So mancher wird sich beim FC Dietikon gefreut haben, als das Los den Limmattalern für die erste Hauptrunde des Schweizer Cups den FC Lugano bescherte. Dass ein Team aus der Super League auf der Dornau vorbeischaut, ist nicht alltäglich. Am Sonntag, 19. August, wird es aber wieder einmal so weit sein. Dann dürfte der ein oder andere in Erinnerungen schwelgen. Denn der FC Dietikon hat in seiner mittlerweile 110-jährigen Geschichte schon manch legendäres Cupspiel gegen Teams aus der höchsten Spielklasse bestritten. Einige waren regelrechte Krimis und gingen nur äusserst knapp verloren, andere waren bereits nach wenigen Minuten entschieden. Etwa jenes gegen den FC Basel im Jahr 1929.

In der zweiten Runde ging es damals gegen die Bebbi. Für die Limmattaler, die ein Jahr später in die 2. Liga aufsteigen sollten, gab es an diesem Tag nichts zu holen. Gleich mit 0:10 wurden sie nach Hause geschickt. Dennoch fand man in der Presse lobende Worte für den Aussenseiter. Besonders Arthur Hess hatte es dem Berichterstatter angetan, wie in der Vereinschronik nachzulesen ist. «Die Basler sind von uns begeistert. In ihren Reihen spielten vier aktive Internationale. Hess wollten sie kapern, er blieb uns jedoch treu. Bravo Arthur!»

Die Dietiker brachten den St. Galler Torwart Böckli nur selten in Bedrängnis.

Die Dietiker brachten den St. Galler Torwart Böckli nur selten in Bedrängnis.

Wesentlich knapper ging das Spiel gegen den FC Luzern aus. Auch wenn die Partie im Jahr 1958 vor 3500 Zuschauern auf der Allmend – der FC Dietikon verzichtete auf das Heimrecht – wenig ansehnlich war, wie das «Luzerner Tagblatt» monierte. Das lag allerdings weniger an den Limmattalern, sondern am Heimteam. «Die Zuschauer erlebten phasenweise eine planlose Kickerei. Die Hauptschuld muss man nicht dem sympathischen Erstligaklub Dietikon in die Schuhe schieben, sondern unserem reputierten Stadtklub, der zweifellos den Gegner unterschätzte und sich praktisch nie zu einer Einheit fand», hiess es im Matchbericht. Dennoch resultierte eine 2:4-Niederlage für die Limmattaler. Sie erhielten vom Reporter gar Lob für ihre Spielweise. «Erfreulicherweise verlegte sich Dietikon nicht auf eine sture Defensivtaktik, sondern griff immer wieder keck an, sodass kein einseitiges Spiel auf ein Tor entstand.»

Zwei knappe Spiele gegen GC

Bereits zwei Jahre nach dem Aufeinandertreffen mit den Luzernern wartete wieder ein grosser Brocken auf den FC Dietikon. Dieses Mal verzichteten die Limmattaler nicht auf ihr Heimrecht, und so verfolgten gegen 2000 Zuschauer den Cup-Kracher gegen GC. Es war eine Partie, die beinahe mit einer Sensation geendet hätte. Bis zehn Minuten vor Schluss führten die Dietiker, nachdem sie in der 23. Minute unglücklich durch einen Treffer von GC-Stürmer Giuliano Robbiani in Rückstand geraten waren. Doch «Dietikon liess sich durch den Verlusttreffer nicht verdriessen, startete immer wieder zu Gegenangriffen und hielt die Partie ziemlich offen», wie es in der «NZZ» hiess. Zum Ausgleich vor der Pause sollte es dennoch nicht mehr reichen.

Helmuth Johannsen war 1981 ein gefragter Mann auf der Dornau.

Helmuth Johannsen war 1981 ein gefragter Mann auf der Dornau.

Dieser gelang den Dietikern dann aber kurz nach Wiederanpfiff – mit gütiger Mithilfe des Schiedsrichters. In der 54. Minute pfiff dieser einen Elfmeter, der aus Sicht des Zeitungsreporters alles andere als berechtigt war. «Als ein Dietikoner Stürmer im Zürcher Strafraum zu Fall kam, glaubte der Schiedsrichter, dies auf eine Intervention Zurmühles zurückführen zu müssen und diktierte fälschlicherweise einen Foulelfmeter, den Paul Seiler mit flachem Eckschuss verwandelte.» Für die Hausherren kam es noch besser. Nur vier Minuten später köpfte Werner Peyer zur 2:1-Führung ein. Erst jetzt erwachten die Gäste. Doch erst in der 80. Minute schaffte Robert Ballaman den Ausgleich. Dann wurde es dramatisch. Vier Minuten vor dem Ende scheiterte Rudolf Burger vom Elfmeterpunkt. Nur eine Zeigerumdrehung später machte es Mannschaftskollege Ballaman besser und drückte den Ball nach einem Angriff mit letzter Kraft zum Sieg für den Favoriten über die Linie.

Ähnlich dramatisch ging es zwei Jahre später zu und her. Auf dem Hardturm hiess der Gegner erneut GC. Dieses Mal ging es gar in die Verlängerung, ehe sich die Hausherren für den Achtelfinal qualifizieren konnten. Nach 90 Minuten, in denen sich der Erstligist aus Dietikon durch eine engagierte Leistung auszeichnete, stand es 1:1. Dann aber setzte sich die technische Überlegenheit der Zürcher durch. Lob gab es für die Limmattaler trotz der 1:3-Niederlage dennoch. «Staunen musste man indessen über die konditionelle Fitness der Gäste, die sich auch dann nicht geschlagen gaben, als nichts mehr zu gewinnen war. Man möchte der Elf von Dietikon wünschen, dass sie vermehrtes Augenmerk auf die spielerischen Eigenschaften lenkt: wäre sie technisch besser beschlagen, würde sie bald zu den besten Teams ihrer Spielklasse zählen», hiess es in der «NZZ».

Luzerner Trainer in Rage

Wenig fehlte auch beim nächsten Cup-Kracher. Im August 1977 gastierte der FC Luzern mit Trainer Albert Sing auf der Dornau. Dieser war mit dem Gezeigten ganz und gar nicht zufrieden, wie «Der Limmattaler» notierte. Vor allem während der zweiten Hälfte brüllte er immer wieder übers Feld. Sein Team war kurz vor der Pause in Führung gegangen, hatte danach aber zusehends Mühe mit der kämpferischen Leistung der Platzherren. Allerdings blieb das Spiel vor 1100 Zuschauern über lange Strecken auf bescheidenem Niveau. Und so konnten die Luzerner den knappen Vorsprung über die Zeit retten.

Deutlicher fiel das Ergebnis beim letzten grossen Cup-Auftritt der Dietiker aus. Gegen den FC St. Gallen resultierte vor heimischer Kulisse ein 0:5. Dies, nachdem die Limmattaler eine Runde zuvor mit dem FC Altstätten einen B-Ligisten aus dem Wettbewerb geworfen hatten. Doch an den 1:0-Sieg konnten die Dietiker nicht mehr anknüpfen. Zu gross war der Respekt vor der Mannschaft von Trainer Helmuth Johannsen. Schon früh gerieten die Hausherren in Rückstand. Und so nahm das Schicksal seinen Lauf. Die Freude unter den 1500 Zuschauern war dennoch gross. Vor allem die Kinder freuten sich über Autogramme des gegnerischen Trainers, der vielen noch aus seiner Zeit bei GC in guter Erinnerung war.