«Ein Magier? Haha!» José Varela hält nichts von derlei Beizeichnungen. Aber er hält etwas von handfesten Hilfen, wenn er seinem Team etwas vergegenwärtigen will. Kürzlich wies er zwei Akteure unter Zuhilfenahme von Stecken auf die Zerbrechlichkeit des Einzelnen im Vergleich zum Ganzen hin. «Es bleibt den Spielern besser, wenn man mit konkreten Beispielen arbeitet», weiss der Zentralschweizer aus seiner Erfahrung.

Und er weiss, dass es in der Regel von Vorteil ist, im Vorfeld so wenig Erwartungen wie möglich zu schüren. Wie aktuell vor dem Vergleich mit dem beeindruckenden Schlieren. «Wir sind der klare Aussenseiter. Nur, wenn alles zusammenpasst, können wir gegen diese Mannschaft etwas ausrichten.» Er spielt damit auf die manchmal langen Phasen der Unkonzentriertheit der Engstringer Spieler an. «Wenn jeder sich immer auf seine Aufgabe fokussiert, liegen zehn bis fünfzehn Prozent mehr Leistung drin», hat Varela beobachtet.

Dank zweier Siege gegen die Habenichtse von Industrie Turicum und Hellas orientiert sich der FCE nach zwei Niederlagen zum Saisonbeginn nach vorn. Dem Vergleich mit dem verlustpunktlosen Spitzenreiter sieht Varela deshalb auch gespannt entgegen: «Ich weiss ehrlich gesagt nicht, wie mein Team gegen einen so starken Gegner auftritt.»

Nicht wie zu Schärers Zeiten

Philippe Knecht ist mit 17 Einsätzen seit dem Wiederaufstieg 2010 Engstringens erfahrenster Derby-Spieler. Der 24-Jährige pflichtete seinem Trainer bei, wenn er die Ausgangslage für morgen beschreibt: «Man muss sehen, dass Schlieren momentan beeindruckend auftritt. Es wird sehr schwer für uns.» Die verbale Defensive wurde zu Zeiten von Paul Schärer kaum je so offensiv geführt. Zwar wies auch er immer auf die grösseren Möglichkeiten der Nachbarn hin, doch letztlich überwog in seinen Ansagen immer der Glaube, dem Favoriten ein Bein stellen zu können.

Auch wenn das in drei Anläufen auf dem Schlieremer Zelgli letztlich nicht geklappt hat (0:2, 2:3, 2:5). Ein Erklärungsansatz, warum die Töne gegenwärtig anders lauten, liegt in der Herkunft von José Varela. Er hat naturgemäss nicht den Hintergrund von Schärer oder andern, wenn es um die Limmattaler Derbys geht.

Philippe Knecht schildert als einen der grössten Unterschiede zwischen den Übungsleitern denn auch die Form der Ansprachen an die Mannschaft: «Paul hat häufig an die Ehre und die Verpflichtung gegenüber dem FC Engstringen appelliert. José weist die Mannschaft jeweils einfach darauf hin, eine Einheit zu sein, um zum Erfolg zu kommen.»

Knecht sagte in einem Interview im Winter des vergangenen Jahres, dass Paul Schärer «der Beste» für den FCE sei. Was ist mit José Varela? «Er hat die Mannschaft super übernommen und hängt sich rein. Er macht einen sehr professionellen Eindruck», ist der Mittelfeldspieler voll des Lobes. Ob Knecht selbst morgen seinen 18. Derby-Einsatz bestreiten kann, weiss er noch nicht: Knieschmerzen setzten ihn zuletzt ausser Gefecht. «Wenn es irgendwie geht, bin ich dabei», verspricht er.