Fussball
Eine Gratwanderung zwischen Sinn und Unsinn

Die Strafpunkteregelung brachte nach Verbandsangaben mehr Ruhe auf die Plätze – doch dient sie dem Sport?

Jonas Burch
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Siebnen (in Rot, hier im Rückrundenspiel gegen Urdorf) stieg in der vergangenen Saison trotz der besseren Tordifferenz in die 3. Liga ab. rab

Siebnen (in Rot, hier im Rückrundenspiel gegen Urdorf) stieg in der vergangenen Saison trotz der besseren Tordifferenz in die 3. Liga ab. rab

Limmattaler Zeitung

Nach drei Jahren auf Bewährung ist sie im Zürcher Regionalfussball seit der vergangenen Saison fix: die Strafpunkteregelung. Umstritten war die definitive Einführung offenbar nicht. «Es gab keine Oppositionen dagegen. Wir erfahren seitens der Vereine eine grosse Akzeptanz», sagt Willy Scramoncini vom in Schlieren ansässigen Fussballverband der Region Zürich (FVRZ). Seiner Ansicht nach hat sich die Regelung bewährt, die zum Zweck hatte, nach etlichen Eskalationen in den vorangegangenen Jahren wieder mehr Ruhe und Ordnung auf die Zürcher Fussballplätze zu bringen. «Das haben wir erreicht. Seit der Einführung gibt es markant weniger Aggressivität und Gehässigkeiten», konstatiert Scramoncini. Nur: Wie sehr leidet der Fussball unter diesem Kriterium?

Gespaltene Meinungen

Pro Saison entscheidet die Strafpunkteregelung in etwa zehn Fällen über Auf- und Abstieg. Legendär ist der «Fall Stäfa» aus dem Jahr 2010: Wegen einer gelben Karte in der 90.Minute stiegen die Seebuben aus der 2.Liga ab. Der verwarnte Spieler beging im eigenen Strafraum ein Handspiel, der Elfmeter führte zum 1:2. Hätte der Stäfner den Ball widerstandslos durchgelassen, hätte sein Team das Match möglicherweise auch verloren, wäre aber trotzdem oben geblieben. In der vergangenen Saison war Zweitligist Siebnen das prominenteste Opfer. Die Schwyzer kämpften mit Urdorf und anderen in der Gruppe 2 gegen den Abstieg in die 3. Liga ab. Trotz der deutlich besseren Tordifferenz im Vergleich mit Zürich-Affoltern mussten sie schliesslich runter.

Wird der Fussball zum Leidtragenden? Siebnen-Trainer Pasquale Nigro spricht Klartext: «Für mich hat die Regel nichts mit Fussball zu tun. Wenigstens haben alle Klubs dieselbe Ausgangslage und niemand wird bevorteilt. Deswegen akzeptiere ich die Regel, aber kann sie nicht wirklich vertreten.» Ein weiterer Streitpunkt für Nigro: Pro Karte muss eine Geldbusse an den Verband gezahlt werden, nun kommen zusätzlich noch Strafpunkte hinzu. «Wieso müssen die Vereine doppelt bestraft werden?», fragt er sich.

In der Gruppe 1 schloss Dübendorf die vergangene Saison punktgleich mit Leader Phönix Seen ab, war aber auch wegen der Strafpunkte im Nachteil. Beim Verein ist man gespaltener Meinung über die Regelung: «Sie hat merklich mehr Ruhe in den Regionalfussball gebracht. Trotzdem wären einige Modifikationen sinnvoll», sagt Trainer Robert Merlo und fügt hinzu: «Es müsste möglich sein, gewisse Punkte abarbeiten zu können.» Sein Vorschlag: Erhält eine Mannschaft über mehrere Spiele keine Karte, sollte eine gewisse Anzahl Strafpunkte abgezogen werden. «Andernfalls kann einem ein Spiel bereits zum Verhängnis werden. Das darf nicht Sinn und Zweck sein», ergänzt Merlo.