Klettern

Eiskönigin Petra Klingler hat keine Angst vor Pickeln

Die Vorstellung, einen Pickel um Kopf stecken zu haben, ist furchteinflössend. So furchteinflössend, dass sich nicht alle Sportkletterer im Eisklettern versuchen. Die Bonstetterin Petra Klingler stellt sich der Gefahr.

Zwei-, dreimal habe Petra Klingler eine Schramme davongetragen, weil sich der Pickel bei voller Belastung plötzlich aus der Eiswand löste und sie ihn sich selbst gegen das Gesicht schlug.

Eiskletter-Weltcup in Saas-Fe

youtube/ledolaz.com

Eiskletter-Weltcup in Saas-Fe


Für die Bonstetterin liegt in der indirekten Kraftübertragung auch die Herausforderung. Ausserdem sei der Wettstreit im Eisklettern gerechter, «Grössenunterschiede kommen nicht zum Tragen», führt sie aus.

Im Sportklettern konkurrenzlos

Das Eisklettern bedeute für die Sport- und BWL-Studentin in erster Linie Spass. Dem Wettkampf stellt sich der Ehrgeizling dennoch, zuletzt gestern an einem Weltcup in Frankreich. Dass sich die bald 22-Jährige neue Herausforderungen sucht, kommt nicht von ungefähr.


Boulder-Wettkämpfe

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Boulder-Wettkämpfe

Am Fels oder in der Halle ist Klingler in der Gesamtwertung konkurrenzlos in der Schweiz. Von den letzten 20 Starts schloss sie 17 auf dem Podest ab, 13 davon als Siegerin.

Lob vom Nationaltrainer

Ihre ersten Schweizer Meistertitel holte sie bereits im Juniorenalter, was ihr 2010 den Sportpreis der Stadt Zürich einbrachte. 2012 gewann sie an den Weltmeisterschaften in Paris Bronze in der Kombination. Einem Podestplatz im Weltcup kommt die Bonstetterin immer näher.

Nationaltrainer Urs Stöcker führt Klinglers Überlegenheit auf ihre technische und körperliche Überlegenheit zurück. «Sie ist eine wahre Athletin, die ihresgleichen sucht. Insbesondere in den Armen und Schultern hat sie eine ungeheure Maximal- und Schnellkraft», schwärmt er.

Anderen ist es zu kalt

Im Eisklettern ist Klingler wegen der «mageren Konkurrenz», wie sie selbst sagt, unangefochten. Die anderen Mitglieder des «1992er-Clans», die gleichaltrigen Katherine Choong und Rebekka Stotz, nehmen nicht daran teil. Beziehungsweise nicht mehr: Die Urdorferin Stotz wurde 2010 Junioren-Europameisterin, heute sei ihr diese Sportart nach Auskunft von Kollegin Klingler zu kalt.

Der Säuliämtlerin werden als einziger A-Kader-Athletin die im Zusammenhang mit Weltcupstarts stehenden Kosten vom Verband übernommen.

Auftritt im olympsichen Dorf

Für den Auftritt auf ihrer bislang grössten Bühne musste sie indes selbst nach Unterstützern suchen: Vom 4. bis am 14. Februar wird sie inSotschi weilen und im olympischen Dorf durch Showwettkämpfe die Faszination Eisklettern zu vermitteln versuchen.

Dahinter steckt Kalkül: Der internationale Verband kämpft darum, dass die Sportart ab 2022 ins Olympiaprogramm aufgenommen wird. Das Sportklettern schied im vergangenen Jahr als Kandidat für die Sommerspiele 2020 aus.


Im Interview

youtube/Dario Andermatten

Interview


Petra Klingler, die die Freude am Klettern von ihren Grosseltern vermittelt bekam, steht den Olympia-Plänen mit gemischten Gefühlen entgegen. «Die Kletterszene ist familiär wie früher bei den Snowboarder.

Eine Aufnahme ins olympische Programm und das Geld könnte das kaputtmachen.» Ihre Furcht davor ist offenbar grösser als vor dem nächsten sich lösenden Pickel.

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