Tennis

Ein Tag mit Nathan Schmid an der Junioren Schweizer Meisterschaft

«Ich würde 95 Prozent wieder gleich machen», sagte Nathan Schmid nach der Niederlage.fabio baranzini

«Ich würde 95 Prozent wieder gleich machen», sagte Nathan Schmid nach der Niederlage.fabio baranzini

Der 18-jährige Limmattaler Nathan Schmid kämpft um den Einzug in die Viertelfinals und unterliegt dabei seinem Trainingskollegen Joshua Zeoli. Im Doppel läuft es besser: Schmid steht in den Halbfinals... gemeinsam mit Zeoli.

Um 7.30 Uhr beginnt der Tag für Nathan Schmid. Noch dauert es dreieinhalb Stunden bis zu seinem Einsatz in der zweiten Runde der Königskategorie (U18) an der Junioren Schweizer Meisterschaft. Mindestens. Der Aescher wird erst das dritte Spiel auf dem Center Court bestreiten. Bis er den roten Sand auf der Anlage in Lausanne betreten wird, bleibt noch einiges zu tun.

Nach einem ausgiebigen Frühstück begibt sich der 18-jährige Limmattaler auf den Trainingscourt. Dieser liegt rund 15 Gehminuten von der Jugendherberge entfernt, in der Schmid seit Montagabend weilt. Die erste Bewegungseinheit des Tages steht auf dem Programm: Ein lockeres Einlaufen, bei dem der ganze Körper auf Betriebstemperatur gebracht wird. Dann greift Schmid zum Racket. Wie fast vor jedem Spiel schlägt er sich ein, um ein Gefühl für den Ball und die Bedingungen zu bekommen. Zu viert teilen sie ein Platz.

Einer seiner Einspielpartner ist Joshua Zeoli (N4, 101). Das ist eigentlich nichts Ungewöhnliches, denn die beiden trainieren seit Jahren gemeinsam im Tenniscenter CIS Wase. Dass sie jedoch auch an diesem Morgen miteinander einspielen, ist speziell, denn nur wenige Stunden später werden sie sich um den Einzug in die Viertelfinals duellieren. «Das ist kein Problem. Wir kennen uns sowieso in- und auswendig, da gibt es nichts zu verstecken», sagt Schmid. Trotzdem: Legt man in dieser Situation bereits beim Einspielen die Karten auf den Tisch oder versucht man den Gegner in falscher Sicherheit zu wiegen und taktiert? «Nein, das würde nichts bringen. Joshi merkt sofort, wenn ich ihm etwas vorspielen würde. Umgekehrt ist das genau so.»

Die letzten Vorbereitungen

Nach 30 Minuten ist die Aufwärm-Session vorbei. Schmid ist bereit und freut sich auf den bevorstehenden Einsatz. Schliesslich hat er in Lausanne Grosses vor. Bei seinem letzten Auftritt an einer Junioren Schweizer Meisterschaft will er sich den Titel sichern. Als Nummer zwei des Turniers sicherlich kein völlig unrealistisches Ziel. Noch ahnt Schmid aber nicht, dass sich seine Gefühlslage schon bald dramatisch ändern wird.

Nach einer Dusche beginnt er mit der Vorbereitung seines Material. Rackets, Shirts und Schuhe werden bereitgelegt, das Wasser mit Isostar angereichert und einige Tapes angebracht. Noch immer dauert es rund eine Dreiviertelstunde bis zum Match gegen Zeoli. Jetzt muss der Kohlenhydratspeicher aufgefüllt werden. Schmid isst einen Riegel, für eine Portion Pasta ist die Zeit zu knapp.

Mittlerweile ist es 11 Uhr. Die zweite Partie auf dem Center Court neigt sich dem Ende entgegen, der Start von Schmids Match ist absehbar. Die Anspannung steigt. «Ich bin schon etwas nervös», gesteht Schmid. Wenige Minuten vor dem Spiel läuft er sich nochmals ein. Diesmal weniger lang, dafür intensiver. Er wirft einen letzten Blick in sein Notizheft, wo er sich seine Taktik bereits einige Tage zuvor zurecht gelegt hatte. Mit dem Aufschlag will er Zeoli unter Druck setzen, den Ball von der Grundlinie aus in den leeren Raum spielen.

Keine Chance gehabt

Um 11 Uhr 20 geht es los. Doch die Partie läuft völlig am jungen Limmattaler vorbei. Er findet nicht zu seinem Spiel, steht permanent unter Druck. Zeoli auf der anderen Seite spielt gross auf. Schnell liegt Schmid 0:5 zurück. «Ich habe nicht einmal schlecht gespielt, aber er war schlicht viel besser», so der 18-Jährige. Kurzzeitig kehrt die Hoffnung zurück. Schmid kann auf 3:5 verkürzen, erspielt sich gar eine Möglichkeit zum 4:5. Diese kann er aber nicht nutzen. Mehr lässt Sandplatz-Spezialist Zeoli nicht zu. Er überlässt Schmid kein einziges Game mehr. 3:6, 0:6 - ein bittere Klatsche. Die Enttäuschung bei Schmid ist riesig.

Kurz nach dem Match folgt ein lockeres Auslaufen - gemeinsam mit Zeoli. Unterwegs besprechen die beiden die Partie. Viel Zeit bleibt Schmid aber nicht, um dem verpatzten Auftritt nachzutrauern. Bereits stehen die Vorbereitungen für die Doppelbegegnung an, die Schmid an der Seite von Zeoli bestreiten wird. In einem hartumkämpften Match ringen die beiden ihre Gegner nieder. Drei Matchbälle müssen sie dabei abwehren.

Die Hoffnung aufs Doppel

Mit etwas Abstand blickt Schmid nochmals auf sein Einzelmatch zurück. Eine Erklärung für die Niederlage hat er noch immer keine. «Ich würde 95 Prozent wieder gleich machen. Einzig der Service war nicht ganz so gut, wie ich mir das vorgenommen hatte», sagt er. « Aber immerhin habe ich gegen Joshi verloren. Er ist so etwas wie mein zweites Ich. Er soll sich nun den Titel holen. Die Niederlage ist aber trotzdem sehr, sehr bitter.»

Ein kleiner Trost bleibt. Dank dem knappen Sieg im Doppel steht Nathan Schmid gemeinsam mit Zeoli im Halbfinal. Dort treffen sie heute auf das topgesetzte Duo Hüsler/Moundir. Wer weiss, vielleicht gibt es am Ende ja doch noch eine Goldmedaille. Wenn auch nur im Doppel.

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