Im Prinzip hätte der Schiedsrichter das Derby zwischen Engstringen und Schlieren 2 gestern Sonntag nach einer Stunde abpfeifen können. Denn spätestens zu diesem Zeitpunkt war die Entscheidung gefallen im Duell zwischen dem Tabellenvorletzten und dem Schlusslicht – durch das 4:0 für Engstringen, das  Patrick Meier mittels eines sehenswerten Freistosses von der Strafraumgrenze aus erzielt hatte. Meiers Tor war der K.O.-Schlag für die Gäste, die zwar weiterhin wacker kämpften, aber bei diesem Spielstand natürlich keine Chance mehr hatten, die Partie zu drehen.

Vor diesem Knockout hingen die Schlieremer allerdings schon in den Seilen, um in der Boxersprache zu bleiben. Grund dafür waren zwei Tore der Engstringer gleich nach Beginn der zweiten Halbzeit. Erst sorgte wiederum Meier  für das 2:0, wobei er von einem Abpraller profitiert hatte und seinen Treffer selber als «etwas glücklich» bezeichnete. Dann, nicht mal eine Minute später, erhöhte der frei stehende René Schwendener mit einem perfekten Kopfball für das 3:0. «Dieser Doppelschlag war entscheidend», meinte Meier. «Danach wurde für uns alles einfacher.»

«Dieses Tor passt zu unserer Situation»

Schlieren hingegen wurde in dieser Phase von den Engstringern beinahe überrollt. Dabei hatten die Limmattaler Rivalen in der ersten Hälfte gut mithalten können, das Führungstor für Engstringen nach einer halben Stunde war unglücklich gefallen: Nach einer verpatzten Chance durch Meier schoss Janick Duske aus dem Hinterhalt, Salvatore Costantino hielt den Fuss dazwischen und lenkte den Ball ungewollt ins eigene Netz ab. «Dieses Tor passt zu unserer Situation», meinte Marc Olivier Salvato.

Schlieren versuchte, auf den Rückstand zu reagieren. Ein paar Minuten später kam Dilshad Al Mae zu einer guten Möglichkeit, doch sein Ball flog knapp am Tor vorbei. Es blieb bei der knappen Engstringer Führung zur Halbzeitpause, alles war zu Beginn der zweiten Hälfte noch offen. «Wir sind auch zuversichtlich aus der Kabine gekommen», sagte Salvato. «Doch dann schoss Engstringen das 2:0 und 3:0, und die Partie war gelaufen.» Doch warum kassierten die Schlieremer innert nur einer Minute gleich zwei Gegentore? Waren sie unkonzentriert? «Vielleicht», mutmasste Salvato. «Ich weiss es nicht.»

Die Schlieremer wirkten allerdings nicht nur in dieser Szene überfordert. Klammert man mal Meiers Freistoss aus, bei dem die Schlieremer nicht viel ausrichten konnten, liessen sie dem Lokalrivalen in einigen Situationen zu viel Raum. So auch beim fünften Engstringer Tor durch Mathias Glarner, der zum Abschluss kam, nachdem sich die Schlieremer wieder einmal von einem Engstringer Angriff hatten überrumpeln lassen. Für Salvato mangelt es seiner Mannschaft auch an der Einstellung. «Ich glaube, dass nicht alle 100 Prozent geben», sagte er. «Und in einer solchen Partie, in der es um so viel geht, muss man alles hineinwerfen.»

Schlieren mit dem Rücken zur Wand

Immerhin bleiben den Schlieremern noch sieben Partien, um sich über den Strich zu hieven. Der Abstand bleibt mit sieben Punkten konstant, wobei die direkten Konkurrenten im Abstiegskampf, Engstringen und Español Iberia, noch eine Partie mehr ausgetragen haben. Wollen die Schlieremer noch eine Chance auf den Ligaerhalt haben, müssen sie allerdings so langsam mit dem Siegen beginnen – und das gegen starke Gegner.

Am Donnerstag spielen sie gegen den Tabellendritten United Zürich 2, dann gegen den Zweiten Birmensdorf und übernächsten Samstag gegen Leader Urdorf. «Ich weiss nicht, ob wir so Birmensdorf und Urdorf schlagen», sagte Salvato. «Aber wir glauben weiterhin daran.»

Den Glauben an den Ligaerhalt haben die Engstringer umso mehr. «Wir wollten die drei Punkte unbedingt holen», sagte Engstringens Trainer Roger Balmer. «Ich bin erleichtert, dass wir das geschafft haben.» Allerdings sah Balmer auch noch Verbesserungspotenzial: «Wir haben nach dem 1:0 zu ängstlich agiert.

Und manchmal fehlt es uns noch an Präzision.» Zudem hätte sich Balmer gewünscht, dass seine Mannschaft ohne Gegentor geblieben wäre – Orhan Emrulahi hatte kurz vor dem Schlusspfiff noch den Schlieremer Ehrentreffer erzielt. Und trotzdem: «So ein Sieg, auch in dieser Höhe, tut natürlich gut.»

Da Español Iberia gegen Urdorf verloren hat, sind die Engstringer nun über dem Strich – zumindest vorläufig. Denn gewonnen ist noch nichts, das weiss auch Balmer. «Wir müssen unsere Qualität beibehalten», forderte er. «Da appelliere ich auch an die Disziplin und Selbstverantwortung meiner Spieler.» Balmer kündigte schon mal zwei «harte und intensive» Trainingseinheiten an, um seine Schützlinge auf die kommende Aufgabe vorzubereiten: am Sonntag gegen United Zürich 2.