Teamstar 2011
Eishockeyaner wandeln auf Georges Bregys Spuren

Vom Eis auf den Kunstrasen – die Limmattal Wings besuchen das Training des FC Urdorf in Dietikon.

Raphael Biermayr
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Ehrgeiz hat schon so manchen ins Verderben geritten. Zumal übertriebener. Als Marco zum Training des FC Urdorf erscheint, ist bald die Rede davon, dass er und seine Eishockeyteamkollegen nicht die ganze Einheit mitmachen würden. «Wir nehmen lieber ein Bier im Klubhaus», so der Captain der 3.-Liga-Mannschaft. Wenige Minuten später steht Birrer FCU-Trainer Röbi Rhiner gegenüber. Dieser sieht ihm in die Augen und fragt: «Ihr bleibt doch bis zum Schluss, oder?» «Ja, klar», antwortet der Eishockeyspieler in einer grenzenlosen Selbstverständlichkeit.

Am vertrautesten mit dem Terrain ist Michel Tobler. Der 22-Jährige von der zweiten Wings-Mannschaft hat die Juniorenstufen beim FCU durchlaufen. Nun steht er dem einen oder anderen Bekannten gegenüber. Die fünfköpfige Wings-Delegation wird komplettiert von Nicolas Gamper, Alexander Marty und Lolo Bertschmann, mit 45 Jahren der Älteste auf dem Platz. Wie vom Eis bekannt, besticht Bertschmann durch Fitness. Die zehrenden Kraftübungen unter der Leitung von «Zuchtmeister» Thomas Jenny steckt er locker weg. Bei anderen Wings-Akteuren macht sich hingegen bemerkbar, dass das letzte Trockentraining lange zurückliegt.

Ob Fussballer oder Eishockeyspieler: Interessant wirds erst, wenn ein Ball im Spiel ist. Die Gäste zeigen Talent auf dem Dietiker Kunstrasen. Oder zumindest Einsatzwillen. Gamper und Marty sind veritable Kopfballungeheuer, Tobler zeigt sich beidfüssig als Könner, Bertschmann machts mit der Routine, Birrer offenbart technisches Geschick. Und tritt damit den Beweis an, dass man auch mit «Lotto»-Schuhen aus der Zeit von Georges Bregys Tor im WM-Eröffnungsspiel 1994 in nichts nachsteht.

Der Bann bricht im Trainingsspiel. Während sich die Fussballer – wie aus der 2.-Liga-Meisterschaft bekannt – verzetteln, bestechen die Wings-Spieler durch Effektivität. Marty trifft gegen Bertschmann zum 1:0. «Sogar im Fussball stehst du richtig», ruft Birrer aus dem Hintergrund. Er spielt darauf an, dass Marty die Nummer 8 der 3.-Liga-Topskorerliste ist. Tobler egalisiert den Spielstand, nachdem er Birrer aussteigen gelassen hat. Der sich nach einer weiteren Verletzung herankämpfende FCU-Stürmer Roman Pfister, der seinen früheren Birmensdorfer Mitspieler Roman Hess (zuletzt beim FC Dietikon) zum Probetraining mitgenommen hat, dreht die Partie mit dem 2:1, ehe Marty mit seiner Vorlage auf Andrea Pasinelli das Tor zum Endstand von 2:2 einleitet.

Zum Schluss stehen Sprintübungen auf dem Programm. «Nicht einmal die haben sie sich geschenkt», bemerkt Fussballtrainer Rhiner lobend. Er attestiert den Gästen «grossen Biss» und nickt anerkennend, als er das Alter von Bertschmann vernimmt, der zwei Lenze mehr zählt als er selbst. Ob die in der Kabine geäusserte «Drohung» von Roman Pfister aber Wirklichkeit wird, darf bezweifelt werden. Als er festgestellt hat, dass Bertschmann neue Fussballschuhe gekauft hat, sagt er zu ihm mit einem Augenzwinkern: «Das ist gut, denn bei uns weisst du nie – plötzlich bist du im Team.»