Handball
Fabian Beltrami ist auf dem Feld ein Fels in der Brandung

Fabian Beltrami ist beim HC Dietikon-Urdorf die Entdeckung der Saison und entwickelte sich in den vergangenen Spielen zum unverzichtbaren Rückhalt.

Rainer Sommerhalder
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Die Bälle fliegen Fabian Beltrami um die Ohren, aber Gegenspieler kommen an ihm nicht vorbei.

Die Bälle fliegen Fabian Beltrami um die Ohren, aber Gegenspieler kommen an ihm nicht vorbei.

Roland Jaus

Er spielt Handball, hat aber praktisch nie den Ball in Händen. Er ist ein Neuling im Team, dirigiert aber die Routiniers links und rechts von ihm selbstbewusst und mit lauter Stimme. Er ist als Typ ruhig und freundlich, wird aber auf dem Feld zum gegnerischen Buhmann. Der 23-jährige Fabian Beltrami hat beim HC Dietikon-Urdorf eine zentrale Rolle in der Verteidigung und dient der Mannschaft als Aggressivleader.

Imhof, Bruggmann, Hilkinger, Grendelmeier – der HCDU ist mit technisch versierten Spielern reichlich gesegnet. Da tönt es beinahe schon wie ein Kompliment, wenn Spielertrainer Claude Bruggmann seinen Abwehrspezialisten Fabian Beltrami als «Raubein auf dem Feld» bezeichnet. Auf jeden Fall sei der Säuliämtler kein Lämmli.

Der 23-Jährige aus Affoltern am Albis hat den Job, als Mittelverteidiger die gegnerischen Abwehrversuche zu stoppen. Dass dies nicht immer mit filigraner Feinarbeit zu schaffen ist, versteht sich von selbst. «Ich suche den Körperkontakt, ich liebe diese Art von Auseinandersetzung», sagt der gelernte Bodenleger, der heute 50 Prozent seiner Arbeitskraft als Verkaufsberater einsetzt. Sein Job sei es, das Team durch physische Präsenz in der Abwehr zu unterstützen. Wenn er dadurch zum Buhmann werde, dann stört ihn das nicht. «Hauptsache, ich kann helfen.»

Er sei der Fels in der Brandung, sagt Trainer Bruggmann über seinen Schützling. «Sein Job ist es, unsere Verteidigung zu organisieren.» Dies erledige er sehr gut, «nur muss er noch etwas cleverer werden, weniger Strafen nehmen, nicht immer mit der Dampfwalze auffahren», verlangt Bruggmann. Zu oft sei seine Hand verbotenerweise noch am Hals des Gegners und nicht an der Schulter. Beltrami ist sich dessen bewusst, attestiert sich selber aber Fortschritte. «Früher war ich relativ einfach zu provozieren, heute habe ich mich diesbezüglich im Griff. Ich erhalte deutlich weniger Strafen, langsam stimmt es.»

Auf den Spuren von Oliver Roggisch

Sobald Dietikon-Urdorf wieder am Ball ist, sprintet Beltrami in Richtung Auswechselbank, um einem Offensivspieler Platz zu machen. Beinahe wie Oliver Roggisch, der 2007 als Schlüsselspieler mit Deutschland Weltmeister wurde, ohne die Mittellinie einmal überschritten zu haben. «Roggisch ist mein Vorbild», sagt Beltrami, der auf diese Saison hin von den Reserven ins 1.-Liga-Team befördert wurde. Er habe Roggisch in Mannheim live spielen sehen. Der HCDU-Spieler besucht regelmässig NLA-Partien und macht als Zuschauer ab und zu auch einen Trip über die Grenze in die deutsche Bundesliga.

Oft verfolgt Fabian Beltrami auch Spiele der höchsten Schweizer Frauenliga. Aber nicht, um sich seine eigene knallharte Spielweise abzugewöhnen, sondern weil seine Freundin Fabienne Romer bei Uster spielt. Die Dietikerin ist auch verantwortlich dafür, dass Beltrami vor sechs Jahren mit Handball begonnen hat. «Sie ist gleichzeitig meine schärfste Kritikerin», sagt der Säuliämtler. «Ich schätze diese direkte, ehrliche Rückmeldung. Nur so kann ich mich verbessern.» Der 23-Jährige ist sich bewusst, dass er noch viel lernen muss. Vielleicht erhält er dann eines Tages die Gelegenheit, auch seine Qualitäten in der Offensive als Kreisläufer zu zeigen. Doch vorerst gilt weiter der Grundsatz: Handball findet für Fabian Beltrami primär ohne Ball statt.