An diesem Abend herrscht Hochbetrieb in der Trainingshalle, die gleich neben der Zürcher Saalsporthalle liegt. Dutzende Kinder und Jugendliche des Zürcher Fechtclubs kreuzen die Klingen. Insgesamt 200 Mitglieder zählt der Verein und ist national sehr erfolgreich. Im letzten Mai hat er an den Schweizer Meisterschaften in der Kategorie U17 bei den Damen den zweiten und bei den Herren den dritten Platz geholt, und bei der U20 haben die Damen und Herren sogar den Titel gewonnen.

Mit dabei war damals auch die Aescherin Fiona Hatz. Heute steht die 17-Jährige in der Trainingshalle und strahlt übers ganze Gesicht, als sie auf ihr Crowdfunding-Projekt angesprochen wird. Dieses hat sie im vergangenen Juli zusammen mit acht weiteren Fechterinnen und Fechtern auf «ibelieveinyou» gestartet, um Geld für Reisen an die Turniere im Ausland zu sammeln.

Die Crowdfunding-Plattform wird unter anderem von einer grossen Krankenversicherungsgesellschaft getragen. Drei Monate lang konnte man übers Internet den Jugendlichen Geld spenden. Die Aktion war ein voller Erfolg. «Unser Ziel waren 12 000 Franken», sagt Hatz. «Dann haben wir es auf 15 000 Franken gebracht.» Zudem wurde ihr Projekt von der Crowdfunding-Plattform als Projekt des Monats ausgezeichnet, was den Jugendlichen zusätzliche finanzielle Mittel bescherte.

Mit dem Geld konnten die Sportler tatsächlich an ausländische Turniere reisen. Hatz jedoch konzentriert sich auf Fechtturniere innerhalb der Schweiz. «Ich bin erst im letzten Jahr in die U20 aufgestiegen», erklärt sie. «Daher fechte ich am Wochenende jeweils an nationalen Wettkämpfen.»

Daumenkinos und T-Shirts

Ihren Spenderinnen und Spendern haben Fiona Hatz und ihre Fechtkollegen unter anderem Fecht-Daumenkinos und T-Shirts geschenkt. Und als Gegenleistung für die Unterstützung von der Crowdfunding-Plattform haben sie im Einkaufszentrum Sihlcity Lebensmittel gesammelt und diese den Hilfswerken Pfarrer Sieber gespendet. Die Truppe hat sich aber nicht nur aufs Crowdfunding konzentriert. «Wir haben in der Stadt Zürich Flashmobs organisiert und Show-Fechtkämpfe veranstaltet», sagt Hatz.

All das hat der Gruppe neben den finanziellen Mitteln auch noch etwas anderes eingebracht. «Durch das Crowdfunding sind wir als Gruppe extrem gestärkt worden», sagt Hatz. Und das Team sei im Fechtsport sehr wichtig, auch wenn man bei den Wettkämpfen allein auf der sogenannten Piste stehe. «Wir brauchen einander, um uns gegenseitig zu pushen», erklärt die 17-Jährige. «Man braucht im Training auch starke Gegner, um weiterzukommen.»

Fünf Trainings pro Woche

Und zum Trainieren kommt Hatz sehr oft. Pro Woche absolviert sie fünf Trainingseinheiten, wobei jede Einheit zwischen zwei und dreieinhalb Stunden dauert. Bekommt man da nicht irgendwann genug? «Ich will bei jedem Training dabei sein», sagt Hatz und lacht. «Das Fechten macht mir wirklich Spass.» Dabei ist sie sich durchaus bewusst, dass Fechten eine Randsportart ist und nur die wenigsten davon leben können. «Daher bereite ich mich auf die Matura vor», sagt die Gymnasiastin. «Marcel Fischer hat schliesslich auch seinen Master in Medizin gemacht.» Doch wie schafft die Gymnasiastin es, so viele Trainingseinheiten zu absolvieren und nebenbei noch für die Matur zu büffeln? «Nun ja, ich habe nicht immer Top-Noten», gibt sie zu. Auch Überschneidungen mit dem Stundenplan kommen vor. «Man könnte natürlich auch weniger trainieren. Aber wenn man höhere Ziele hat, muss man eben auch mehr dafür tun.»

Hatz’ höchstes Ziel wäre, eines Tages an den Olympischen Spielen teilzunehmen. Doch dazu ist es noch ein weiter Weg – auch finanziell. «Langfristig wird Crowdfunding wohl nicht ausreichen, um unsere Sportart zu finanzieren», meint Hatz. «Ich hoffe, dass wir eines Tages einen grossen Sponsor finden.»