive eine Spektakelmannschaft sein würde, ist eingetroffen: Über fünf Treffer fallen durchschnittlich in Partien mit den Schlieremern. Während der Winterpause sollen gemäss Studer «zwei, drei Änderungen» erfolgen.

Unter dem Eindruck der zweiten Halbzeit ging fast unter, dass Oetwil-Geroldswil vor dem Seitenwechsel eine starke Partie gezeigt hatte. Dank ihres mutigen Pressings mit phasenweise vier Mann zwangen sie die schlingernde Schlieremer Defensive zu Fehlern. Darüber hinaus wurden sie von Massimo Paradiso, Dario Marjanovic und Co. immer wieder zu Möglichkeiten eingeladen. Wie beim 1:0: Das 16-jährige Talent Marco Brandenberger ahnte ein Missverständnis voraus und liess die verdatterten Lokalrivalen stehen. Oder beim 2:0, als Ahmet Bozova drei Sekunden Zeit hatte, um zu schiessen – Kevin Rodriguez lenkte den Ball unhaltbar ab. Der FCOG war drauf und dran, dem Favoriten ein Bein zu stellen und damit die Aufwärtstendenz der jüngsten Zeit zu bestätigen. Doch wie schon wenige Tage zuvor im Regionalcup gegen die Blue Stars standen sie am Ende mit leeren Händen da.

War es gegen den Zweitligisten ein Stromausfall gewesen, der sie aus dem Konzept gebracht hatte, war es im Derby der Anschlusstreffer durch Preite kurz vor der Pause. Broggi konnte seine Langsamkeit nicht verbergen, der Schlieremer Stürmer überwand Torwart Simon Wendelspiess sehenswert mit einem Heber. Nach dem 2:2 fiel die Ordnung der Gastgeber wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Sportchef Albert Wagner nahm die sich anbahnende Klatsche mit Galgenhumor – auf ihn wartet in der Winterpause eine Menge Arbeit (siehe separaten Artikel).