Eishockey
Ein Star zu Gast auf der Urdorfer Weihermatt

Der Ex-Profi Michel Riesen feilte auf der Urdorfer Eisbahn mit den B-Junioren des EHC Urdorf und der ZSC Lions an ihrer Schusstechnik. Trainings wie diese sind die Zukunft des ehemaligen NHL-Pioniers.

Irene Müller
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Spieler sowie Trainer (2. von links) sind von Michel Riesen (Mitte) begeistert.

Spieler sowie Trainer (2. von links) sind von Michel Riesen (Mitte) begeistert.

Irene Müller

«Hallo, ich bin Mitch.» Die Ruhe in Person streckt der Journalistin eine halbe Stunde vor dem Training die Hand entgegen. Michel Riesen, der vierfache Schweizer Meister und NHL-Pionier, der 2014 zurücktrat, müsste sich den Rummel um ihn eigentlich gewohnt sein. Doch er scheint sich ohne ebendiesen wohler zu fühlen. Viel lieber steht er unauffällig neben dem Rink der Urdorfer Weihermatt, als wäre er nicht das ehemalige Schweizer Eishockey-Wunderkind, sondern ein ganz normaler Zuschauer. Kurz vor seinem Einsatz spricht er sich noch kurz mit den Trainern ab.

Diese hatten sich etwas ganz Spezielles ausgedacht für den EHCU-Nachwuchs. Das zehnköpfige Team der B-Junioren, die mit dem ZSC zusammenarbeiten, durfte am vergangenen Donnerstagabend mit Michel Riesen ein privates Training absolvieren, finanziert von den Eltern. Riesen, der den Ruf des «besten Schusses ausserhalb der NHL» vorauseilt, sollte vor allem die Schusstechnik der jungen Eishockeyaner verbessern – eine einmalige Gelegenheit für die 12- bis 14-Jährigen.

Begeisterung auf allen Seiten

Auch die Trainer waren ganz aus dem Häuschen und folgten jedem Wort des Stars. «Das habe ich also auch noch anders gelernt», sagt ein Trainer völlig begeistert und sprintet zum Mentor zurück. Alle wollen etwas profitieren vom Meister, Teile des Trainings zeichneten sie mit der Videokamera auf. Riesen selbst führt sein Training mit der grossen Ruhe fort und hat anscheinend Spass daran, den Jungen sein Können beizubringen.

Zuerst ein kleines Aufwärmspiel.
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Zuerst ein kleines Aufwärmspiel.
Zuerst ein kleines Aufwärmspiel.
Dann ging die Einleitung in die Technik los.
Das Vorzeigen des Meisters.
Dann heisst es: üben, ...
...üben,...
...üben.
Ab und zu unterbrochen durch kurze Rückmeldungen.
Riesen in seinem Element.

Zuerst ein kleines Aufwärmspiel.

Irene Müller

Darauf angesprochen sagt er: «Mit Kindern zu arbeiten, bereitet mir viel Freude. Es ist toll, wie schnell sie neue Techniken aufnehmen, da sie noch nicht so eingefahren sind mit ihrem bisher Gelernten. Je früher man die Techniken verfeinert, desto besser.» Die Junioren zumindest sind offensichtlich zufrieden mit dem Gezeigten, konnten viel profitieren und hätten «auch einmal zugehört», wie eine zuschauende Mutter schmunzelnd hinzufügt.

Neue Perspektiven

Der eine oder andere mag sich nun vielleicht noch nicht so mit dem Trainerbild von Riesen zufriedengeben wollen. Doch der bald 36-Jährige hat nach eigenen Angaben seine eigene Sportlerkarriere definitiv an den Nagel gehängt: «Dafür bin ich zu alt», lautet die knappe Antwort. Dass er eines Tages selbst Trainings leiten wird, habe er schon immer gewusst.

Der unverhoffte Konkurs seines letzten Klubs Basel Sharks im Sommer 2014 hatte diesen Wechsel zur passiven Rolle im Sporttreiben schlicht beschleunigt. Riesen jedenfalls ist allem Anschein nach zufrieden mit seiner neuen Arbeit: «Ich bin noch alles ein bisschen am Aufbauen, allerdings habe ich schon gemerkt, dass eine grosse Nachfrage da ist.»

Davos-Trainer Arno Del Curto, sein ehemaliger Mentor, war der Erste, der auf das neue Angebot aufmerksam wurde und stellte Riesen als Schusstrainer des NLA-Klubs ein. Zurzeit arbeitet Riesen drei Tage pro Woche für den HCD, die restliche Zeit kann man ihn für individuelle Trainings buchen – so wie es der EHC Urdorf getan hat.