Handball
Ein Torhüter zwischen Himmel und Hölle

Die Saison des Dietikers Simon Schellings gipfelt in der Nervenprobe mit dem NLA-Klub Stäfa. Am Samstag geht es los.

Raphael Biermayr
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Hält die Lakers Festung Simon Schelling?

Hält die Lakers Festung Simon Schelling?

Ende März sah es düster aus für die Lakers Stäfa mit den Dietikern Jonas Affentranger und Simon Schelling. In der NLA-Abstiegsrunde kassierte man die vierte Pleite in den vergangenen fünf Matches. Das war gleichbedeutend mit dem Motivations-Vakuum für die Stäfner: Sie hatten keine Chance mehr auf den direkten Verbleib in der höchsten Liga, während der direkte Abstieg bereits an Altdorf vergeben war.

Unerwarteter Höhepunkt

Just auf diese Tristesse folgte für Simon Schelling der Höhepunkt seiner bisherigen Laufbahn. Der Torhüter hexte die Schweizer U20-Nationalmannschaft an die Europameisterschaftsendrunde vom Sommer in Österreich. Schon das erste Match gegen Kroatien, den U19-Vizeweltmeister des Vorjahres, war richtungsweisend. Der Limmattaler, der im Verein die Nummer zwei ist, legte mit einer fantastischen Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit den Grundstein für das 22:22-Remis. Danach gewannen die entfesselt aufspielenden Schweizer die beiden weiteren Matches und schlossen die Qualifikationsgruppe als Tabellenführer ab.

Den Schwung mitgenommen

Wie schaffte es Schelling, das Negative aus dem Verein so schnell hinter sich zu lassen? «Als Natispieler muss man trennen können. Es sind zwei verschiedene Teams und Aufgaben. Das ist zwar nicht leicht, gehört aber dazu», führt der beredte Dietiker aus. Offensichtlich brachte er danach etwas von der positiven Energie zurück nach Stäfa: Die Seebuben entschieden alle vier folgenden Matches der Abstiegsrunde für sich. Ein Mentaltrainer half zusätzlich, die Orientierung im Vakuum zu finden. Schelling, der Erfahrung in der Zusammenarbeit mit einem solchen Fachmann hat, hat sich in der mannschaftsinternen Abstimmung für die Verpflichtung ebendieses Coaches ausgesprochen. Um sich auf seine Aufgaben neben der Halle zu konzentrieren, bedarf Schelling hingegen keiner Unterstützung von aussen. In fünf Wochen steht die erste der Abschlussprüfungen für den Hochbauzeichnerlehrling auf dem Programm. «Das Lernen hilft mir, vom Sport abzuschalten – und umgekehrt», sagt Schelling. Nach bestandener LAP will er sein Arbeitspensum von 100 auf 65 Prozent reduzieren, um mehr Zeit für den Handball zu haben, finanzielle Einbusse hin oder her. Auf die Frage, ob sein Vertrag bis 2016 unabhängig der Spielklasse Gültigkeit hat, reagiert Schelling ehrlich erstaunt und sagt: «Das müsste ich zuerst nachlesen.» Das sei jedoch gar nicht erst nötig, denn: «Ich bin überzeugt, dass wir es schaffen in der Barrage.»

Unbequemer Gegner

Dort treffen die Stäfner auf den NLB-Zweiten Endingen, der den direkten Aufstieg schon vor Augen hatte, auf der Zielgeraden aber noch von Suhr Aarau abgefangen wurde. Das erste Barragematch ist für die Dietiker Schelling und Affentranger aus geografischer Sicht quasi ein Heimspiel: Die Endinger empfangen sie morgen in der Wettinger Tägerhard-Halle (ab 18 Uhr). Am Samstag nächster Woche steigt das Rückspiel in Stäfa (16.30 Uhr, Frohberg).