Powerfrau ist wohl der Begriff, welcher Cindy Merlo am ehesten gerecht wird. Die 12-jährige Squashspielerin vom SC Vitis Schlieren weiss auf und neben dem Court genau, was sie will, und gibt das Tempo vor. Das lässt sich anhand ihres Palmarès (sie gewann in der Saison 2010/11 bereits fünf Turniere bei den U13 und U15) und ihrer Position als Nummer vier im europäischen Ranking der unter 13-Jährigen ablesen.

Zuletzt gewann sie das Swiss Junior Open U13, obwohl sie krank war. «Es war sicher nicht gesund, zu spielen», meint ihre Mutter, eine ausgebildete Ostheopathin. «Aber gewonnen habe ich trotzdem», erwidert Cindy schelmisch. Andererseits ist eine Episode bezeichnend für diese doch schon ziemlich beeindruckende Persönlichkeit.

An der letzten Schweizer Meisterschaft wurden ihre Eltern von Andrew Marshall, dem ehemaligen Profi und Ex-Präsidenten von Swiss Squash, auf Cindy angesprochen. Man müsse doch etwas aus ihrem Talent machen, sagte er und empfahl der Familie das Wycliffe College in England, welches berühmt für seine Squash-Tradition ist.

Eine 12-Jährige allein in einem fremden Land? Die Eltern waren zunächst skeptisch, Cindy hingegen sofort Feuer und Flamme. «Wenn das jemand schafft, dann ist es Cindy», meinte ihr bisheriger Lehrer, womit die Entscheidung endgültig gefallen war. So lebt die Pfäffikerin seit Ende August in der Nähe von Bristol auf dem Gelände der Schule.

Hier findet sie perfekte Bedingungen für ihre grosse Leidenschaft und kann jeden Tag zwei Stunden trainieren. Der Fitnesstrainer und der Squashlehrer sind von der Schule angestellt und betreuen Merlo auch an den Turnieren. In England fühlt sich Merlo pudelwohl. Sie schwärmt von der internationalen Schule und den Sprachen, die sie lernt. «Für sie ist es kein Problem loszulassen. Und Berührungsängste kennt sie nicht», sagt ihr Vater.

Sie wünscht sich, ein weiteres Jahr in England bleiben zu können und dann an einer englischen Schule in der Schweiz die Matura zu absolvieren. Danach will sie Profisportlerin werden. Wer ihre bisherige Karriere verfolgt hat, hält dies absolut für möglich. Bei den U15 der Schweiz ist sie die Nummer 2 und bei den Erwachsenen bereits in den Top 40. Das Einzige, was ihr dabei im Weg stehen könnte, ist ihre Energie. Manchmal muss sie von den Eltern beinahe gezwungen werden, den Squashschläger aus der Hand zu legen. Ihr Arbeitseifer kennt fast keine Grenzen. So ist sie etwa zurzeit in der Schweiz und könnte ihre Ferien geniessen. Stattdessen besucht Merlo am Morgen mit ihren ehemaligen Klassenkameraden die alte Schule, trainiert am Nachmittag und am Abend erledigt sie die Aufgaben vom Wycliffe College. Da ist es wichtig, hat sie Eltern, welche sie unterstützen, aber auch mal bremsen können. In dieser Konstellation kann ja eigentlich gar nichts mehr schiefgehen.