Cheerdance
Eurodancers: Schweisstreibender Spass

Die Eurodancers sichern sich den Schweizermeister-Titel im Cheerdance, einer Unterdisziplin des Cheerleadings, in Serie. Bei den Eurodancers tanzen auch Limmattalerinnen mit.

Michel Sutter
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Die Eurodancers heben ab.

Die Eurodancers heben ab.

Michel Sutter

«Es muss nicht schnell gehen», ruft Nathalie Rutz. «Geniesst es lieber!» Die Tänzerinnen der Eurodancers schmunzeln, während sie hin- und herspringen. Seit einer Dreiviertelstunde schinden sie an diesem Dienstagabend in einem Fitnessstudio in Zürich ihre Körper – mit Stretching, Kraftübungen, Sprüngen und Spagaten.

High-Intensity-Intervalltraining nennt sich die Einheit, die einige der etwa 30 jungen Frauen zum Keuchen bringt. Kann man das tatsächlich geniessen? Rutz lächelt und nickt. «Ich bin sehr ehrgeizig», erklärt die 29-jährige Dietikerin.

«Ich will im Sport etwas erreichen, ein Ziel verfolgen.» Daher hat sie sich für Cheerdance, einer Variante des Cheerleadings, entschieden. «Ich mag diese Wettkampftrainings», schwärmt sie. «Sie sind eine tolle Abwechslung zu meinem Bürojob.»
Rutz, die auch dem Vorstand des Cheerleading- und Cheerdance-Verbands angehört, hat wie viele andere Tänzerinnen einst rhythmische Sportgymnastik gemacht. Sie war aber auch im Ballett, Kunstturnen und Lateintanz aktiv. Seit acht Jahren tanzt sie jetzt bei den Eurodancers.

Voller Einsatz im Training.

Voller Einsatz im Training.

Michel Sutter

Damals besuchte sie einen Pole-Fitnesskurs. «Flora Maurer, die Gründerin der Eurodancers, sah mich und lud mich daraufhin zu einem Tanzcasting ein», erinnert sie sich.
Das war zu den Anfangszeiten der Eurodancers, die ihren Namen übrigens der Euro 08 verdanken.

Maurer war damals von Österreich in die Schweiz gezogen. «Ich war zuvor in Österreich Trainerin und Tänzerin der Milleniumdancers gewesen», erzählt die mehrfache österreichische Meisterin im Cheerdance. «Ich tanzte bei diversen Events und auch für ein Basketballteam. In der Schweiz wollte ich etwas Ähnliches aufbauen.» Die Eurodancers waren geboren.
Seither gewinnen die Eurodancers die Schweizermeisterschaften in Serie. «Die Cheerleadingszene ist in der Schweiz leider noch nicht so gross wie in anderen Ländern», relativiert Maurer, die mittlerweile in Schlieren wohnt. Im Cheerdance, jener Disziplin, in der die Eurodancers antreten, gibt es nur wenige Teams, die an der Schweizermeisterschaft tanzen.

«Da stehen wir jeweils fast unter Siegzwang», sagt Maurer und lacht. Bei internationalen Wettkämpfen holen die Eurodancers zwar keine Titel in Serie, haben aber schon Medaillen geholt, zuletzt 2014 in Bonn im Cheer Dance Double. Europaweit seien Finnland, Österreich und Slowenien sehr stark, erklärt Maurer. «Gegen Nationen wie Frankreich oder Deutschland hingegen müssen wir gewinnen», sagt die 33-Jährige.
Doch die Eurodancers treten auch bei Shows auf, unter anderem an der Street Parade, an Sportveranstaltungen und bei Firmenevents. Hinzu kommen drei- bis viermal Training pro Woche. Hat man da nicht mal genug? «Nein», versichert Maurer, die hauptberuflich als Architektin arbeitet. «Denn ich mache es gerne. Es ist ein Riesenspass!»

«Die Gruppe ist einfach cool»

Auch für diejenigen, die verletzungsbedingt nicht mittrainieren können und trotzdem beim Training dabei sind – so wie Nilay Carisch (28) und Jacqueline Brix (25). Beide tanzen seit 2011 bei den Eurodancers. Brix hat wie Rutz über die rhythmische Sportgymnastik den Weg zum Cheerdance gefunden.

Die Eurodancers.

Die Eurodancers.

Michel Sutter

Carisch wurde von ihrer Cousine dazu animiert, beim Training vorbeizuschauen. «Dann hat mich das Fieber gepackt», sagt sie. Was ist denn am Cheerdance so faszinierend? «Man erlebt so viel Schönes zusammen», schwärmt Brix, die nebenbei noch Tanzlehrerin ist.

Und Nilay ergänzt: «Die Gruppe ist einfach cool, und wir verstehen uns sehr gut.» Auch ausserhalb der Tanzfläche. So werden Brix und Carisch demnächst zusammen in eine WG in Neuenhof ziehen.
Und die beiden werden auch dabei sein, wenn ihre Kolleginnen am 17. April zur Weltmeisterschaft nach Orlando, Florida, fliegen. «Man muss bei den Wettkämpfen zusammenhalten», erklärt Carisch.
Dann schauen sie zu, wie ihre Kolleginnen in zwei Gruppen die Choreografie für die WM üben. Es ist die letzte Übung an diesem Abend – nach dreieinhalb Stunden Training. Anschliessend gibt es noch einen Genuss der anderen Sorte: Ein Korb mit Schokoladentäfelchen steht für die erschöpften Tänzerinnen bereit.