Ab dem kommenden Samstag gilt es für die stärkste Frauenmannschaft im Limmattal, die NLC-Equipe des TC Weihermatt Urdorf, wieder ernst. Mit dem Auswärtsspiel gegen Dählhölzli Bern beginnt für die Limmattalerinnen die neue Interclubsaison. Zum zweiten Mal kann das Team dabei auf die Dienste von Raluca Ciulei (N4, 60) zählen. Die Rumänin nimmt dabei als erfahrenste und bestklassierte Spielerin die Rolle der Teamleaderin ein.

Die 34-Jährige wohnt in einer WG in Zürich, hat seit März den ETH-Master in Mathematik in der Tasche und ist zurzeit auf Jobsuche. In welcher Branche sie künftig arbeiten möchte, weiss sie noch nicht.

Vorteil im Kommunismus

Ebenfalls unklar ist, ob sie in der Schweiz bleiben wird oder ob es sie an einen anderen Ort zieht. Es wäre nicht das erste Mal, dass Raluca Ciulei an neuer Stätte von vorne beginnt.
1986, im Alter von sechs Jahren, griff sie erstmals zum Racket. Im damals noch kommunistischen Rumänien war das Training gratis.

Doch nach dem Mauerfall wurde Tennis zu einem teuren Hobby. Zu teuer für die Familie Ciulei. Während sechs Jahren wurde Raluca Ciulei daher von ihrem Vater - eigentlich ein Fussballtrainer - gecoacht. «Er war wie eine Ballmaschine für mich. Er spielte einfach die Bälle aus dem Korb, denn er konnte ja nicht mit mir spielen», schildert Ciulei.

Für Essen reichte das Geld kaum

Trotzdem gewann Ciulei drei Mal die rumänischen Juniorenmeisterschaften im Einzel und zwei Mal im Doppel. Mit 16 verliess sie ihre Heimat mit dem Ziel, Tennisprofi zu werden. Ein Sponsor lockte sie nach Deutschland, wo ihr ein ehemaliger russischer Spitzenspieler als Trainer zur Verfügung gestellt wurde.

Doch die Zusammenarbeit funktionierte nicht. Der Trainer forderte zu viel und Ciulei war im Kopf nicht bereit. «Ich hatte Heimweh und war mit dem Wechsel von Rumänien nach Deutschland überfordert.»

Ans Aufgeben dachte sie deswegen nicht, obwohl sie nach einem Jahr auf sich allein gestellt war - praktisch ohne Geld, ohne Trainer und ohne der deutschen Sprache mächtig zu sein. Wenn sie nicht bei einer Familie übernachten konnte, schlief sie in der Tennishalle, während Turnieren oftmals auch in der Garderobe. Das Geld reichte kaum, um anständig zu essen.

«Ich wollte es unbedingt an die Spitze schaffen, aber unter diesen Umständen war das natürlich nicht möglich. Es war eine sehr harte Zeit», blickt Ciulei zurück. Dann aber drehte sich das Blatt. Nach der zweijährigen Odyssee durch Deutschland, während der sie sich kein WTA-Ranking erspielen konnte, erhielt sie ein Stipendium in den USA. Sechs Jahre verbrachte sie in den Staaten.

Kaum Erfolge auf der WTA-Tour

Zuerst in Richmond, dann in Philadelphia. Sie lernte die Sprache, absolvierte den Bachelor in Informatik und sammelte daneben fleissig Punkte für das Tennisteam der University of Pennsylvania. Danach startete Ciulei einen zweiten Anlauf als Profi, erreichte mit Rang 817 im Einzel und Position 343 im Doppel ihre besten Klassierungen. Doch dann wurde das Geld knapp, und die Rumänin entschied sich, den Traum der Profikarriere aufzugeben und dafür ihr Mathematikstudium an der ETH Zürich in Angriff zu nehmen.

Neben dem Studium arbeitete sie als Programmiererin und gab Tennisunterricht. Seit knapp zwei Jahren trainiert Raluca Ciulei auch das Limmattaler Talent Tom Cecchetto. Da der Birmensdorfer Mitglied des TC Weihermatt ist, stiess auch Ciulei zum Club und spielt seither für die erste Frauenmannschaft.

Ein Glücksfall für die Limmattalerinnen, die im ersten Jahr mit Raluca Ciulei gleich die zweite Aufstiegsrunde zur Nationalliga B erreicht hatten. Nach dem Auftakt am kommenden Samstag empfängt Weihermatt im ersten Heimspiel am 10. Mai Hörnli Kreuzlingen.