Eisschnelllauf
Eisschnelläufer Oberbichler: Weltcupnorm anstatt Weihnachtfest

Der Urdorfer Eisschnellläufer Christian Oberbichler reist einen Tag vor Heilligabend ab in zentägige Trainingslager nach Inzell. Auf der Bahn in Oberbayern will sich der 20-jährige Schweizer Rekordhalter über 1000 m für den Weltcup qualifizieren.

Rainer Sommerhalder
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Auf dem Eis von Calgary lief Christian Oberbichler vor neun Monaten Schweizer Rekord.

Auf dem Eis von Calgary lief Christian Oberbichler vor neun Monaten Schweizer Rekord.

Das grösste Festtagsgeschenk kann Christian Oberbichler gleich selber liefern. Wenn der 20-jährige Urdorfer zwischen Weihnachten und Neujahr auf der Bahn von Inzell die 1000 Meter in 1:12,80 läuft, dann gibt er noch in dieser Saison sein Debüt im Weltcup.

Anstatt daheim im Kreise der Familie Geschenke unter den geschmückten Baum zu legen, reist der hoffnungsvollste Schweizer Eisschnellläufer heute Sonntag für zehn Tage nach Oberbayern ins Trainingslager. Am 26., 29. oder 30. Dezember wird er an verschiedenen Wettkämpfen versuchen, die Weltcupnorm zu laufen. Oberbichler ist sehr zuversichtlich: «Ich habe in diesem Herbst auf der Eisbahn im Dolder bereits den Schweizer Kleinbahn-Rekord gebrochen. Und bei meinem ersten Rennen auf einer 400-m-Bahn lief ich aus dem Training heraus 1:14,20. So schnell war ich in Europa noch überhaupt nie.»

Bereits schneller gelaufen

Auch die geforderten 1:12,80 ist der Limmattaler bereits gelaufen. Im März dieses Jahres schaffte er auf dem ultraschnellen Eisoval von Calgary die Schweizer Rekordzeit von 1:11,93 und verpasste die Limite für den Weltcup um lumpige drei Hundertselsekunden. Weil die Bahnen in Europa deutlich langsamer sind als jene von Calgary oder Salt Lake City, fordert der Verband hier eine um neun Zehntelsekunden langsamere Zeit für die Weltcupqualifikation. Das ist Christian Oberbichlers Chance.

Dem Urdorfer mekrt man an, wie gross sein Selbstvertrauen nach den «persönlichen Fabelzeiten» von Calgary geworden ist. Dort hat er den Glauben gefunden, es in das Weltcup-Starterfeld zu schaffen. Und zwischen Kanada und Oberbayern hat er auch in zwei anderen Bereichen Nägel mit Köpfen gemacht. Die Lehrabschlussprüfung als Schreiner hat Oberbichler mit der Note 4,9 bestanden. Neu arbeitet er zugunsten von besseren Trainingsbedingungen nur noch 80 Prozent im angestammten Beruf.

Rekrutenschule vor der Haustüre

Nicht geklappt hat es mit der Spitzensport-RS in Magglingen, doch der vermeintliche Rückschlag entpuppt sich bei näherer Betrachtung sogar als Vorteil. Oberbichler kann den Militärdienst, der am 11. März genau einen Tag nach dem Saisonfinale im Eisschnelllauf beginnt, in einer Leistungssport-Einheit in Kloten absolvieren. Zeit fürs Training erhält er auch dort und der Anfahrtsweg zur Trainingsbasis im Dolder ist ungleich kürzer als von Magglingen aus.

Nur in einem Bereich musste der Sprint-Spezialist, der seine Zukunft auch über längere Strecken sieht, einen Rückschlag hinnehmen. Bei seinem Start am Dietiker Waldlauf brach eine besiegt geglaubte Verletzung der Patellasehne wieder auf. Durch die Entzündung am Knie musste Oberbichler im Aufbautraining einige Abstriche machen. «Es brauchte einiges an Physio und Schonung, damit ich die Entzündung in den Griff bekommen habe», sagt der Urdorfer.

Die Patellasehne wird aber auch in Zukunft die persönliche Achillesferse des Talents sein. Daran denken will Christian Oberbichler in den nächsten Tagen nicht. Jetzt geht es darum, den nächsten Schritt in seiner noch jungen Karriere zu machen. Im Januar oder Februar will er sich erstmals im Weltcup beweisen. Nicht nur er selber traut sich dies zu.