Die siebte Saison ist für Stefan Galli in der Beziehung mit dem HC Dietikon-Urdorf keine verflixte. Im Gegenteil: Nachdem sein Name alle die Jahre zuvor vornehmlich auf dem Matchblatt als auf dem Feld erschienen ist, gehört er nun zum Stamm des Erstligisten. «Galli ist am Kreis gesetzt», hält Trainer Karsten Hackel fest. Das hat der 27-Jährige lange nicht mehr gehört. Der Regensdorfer hatte bislang das Pech, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein.

Türen beim HCDU schienen schon früh geschlossen

Das begann schon in der Juniorenabteilung der Limmattaler. Im damaligen U21-Inter-Team sass er zunächst ebenfalls auf der Bank, bis er in seinem ersten Einsatz zehn Tore erzielte. In der Folge half er mit, die Aufstiegsspiele zur Elite-Kategorie zu erreichen, wurde sogar Torschützenkönig. 2007 wechselte er jahrgangsgemäss ins Fanionteam, das gerade in die NLB aufgestiegen und als Abstiegskandidat entsprechend nicht besonders experimentierfreudig war. Nachdem Marcel Scheurer von einem Auslandaufenthalt zurückgekehrt war und für ein Comeback gewonnen werden konnte, hatten sich alle Hoffnungen Gallis auf eine echte Chance zerschlagen. Das galt auch für die darauffolgende Saison. Er konnte dank einer Doppellizenz mit dem HC Limmat immerhin in der 2. Liga Spielpraxis sammeln. Beim HCDU schienen für ihn aber alle Türen zugefallen.

Wer mit Galli spricht, begegnet einem humorvollen und durchaus selbstironischen Mann, der sich als Sportler sehr genau einzuschätzen weiss. Er sieht sein jahrelanges Lückenbüsserdasein nicht nur umstandsbedingt: «Es war auch ein Problem in meinem Kopf. Wenn ich mal zum Einsatz kam, spielte ich oft gehemmt, weil ich ständig Angst hatte, nach einem Fehler wieder auf der Bank zu sitzen.»

Wechselgedanken waren da

Sein dickes Sitzleder ist unüblich, zumal im Amateursport. Wollte er nie den Verein wechseln? «Diesen Gedanken hatte ich immer mal wieder», sagt Galli offen. «Ich sagte mir, wenn ich im nächsten Spiel nicht eingesetzt werde, gehe ich. Anscheinend haben das die Trainer irgendwie immer gehört», erklärt er. Ob er sein Vorhaben im gegenteiligen Fall in die Tat umgesetzt hätte, ist nicht sicher. Denn Galli ist tief mit dem Team verbunden. Dessen Charakter sei all die Jahre vergleichbar gewesen, hat er beobachtet. «Wir sind seit jeher eine Stimmungsmannschaft, die Dani Imhof viel zu verdanken hat», fasst er zusammen. Selbst zu seinen direkten Kontrahenten fand Galli stets den Draht. Mit Oliver Anderegg, nach Scheurers Rücktritt der erste Kreisläufer, teilte er auf Abschlussreisen das Zimmer. Kürzlich haben sich die beiden Ex-Teamkollegen wiedergesehen und festgestellt, dass sie in Watt bei Regensdorf in derselben Strasse wohnen.

Ein Zufall. So wie die Umstände, die dazu führten, dass Galli sich vor der laufenden 1.-Liga-Saison plötzlich als Fixstarter im Team fand. Denn eigentlich war kein Vorbeikommen an Raphael Guitton. Der wechselte aber kurz vor Saisonbeginn zum Gruppenkonkurrenten Horgen. Und weil Marco Meier und Oliver Anderegg während, respektive nach der vergangenen Saison zurückgetreten waren, war der Weg frei für Galli. Trainer Hackel sieht im stämmigen Galli einen «technisch exzellenten Spieler», der ihm «genügend Argumente» geliefert habe, warum er spielen sollte.

Verantwortung vom Penaltypunkt

Der stämmige Kreisläufer dankt das Vertrauen unter anderem mit Toren: 46-mal traf er in 13 Matches, 15-mal davon vom Siebenmeterpunkt. Letzteres zeugt für seinen neuen Status im Team. «Ich kann endlich Verantwortung übernehmen», sagt der treffsicherste Penaltyschütze des HCDU. Das will er auch in den kommenden, richtungsweisenden Partien zeigen.

Es macht ganz den Anschein, als ob das siebte Jahr in der ersten Mannschaft zu Gallis Glücksjahr wird. Das ist vielleicht kein Zufall: Die gegenteilige Auswirkung der Zahlensymbolik hat im Leben des Verkaufsberaters (Logistikbranche) System: An einem Freitag dem 13. im letzten Jahr heiratete er. Mit Absicht. «Allen anderen bringt dieses Datum Pech, also bringt es mir Glück.»