Eishockey
Erst abgeschoben, dann abgehoben

Der Oberengstringer Philippe Schelling verteidigt seit dieser Saison bei den Kloten Flyers. Offen erzählt er über den Bruch mit den Lions, die ihn «schlicht nicht mehr wollten am Ende der Saison».

Jonas Burch
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bz Basellandschaftliche Zeitung

Entspannt sitzt Philippe Schelling im Restaurant der Klotener KolpingArena. Seit wenigen Monaten ist die schmucke Arena am Schluefweg sein neues zu Hause. Er fühlt sich wohl hier. Das spürt man. Offen erzählt er über den Bruch mit den Lions, die ihn «schlicht nicht mehr wollten am Ende der Saison», wie der 26-Jährige selbst sagt. Hartes Brot für einen Eishockeyaner, der seit Kindesbeinen beim Zürcher Stadtklub gespielt hat. «Natürlich fühlt man sich im Stolz und vor allem auch im Herz verletzt. Aber so läuft das Geschäft nun mal», blickt der Limmattaler zurück. Den Wechsel zum Kantons- und Erzrivalen hat man ihm aber nicht übel genommen. «Die Zeiten der Loyalität sind vorbei im Eishockey», verdeutlicht er. Auch ausgepfiffen wird der Wahl-Zürcher nicht, dafür habe er einfach eine zu untergeordnete Rolle im Team und bei den Fans gespielt, ergänzt Schelling.

Sein neues Sportlerglück hat er nun beim Meisterschaftsaspiranten Kloten gefunden. Nach drei Gesprächen mit dem Flyers-Sportchef Jürg Schawalder und dem schwedischen Trainer Anders Eldebrink war klar: Schelling passt als Sportler und Charakter ins Vereinskonzept. Hier setzt man auf ihn. Endlich wieder. Ausserdem kann er seine Profikarriere ideal mit seinem Studium verbinden. Der Verteidiger studiert in Zürich Wirtschaftsinformatik im fünften Semester. «Auch ich war schon lange Zeit verletzt und weiss, wie schnell eine Karriere vorbei sein kann. Mit diesem Studium bin ich später beruflich abgesichert», so Schelling, dessen jüngere Schwester Florence bekanntlich im Tor der Schweizer Frauennationalmannschaft steht.

Nur als Nummer 7 gesetzt

Mit dem Wechsel zu den Fliegern scheint der sympathische Sportler das Traumlos gezogen zu haben. «Es ist fast zu schön, um wahr zu sein», schwärmt er. Nur: Auf seiner Position ist er aktuell nur die Nummer 7. Hinter gestandenen Spielern wie Félicien Du Bois, Micki DuPont oder Eric Blum. Dass er sich auch gegen solche Routiniers behaupten kann, steht für den Teilzeit-Studenten ausser Frage. «Aber als Neuzugang braucht man seine Zeit, um sich dem ganzen Spiel anzupassen.» So beschränkt sich seine bisherige Eiszeit auf durchschnittliche 12 bis 15 Minuten pro Partie.

Was er bei seinem neuen Arbeitgeber aber besonders schätzt, ist der teaminterne Zusammenhalt. Heisst: keine Grüppchenbildungen und kein rücksichtsloser Konkurrenzkampf. «Beim ZSC habe ich dies viel ausgeprägter erlebt.» Unter dieses Kapitel hat Schelling spätestens seit dem Wechsel einen Schlussstrich gezogen. Seinem Ex-Verein bleibt der gebürtige Oberengstringer trotz allem dankbar. Doch jetzt hebt er mit den Flyers ab – seinem neuen Rudel.

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